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16 Jahre alt und sehr talentiert: Das Trio Juvenis im Porträt

Klassische Musik : Weit offen für die Welt der Musik

Jung und hochqualifiziert: das Klaviertrio „Juvenis“ im Porträt.

Es fasziniert von Anfang an, zuzuschauen und zuzuhören. Da steht im Festsaal Konz-Karthaus mit Mendelssohns d-Moll-Klaviertrio ein Hauptwerk der Gattung auf dem Programm, und drei 16-Jährige vertiefen sich mit großem Ernst und großer Konzentration in die Welt des großen Romantikers. Nichts klingt verspielt, aber auch nichts überanstrengt. „Trio Juvenis“ heißt das Ensemble, zu dem sich Pianistin Michelle Woo, Geiger Ferdinand Eppendorf und Cellistin Lea Reutlinger formiert haben.

Alle drei hatten schon vor der Pause einzeln Ihr Können demonstriert. Im zweiten Teil traten sie als Trio auf.  „Juvenis“ – der Name spielt an auf das Alter der Drei. Aber vielleicht klingt auch etwas Hoffungsvolles darin mit, eine vorerst vage, aber schon erkennbare Entwicklungsperspektive.

Fest steht, dass alle im dreiköpfigen Ensemble schon auf etliche Preisverleihungen zurückblicken können. Wer sämtliche Preise in den drei Biografien des Konzertprogramms addieren will, der kommt auf die stolze Zahl von etwa 20. Die fürs Erste wichtigste Auszeichnung war der 1. Preis für das Trio beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Jahr 2019. Damals spielten sie den Kopfsatz des Mendelssohn-Trios. „Und wir hatten einfach Lust, das Stück komplett einzustudieren“, sagt Lea Reutlinger. Sie begannen im Herbst 2019 mit den Proben am Gesamtwerk, ließen die Arbeit dann erst einmal liegen und griffen das Stück im Januar 2020 wieder auf. „Das muss kein Fehler sein“, sagt Ferdinand Eppendorf entschieden.

Wie sehen die Berufsperspektiven der drei jungen Leute aus?

Michelle Woo möchte vielleicht Konzertpianistin werden, und ihr ist dabei klar: Angesichts der großen Zahl exzellenter Pianisten weltweit ist das ein schwieriger und risikoreicher Weg. „Ich lasse mich einfach leiten“, sagt sie. Bei Lea und Ferdinand sind alle Pläne noch unbestimmt, und das ist bei ihrem Alter verständlich. „Ich möchte einfach sehen, wie es sich entwickelt“, erklärt Lea  und ergänzt sofort, dass sie gerne im Orchester spielen würde. Eins steht für alle fest: „Wir wollen Musiker werden“. Und sie wissen: Um in diesem Beruf Erfolg zu haben, müssen höchste Begabung und immenser Fleiß zusammenkommen. Instrumentalpädagogik als Beruf spielt bei ihnen vorerst noch keine Rolle. „Wir unterrichten bis jetzt niemanden“, sagt Ferdinand Eppendorf. „Und das wird vorerst so bleiben.“

Gibt es für sie ein künstlerisches Schlüsselerlebnis? Wer danach fragt, trifft bei ihnen auf eine gewisse Ratlosigkeit. Nein, das hätten sie nicht gehabt, sagt Lea. Aber das lässt sich auch positiv ausdrücken: Die musikalischen Aktivitäten der Drei haben sich wie selbstverständlich ergeben – wahrscheinlich mit Eltern, die selber ganz nah waren an der Musik. Auch die Frage nach der Lieblingskomposition läuft zunächst ins Leere. Nein, das gebe es so bei ihnen nicht, sagen alle drei. Und Ferdinand, etwas konkreter: „Ich nehme ein Stück – und dann das nächste“. Aber was bei ihm leicht skeptisch klingt, hat auch einen anderen Aspekt, und der ist von großer Bedeutung. Für die drei jungen Menschen gibt es keine eingefahrenen Entwicklungswege. Die fatale Formel „alternativlos“ spielt für sie keine Rolle. Alles ist für sie möglich. Und die  große Welt der Musik, sie hat sich für sie weit geöffnet.