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35 Jahre Live Aid: Wie das Konzert die Kultur in Trier veränderte

Benefizkonzert vor 35 Jahren : Wie Live Aid die Kultur in der Region Trier beeinflusste

Vor 35 Jahren organisierte Bob Geldof Live Aid. Ohne das Konzert hätte es die Auftritte vieler Stars in Trier vielleicht nicht gegeben. Denn an diesem Tag fiel eine Entscheidung.

13. Juli 1985. Da steht Freddy Mercury. Schnauzbart, weißes Unterhemd, helle Jeans, Nietenarmband. „Eeeeee ooooo“, ruft er und wirft seinen Kopf zurück. „Eeeeee ooooo“ erwidert die Menge im Londoner Wembley Stadion. Knapp eine Minute lang spielt einer der größten Sänger aller Zeiten mit seinen Fans, stellt ihnen verschiedene „Eeeee oooo“-Varianten als Aufgabe, alle ziehen ein Echo aus der Menge nach sich.

Es ist nur ein Moment, der vom größten Rockkonzert aller Zeiten, Live Aid, in Erinnerung geblieben ist. Doch was bleibt von diesem Tag außer Erinnerungen? Was hat er 35 Jahre später bewirkt?

Was war Live Aid? Anfang der 1980er-Jahre ruft Bob Geldof das Projekt Band Aid ins Leben, in dem sich dutzende Weltstars zusammenfinden um Spenden gegen den Hunger in Afrika zu sammeln. Anlass ist die damals akute Hungersnot in Äthiopien. Zunächst entsteht aus Band Aid der Weihnachtsklassiker „Do They Know It’s Christmas?“, der in 13 Ländern Platz eins der Charts erreicht und durch den mehrere Millionen Euro Spenden gesammelt werden.

Doch damit nicht genug: Geldof und James „Midge“ Ure trommeln eine bis dato nie dagewesene Zahl von Stars zusammen, die mit zwei Konzerten (eines in Philadelphia, eines in London) Spenden sammeln sollen. Insgesamt dauert Live Aid 16 Stunden lang, fast 1,5 Milliarden Menschen in 150 Ländern schauen oder hören zu.

Mit dabei ist die Crème de la Crème der Musikszene, beispielsweise Queen, Phil Collins (der als einziger auf beiden Konzerten spielt, weil er mit der Concorde von London nach Philadelphia fliegt), Bob Dylan, Eric Clapton, Elton John, David Bowie, Tina Turner, Status Quo und U2. Gesammelt werden umgerechnet 182 Millionen Euro, die der Hungerhilfe in Afrika zugutekommen.

Wie geht es Äthiopien heute? Die wohl wichtigste Frage: Hat Live Aid außer schönen Erinnerungen und exzellenter Musik auch langfristig etwas bewirkt? Detailliert lässt sich das nicht beantworten, da die direkten Auswirkungen der Millionen schwer greifbar sind. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung Afrikas, exemplarisch auf Äthiopien, das damals den Auslöser für das Konzert darstellte.

Äthiopien gehört noch immer zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Erde. Laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung befindet sich das Land allerdings „auf einem guten Weg, die Lebensverhältnisse seiner Bevölkerung nachhaltig zu verbessern“.

Aber: Im UN-Entwicklungsindex (bezieht das Bruttonationaleinkommen pro Kopf, die Lebenserwartung und die Dauer der Ausbildung mit ein), steht das Land auf Rang 173 von 189. Nicht einmal jeder zweite Äthiopier hat Zugang zu sauberem Trinkwasser – was seit 2010 ein Menschenrecht der Vereinten Nationen ist. 2017 waren 20,6 Prozent der Einwohner unterernährt, etwa 50 Prozent der Kinder zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten regelmäßig.

Was hat Live Aid in der Region bewirkt? Lassen sich also die Auswirkungen auf Äthiopien nur schwer messen, sind sie in Trier und der Region deutlich – zumindest, was die Kultur angeht. Wie etwa Ingo Popp, Gründer und langjähriger Geschäftsführer von Popp Concerts auf TV-Nachfrage erklärt, ist er wegen Live Aid Konzertveranstalter geworden. Eine persönliche Entscheidung mit Konsequenzen für die Kultur in der Region: In 30 Jahren hat Popp annähernd 2000 Konzerte organisiert, darunter das legendäre Open-Air 1992 mit Prince im Moselstadion.

„Wir haben uns damals die Augen viereckig geguckt“, sagt Popp. Man habe keine Minute der Konzerte verpasst, im heimischen Wohnzimmer auf der Couch mit Freunden geschaut: „Damals hieß es: Fernseher an, Rolladen runter und Party.“ Besonders der Initiator hatte es ihm angetan: „Bob Geldof war damals einer meiner Helden.“ Dass die Auftritte von Geldof 1991 in Trier und 1994 in Konz einen direkten Zusammenhang mit dem Konzert haben, verneint er allerdings: „Ich habe Geldof ‚erst’ 2013 in St. Wendel kennengelernt, als Special Guest bei den Toten Hosen.“ Damals sei auch ein gemeinsames Foto entstanden.

Neben Bob Geldof steht Queen für Live Aid wie wohl keine zweite Band. Und einer, der in der Region für Queen steht, wie wohl kein zweiter, ist Frank Rohles (unter anderem RoxxBusters, We Rock Queen). Als wir den Musiker nach seiner Live-Aid-Erfahrung fragen, sagt er zuerst: „Das war furchtbar damals!“

Stopp ... Frank Rohles fand Queen bei Live Aid furchtbar? Er erklärt: „Ich konnte das Konzert damals nicht live schauen.“ Denn der damals 16-Jährige Frank Rohles befand sich mit seiner Familie auf dem Rückweg aus dem Urlaub. „Ich saß im Bus und dachte mir: ‚Mist, Queen spielt jetzt gerade’.“ Einige Jahre zuvor habe ihn Queen bereits gepackt, dies sei die erste Möglichkeit gewesen, sie live zu sehen. Seine Großcousine habe das Queen-Konzert dann für ihn auf VHS-Kassette aufgenommen.

So weit, dass er wegen dieses Konzertes Musiker geworden sei, will Rohles nicht gehen. Aber: „Das war auf jeden Fall einer von mehreren Bausteinen.“ Auch heute erinnere er sich immer wieder daran, was Bob Geldof damals, „in Zeiten, in denen das viel schwerer war“ Unglaubliches auf die Beine gestellt habe.