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31 Tage lang alles außer Langeweile

FOTO: Barbara Gindl (g_kultur
Luxemburg. Magdalena Kozena und Simon Rattle, gleich dreimal das Bolivar-Orchester unter Jungstar Gustavo Dudamel, dazu eine symphonische Reise nach Moskau und St. Petersburg - zum Jahresbeginn bietet die Philharmonie alles Mögliche außer Langeweile. Mit "Abrasch" von Camille Kerger steht sogar eine vielversprechende Uraufführung auf dem Programm. Martin Möller

Luxemburg. Man könnte meinen, die Philharmonie habe sich über Weihnachten und Neujahr gründlich erholt, um im Januar kräftig durchzustarten. Jedenfalls erwartet die Musikfreunde ein erstaunlich vielfältiges Bouquet unterschiedlichster Musikstile. Obwohl man auf dem Kirchberg vom bekannten Veranstaltungsschema nicht nennenswert abweicht, steht doch Neues, Unerwartetes auf dem Konzertkalender.Direkt nach der Weihnachtspause liefert das Orchestre Philharmonique (OPL) unter Gustavo Gimeno nicht nur sein traditionelles Neujahrskonzert ab (7. Januar), sondern hat dazu eine öffentliche Probe im Programm (5. Januar 12.30 Uhr). Das Simon-Bolivar-Symphony- Orchestra unter Jungstar Gustavo Dudamel erscheint gleich dreimal, und zwar mit Messiaens "Turangalila-Symphonie" (10. Januar) in der Rubrik "Grands chefs" und zweimal in der Reihe "Grands Orchestres". Aber auch da bezieht man Distanz zu betulicher Klassizität und hat Villa-Lobos und Ravel im Programm (11. Januar) und im dritten Konzert (12. Januar) Strawinskys einst skandalträchtigen Feuervogel.Auch das erste Abo-Konzert des OPL im neuen Jahr lockt mit einem unüblichen Mix aus den sinfonischen Erstlingen von Beethoven und Schostakowitsch und dem Hornkonzert des prominenten Zeitgenossen Wolfgang Rihm (15. Januar). Und gegen Monatsende bringt das OPL unter Altmeister Eliahu Inbal in seiner Reihe "Aventure+" eben Schostakowitsch ein "Offertorium" der bedeutenden Sofia Gubadulina mit (29. Januar, 19 Uhr). Da wirken das Mozart-Konzert von Mitsuko Uchida (23. Januar) mit dem Mahler Chamber Orchestra und der Auftritt von Andras Schiff mit seiner Cappella Andrea Barca (31. Januar) geradezu unauffällig.Auch kleinere Besetzungen versprechen echte Musikerlebnisse. Das Ehepaar Magdalena Kozena/Simon Rattle (Mezzosopran/Klavier) lockt nicht nur mit seiner Prominenz, sondern auch mit einem entdeckungsreichen Programm, das von Brahms bis Janacek lauter Überraschungen bereit hält (27. Januar). Und das zugehörige kleine Instrumentalensemble versammelt große Namen, etwa Sarah Rilling, die Tochter von Helmuth Rilling oder Andrew Marriner, Sohn von Neville Marriner. Und wenn Maurice Clement auf der großen Philharmonie-Orgel spielt (22. Januar), ist ein fünfköpfiges Ensemble dabei, unter anderem mit Markus Brönnigmann und Philippe Koch. Auch Kammer- und Klaviermusik lohnt das Zuhören - das Salagon-Quartett mit Mozart, Beethoven und dem jungen Mendelssohn (14. Januar), Busoni-Preisträger Alberto Ferro (19. Januar, 18.30 Uhr), Liedgesang mit Mark Padmore (13. Januar) und "Rising Star" Cathy Krier (26. Januar).Eine bedeutende Veranstaltung versteckt sich ziemlich unauffällig in der Monatsmitte. Camille Kerger, angesehener Komponist, großregional aktiv und Leiter des Luxemburger Instituts INECC (Institut Européen de Chant Choral) bringt seine Komposition "Abrasch" jetzt aufs Podium - geplant war die Aufführung zum zehnjährigen Jubiläum der Philharmonie im Juni 2015). Kerger präsentiert mit Nico Helmiger (Text) und Markus Huber (Bilder) ein optisch und akustisch farbenreiches Gesamtkunstwerk. Und mit dem Lucilin-Ensemble und dem Trio Recherche sind zwei hochqualifizierte Formationen dabei (18. Januar). "Abrasch" bezeichnet übrigens "die Schattierungen in handgefärbten Wollteppichen; der Begriff trennt das Handgemachte vom Industrieprodukt", erläutert der Monatsflyer der Philharmonie. Und kündigt neben der Uraufführung Morton Feldmans subtile Klangkomposition "The Viola in my Life" an. Beginn, wenn nicht anders angegeben: 20 Uhr. Karten: 00352/2632 2632. philharmonie.lu