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1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, Ausstellung in Trier

Jubiläum : Auf den Spuren unserer jüdischen Nachbarn

2021 ist es genau 1700 Jahre her, dass jüdisches Leben in Deutschland schriftlich belegt ist. Bund, Länder, Kirchen und Verbände haben dafür ein Jubiläumsjahr ausgerufen, das auf vielfältige Weise dessen Spuren zeigt. Trier macht mit und erklärt die Stadt selbst zum Ausstellungsraum.

Wenn Jutta Albrecht vor dem Sinn-Bekleidungshaus steht und dem Zuschauer die Geschichte dieses Trierer Ortes erklärt, dann deutet zunächst nichts darauf hin, dass es um die Juden geht. Denn deren Spuren sind weitgehend verschwunden. Sie müssen erzählt werden. Die Nazis haben, wie die Historikerin ausführt, das ehemalige jüdische Kaufhaus Haas arisiert, die Besitzer inhaftiert, zur Flucht gezwungen oder in den Selbstmord getrieben. Albrechts Film-Vorstellung ist eine von 30, in denen Orte mit Spuren jüdischen Lebens nun zu sehen sind. Zwei Filme sind schon auf der Homepage des Stadtmuseums Simeonstift abrufbar, die weiteren werden in der Sonderausstellung vom 21. März bis 4. November gezeigt.

Frank Hirschmann steht vor der Konstantin-Basilika. In der dortigen Burg des Erzbischofs hatten die Trierer Juden 1066 Zuflucht gesucht, als es während eines Kreuzzuges zum Pogrom gegen sie kam. „Doch der Erzbischof war zu schwach, um ihnen zu helfen“, erklärt der Professor für Geschichte. „Der hat sich dann selbst in der Porta Nigra verschanzt.“

Geschichten über Geschichten, erzählt in Filmen von jeweils ein paar Minuten. Die Sonderausstellung ist ein Beitrag der Stadt Trier zum großen, bundesweiten Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, gefördert vom Bundesinnenministerium und koordiniert von einem eigens dafür gegründeten Verein in Köln, wie Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift, erläutert. Dort nämlich, am Rhein, existiert der älteste schriftliche Beleg für die Präsenz von Juden in Deutschland, und der datiert auf das Jahr 321. Für Trier sind Juden erst im Jahr 1066 schriftlich nachgewiesen, doch fand der Stadthistoriker und Autor Hans-Joachim Kann sogar Belege für jüdisches Leben in der Antike. Und Hirschmann schätzt, dass Juden „sicher im 10. Jahrhundert, wahrscheinlich im 9. Jahrhundert“ in der Stadt gelebt haben. Schließlich kamen die Einwohner von Köln, Mainz und Worms, in deren Städten bereits Synagogen standen, über Frankreich und die Champagne an den Rhein.

„Es ist eine rein mediale Ausstellung“, kündigt Dühr an. Es werde bis auf drei hebräische Handschriften aus Trierer Museen keine Exponate geben, sondern nur die Filme und Interviews. „Man kann rumgehen, und man kann sich diese 30 Geschichten anhören.“ Jeder Besucher erhält einen Einmal-Kopfhörer, mit dem er diese anhören kann. Angedacht ist, dass die Trier Tourismus und Marketing GmbH noch eine Version mit Audioguides erstellt, mit denen Besucher die Filme in der Stadt anschauen können. Zudem soll es geführte Rundgänge geben.

„Wir machen die Stadt zum Ausstellungsstück“, so Dühr, „und wir erzählen die Geschichten in der Stadt, die mit der Geschichte des Judentums in Trier im Zusammenhang stehen“. Die Zusammenstellung der Orte und Geschichten solle „den Reichtum und die Bedeutung der jüdischen Kultur für die Stadt sichtbar machen, die in der Rezeption oftmals auf die Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung beschränkt ist“.

Das Fenster der neuen Synagoge in Trier ist das Ausstellungsmotiv des Stadtmuseums Simeonstift. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier/Roman Kasselmann

Auch über die rund 500 heutigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Trier erfahren die Besucher einiges – nicht nur, dass die überwältigende Mehrheit aus der Sowjetunion stammt.