125. Comedy Slam in Trier: Sprungbrett für die Stars

Comedy : Trierer gehen zum Lachen in den Keller

Comedy-Slams gibt es bundesweit in vielen Städten – aber das Original kommt aus Trier und geht am Samstag in seine 125. Auflage im MJC-Keller. Für Comedy-Stars wie Chris Tall oder Luke Mockridge war Trier ein Sprungbrett.

Der Wille passt kaum noch durch die Tür, auch das Selbstvertrauen trägt XXL – alles muss im Überfluss vorhanden sein. Es ist Anfang November 2011: Der Hamburger Chris Tall, gerade mal 20, ist zum ersten Mal als Comedian unterwegs. Sein allererster Auftritt führt ihn nach Trier zum Comedy-Slam. Den gewinnt er damals zwar nicht, erst bei seiner Rückkehr ein halbes Jahr später. Aber Eindruck hat er trotzdem hinterlassen bei Peter Stablo vom Ausrichterverein Kultur Raum Trier: „Chris Tall hatte angekündigt, dass er einen Bus voller Freunde aus Hamburg mit nach Trier bringen will. Man hat schon gesehen, dass er sehr ehrgeizig ist und einen sehr großen Willen hat.“

Stablo hat vor über 15 Jahren gemeinsam mit Kerstin Rubas die Erfolgsreihe ins Leben gerufen. Dabei treten mehrere Comedians gegeneinander an – und wer am lustigsten ist, darüber entscheidet das Publikum. „Die Idee entstand nach dem ersten Poetry Slam am 19. Dezember 2003“, erinnert sich Stablo: „Dafür gab es zwei Gründe: Die ernsten Autoren sollten bessere Chancen gegenüber den Humoristen erhalten – und die Humorkunst sollte ihren eigenen Slam bekommen.“ Das hat auch eine historische Dimension: Die Trierer sind die Erfinder des Comedy-Slams in Deutschland. Aktuell gibt es in über einem Dutzend weiterer Städte vergleichbare Wettbewerbe.

Sieben Jahre nach seinem Debüt füllt Chris Tall mit seinem Über-alles-darf-man-Witze-machen längst die größten Hallen. Da gehörte die ausverkaufte Arena Trier im November 2018 noch zu den kuscheligeren. Chris Tall ist nur einer von vielen Comedians, für die der Wettbewerb in Trier ein Sprungbrett oder zumindest ein Schritt auf dem Weg nach oben war. Auch Luke Mockridge – der 2018 gleich an zwei Tagen hintereinander für eine ausverkaufte Arena in Trier sorgte – ließ an der Mosel erst mal im Keller lachen, im Mergener Hof. Dort war er mehrfach zu Gast, trat gegen andere Comedians an. Er sah, was gut funktionierte und was nicht. Routine bekommen, Wettkampfhärte gewinnen. Dafür ist Trier immer eine gute Adresse gewesen. Und die Stimmung sei immer ganz besonders, schwärmt Stablo. Am Samstag geht die 125. Auflage über die Bühne. Was sich in 15 Jahren verändert hat? „Das Publikum ist im Schnitt ein bisschen älter geworden“, sagt er. Viele Stammgäste seien seit Jahren dabei. „Früher hatten wir ein sehr studentisches Publikum.“ Sie sahen im kleinen Rahmen Auftritte von ganz unterschiedlichen Comedians wie Murat Topal, Faisal Kawusi, Maxi Gstettenbauer, Sebastian Krämer oder Marc-Uwe Kling („Die Känguru-Chroniken“). Auch der Trierer Kevin Ray (28), auch mal Comedy-Slam-Gewinner, ist inzwischen bundesweit mit Soloprogramm unterwegs.

Höhepunkte sind die „Master-Comedy-Slams“, bei dem die Gewinner des Vorjahres um den Constantin-Comedy-Preis antreten. Da lassen sich die Kultur-Raum-Macher gerne was Besonderes einfallen: „Wir haben von Anfang an auf Off-Locations gesetzt“, sagt Stablo. Also auf den leerstehenden Supermarkt oder die alte Werkshalle, die zur Irritation mancher Taxifahrer auch mal als „Karl-Marx-Halle“ angekündigt wurde. Der erste „Master“ fand 2005 vor 900 Zuschauern in der zuvor geschlossenen Paulinus-Druckerei statt, wo heute längst die Trier Galerie steht. Beim nächsten „Master“ gibt’s auch ein Novum: „Da sind wir am 4. Mai zu Gast im Theater Trier“, sagt Stablo. Auch das dürfte voll werden. Es passen aber auch „nur“ 622 Zuschauer rein. Eine Kulisse, über die Chris Tall oder Luke Mockridge wohl nur müde lächeln können.

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