| 20:34 Uhr

3000 Jahre alte Werkstatt im Boden versteckt

Ochtendung. Ambosse, Beile, Schwertgriffe, ein Gefäß und Gussreste: Archäologen werten einen Metallfund aus der Bronzezeit bei Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz) als große Sensation. Die Gegenstände bringen Erstaunliches über die Fähigkeiten der Menschen in der Eifel zur damaligen Zeit ans Tageslicht. Anne Fuhrmann

Ochtendung. Es ist ein trister, nebeliger Novembertag im Jahr 2005, als die Archäologen am südlichen Fuß des Karmelenbergs bei Ochtendung einen Fund machen, dessen Bedeutung ihnen erst sehr viel später klar wird. Auf einem Acker entdecken sie ein Beil aus einer Bronzewerkstatt aus der Zeit um 850 vor Christus. Noch am selben Tag heben sie in der Dunkelheit den gesamten Fund. Erst heute steht fest: Bei dem 3000 Jahre alten Bronzegefäß und den darin befindlichen Metallteilen handelt es sich um eine Entdeckung von außergewöhnlicher Bedeutung.
Dabei hatten die Fachleute ursprünglich nicht damit gerechnet, nahe Ochtendung überhaupt noch einmal fündig zu werden, wie Dr. Dr. Axel von Berg, Leiter der Koblenzer Außenstelle der Landesarchäologie, erklärt. "Das Gelände galt schon als ausgebeutet. Für uns kam der Fund deshalb unerwartet", sagt er. Dass der Metallhort dennoch nicht verborgen blieb, hängt mit einer großen Siedlung zusammen, die es ehemals nahe dem heutigen Ochtendung gab. In der Vergangenheit waren schon zweimal Scherben ans Tageslicht befördert worden, die in Zusammenhang mit der Siedlung zu sehen sind. Diese Spur wollen die Archäologen verfolgen und die Oberfläche dort nach weiteren Resten absuchen, als sie auf die Werkstattteile stoßen.
Material stammt aus der Eifel


Mehrere Jahre sind sich die Fachleute im Unklaren darüber, woher die Bronzewerkstatt stammt. Verschiedene aufwendige Analyseverfahren und sehr spezifische Kenntnisse sind notwendig, um das zu überprüfen. Deshalb bat schließlich Axel von Berg beim LVR-Landesmuseum in Bonn um Unterstützung, das mit Restaurator Frank Willer einen Spezialisten auf diesem Gebiet vorweisen kann.
Er gelangt zu dem Ergebnis, dass das verwendete Material aus der Eifel kommen muss und dass die Werkstattteile in der Region produziert wurden.
Das bedeutet für die Wissenschaftler eine Sensation: Bisher waren sie davon ausgegangen, dass solche Produktionstechniken zu dieser Zeit nur im Mittelmeerraum ausgeführt wurden. Nun ist aber klar, dass auch die Menschen in der hiesigen Region das Gießen von Metall beherrscht haben. "Das ist für uns spektakulär. Es gibt nichts Vergleichbares", sagt Willer. Damit sei Pionierarbeit geleistet worden. Äußerst selten bei dem Fund sei zudem, dass neben den fertigen Werkzeugteilen wie Fein ambossen, Beilen und einem Schwertgriff auch Gussreste aufbewahrt wurden.
Der bislang größte Metallfund aus der späten Bronzezeit in Rheinland-Pfalz hat bei den Archäologen weitere Fragen aufgeworfen. Wieso wurden die Gussreste nicht weiter verarbeitet? Wieso wurden die kleineren Teile damals in den "Eimer", das Bronzegefäß, gesteckt?
Zum Schutz in der Erde vergraben


Inzwischen sind die Fachleute der Meinung, dass der ehemalige Besitzer die Teile ganz bewusst im Boden vergraben haben muss, um sie zu verstecken und so zu schützen. "Es war damals eine unruhige Zeit, und der Fund stellte für die damalige Zeit einen unglaublichen Wert dar", erklärt Axel von Berg. Durch eine Verschlechterung des Klimas und Völkerwanderungen sei der Besitzer wahrscheinlich verunsichert gewesen. Der Fachmann vermutet, dass der Besitzer ein Adeliger gewesen ist, denn wohlhabende Menschen gab es damals in der Nähe des Golorings.
Bis zum 28. April ist die Bronzewerkstatt im LVR-Landesmuseum in Bonn zu sehen. Thomas Metz, Direktor der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, stellte in Aussicht, dass sie auch in Mainz und in Koblenz ausgestellt wird.
Schon bald wollen die Archäologen wieder in Ochtendung tätig werden. Dann aber an anderer Stelle, denn der Fundort am Karmelenberg sei nun ausreichend erkundet, sagt von Berg.