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Konzerte
„Ich war mir sehr, sehr sicher“

25 Jahre Konzert zum Jahreswechsel in Trier-St. Paulin. Joachim Reidenbach (links) und Volker Krebs mit den Plakaten von 1992 (links) und 2017.
25 Jahre Konzert zum Jahreswechsel in Trier-St. Paulin. Joachim Reidenbach (links) und Volker Krebs mit den Plakaten von 1992 (links) und 2017. FOTO: Martin Möller / TV
Trier. 25 Jahre Konzert zum Jahreswechsel in Trier-St. Paulin: Die beiden Regionalkantoren werfen einen Blick in Vergangenheit und Zukunft.

Die Plakate hängen schon. Am 31. Dezember, 20 Uhr, wird in Trier-St. Paulin das geistliche Konzert zum Jahreswechsel stattfinden  – zum 25. Mal. Joachim Reidenbach, damals Regionalkantor, hatte die Idee. Und die Ausführung erwies sich als grandioser Erfolg. Es zeigte sich, dass die Zahl der Menschen beträchtlich ist, die nachdenklich werden und ernsthafte Kultur suchen, wenn das neue Jahr naht. TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach dazu mit Joachim Reidenbach und Volker Krebs, seinem Nachfolger als Regionalkantor.

Herr Reidenbach, was hat Sie 1992 zu einem Jahreswechsel-Konzert veranlasst?

REIDENBACH: Wir hatten in diesem Jahr die Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung von St. Paulin, mit - ich darf sagen: einer Reihe hervorragender und sehr erfolgreicher Aufführungen. Ich habe dann meinem Pauliner Pfarrer Vierbuchen die Idee unterbreitet, das Jahr 1993 mit einem großen Konzert zu beginnen. Ich habe darauf gesetzt, dass viele Menschen sich zum Jahreswechsel nicht mit Silvesterböllern begnügen. Dann habe ich entdeckt, welch herrliche Musik Johann Sebastian Bach für das Neujahr geschrieben hat. Und daraus hat sich dann das Konzept eines Konzerts zum  Jahreswechsel 1992/93 entwickelt – am letzten Tag des alten Jahres. Eins muss ich allerdings noch anmerken. Pfarrer Vierbuchen und wohl auch der Verwaltungsrat scheuten sich, die finanzielle Verantwortung für das Projekt zu übernehmen. Die „Cantores Trevirenses“ und ich persönlich haben dann für zwei Konzerte das Risiko ganz privat getragen.

Nun gibt es in dieser Zeit in Trier relativ reichlich Kirchenmusik. Warum waren Sie so sicher, dass ihr Jahresschluss-Projekt ein Erfolg würde?

REIDENBACH: Auch wenn es überheblich klingt: Ich war mir sehr, sehr sicher. Ich habe in meinem großen Bekanntenkreis nachgefragt, und die Rückmeldungen waren ausnahmslos positiv. Wir haben es dann 1992 probiert, und die Paulin-Basilika war brechend voll. Etliche Besucher mussten stehen, weil es nicht genug Sitzgelegenheiten gab. Ein Riesenerfolg!

Herr Krebs, als Sie nach Trier kamen, wie haben Sie dieses Projekt wahrgenommen? Waren Sie begeistert oder eher distanziert?

KREBS: Ich bin 2010 nach Trier gekommen, habe aber bereits 2009 die Vorbereitungen zum damaligen Silvesterkonzert mitgemacht. Joachim Reidenbach hat mich damals eingeführt. Skepsis war bei mir keine da. Joachim ist eine Institution in Trier, das Jahreswechsel-Konzert gleichfalls, und es ist in der gesamten Region als kirchenmusikalisches Konzert in dieser Art und zu diesem Zeitpunkt einzigartig. Ich habe mich gefreut und freue mich immer noch, die Tradition dieses Konzerts weiterzuführen.

Was haben Sie nach Ihrem Einstieg in der Programmkonzeption verändert?

KREBS: Nur sehr wenig, und mehr war auch gar nicht notwendig. Es gibt für diese Gelegenheit reichlich Literatur, auch moderne Kompositionen wie Arvo Pärts „Cantus in Memoriam Benjamin Britten“ im vergangenen Jahr oder das Orgelkonzert des zeitgenössischen Komponisten Hans-André Stamm im kommenden Konzert.

Herr Reidenbach, wie haben Sie die Reihe erlebt, als diese an Herrn Krebs überging?

REIDENBACH: Es war nach meinem Empfinden ein nahtloser Übergang. Die Musik in solch einem Konzert muss sich ja nicht direkt auf den Jahreswechsel beziehen. Ein „Te Deum“ beispielsweise passt hervorragend in diesen Rahmen. Also, wie gesagt, ein nahtloser Übergang.

Herr Krebs, haben Sie überhaupt Veränderungen wahrgenommen – im Grundkonzept oder in der Art des Musizierens? Gab es neue Akzente im Programm?

KREBS: In der Programmgestaltung und Interpretation kam es zu geringfügigen Veränderungen.  Joachim und ich sind nun mal unterschiedliche Charaktere.

Aber welche Akzente sind denn eigentlich neu?

REIDENBACH: Das ist, finde ich, eine etwas willkürliche Differenzierung. Mir fällt auf, dass Volker anders dirigiert als ich und manches auch anders interpretiert. Aber eine Wertung ist damit nicht verbunden.

Krebs: Wir sind zwar unterschiedliche Persönlichkeiten. Aber das Konzert zum Jahreswechsel und seine Konzeption haben sich über die 25 Jahre hinweg so etabliert, dass kleine persönliche  Unterschiede gar nicht wichtig sind. Da muss keine Erneuerung her. (Reidenbach nickt).

Um das zusammenzufassen: Beim Silvesterkonzert gibt es ein Potenzial, das bei weitem nicht erschöpft ist. Da kann man noch lange weitermachen.

KREBS: Ja, auf alle Fälle ...

REIDENBACH: ..., wobei man durchaus auch stilistisch noch in andere Bereiche gehen und mehr moderne Musik aufführen könnte. Wir dürfen das Publikum, das mit einer ganz bestimmten Erwartung nach St. Paulin kommt, nur nicht schockieren.

KREBS: Natürlich schaden Entdeckungen nicht. Zum Beispiel das Magnificat von Mendelssohn in diesem Jahr. Da hat ein Dreizehnjähriger ein erstaunlich reifes Werk geschrieben. Das wird gewiss ein weiterer musikalischer Höhepunkt neben Mendelssohns wunderbarer Psalmkantate „Wie der Hirsch schreit“.

Von Martin Möller