40 Grad Temperaturunterschied: Cristina-Braga-Trio in Wittlich

40 Grad Temperaturunterschied: Cristina-Braga-Trio in Wittlich

Die Harfe ist ein Instrument, das in unseren Breiten in den Bereich der Klassik gehört. Es geht aber auch anders, wie man in Wittlich bei einem außergewöhnlichen Jazzabend mit Cristina Braga erleben konnte.

Wittlich. Sie wirkt zart und zerbrechlich, die brasilianische Harfenistin Cristina Braga, als sie auf die Bühne der Wittlicher Synagoge kommt. Und auch ihre Stimme hat etwas Filigranes. Fast kann man Mitleid mit ihr bekommen, als sie anmerkt, dass zwischen Deutschland und ihrer Heimat ein Temperaturunterschied von 40 Grad herrsche. "Ich danke euch, dass ihr gekommen seid", sagt sie ihren Zuhörern. "Bei uns ist es undenkbar, dass man in so einer kalten Nacht in ein Konzert geht."
Obwohl Braga in der Jazzszene so etwas wie ein Geheimtipp ist, ist das Konzert nahezu ausverkauft und am Ende gibt es stehende Ovationen für den Star, ihren Bassisten und Lebenspartner Ricardo Medeiros und ihren Schlagzeuger Flo Pfeiffer.
Man kann sich nur verwundert die Augen reiben, man glaubt seinen Ohren nicht recht zu trauen, als Braga in die Saiten ihres Instrumentes greift und ihm Klänge entlockt, die man so noch nie von einer Harfe gehört hat. Natürlich gibt es auch bei diesem Konzert die ätherischen Klänge, die man kennt. Braga aber schafft es, ihre mattsilberne Harfe auch aggressiv, fordernd, erotisch klingen zu lassen.
Samba oder Bossa Nova sind nichts für zarte Saiten. Das zeigt Cristina Braga, indem sie auch schon einmal mit der ganzen Hand auf den Klangkörper einschlägt, heiße Rhythmen auf den Resonanzkörper trommelt. Dann aber gibt es auch wieder die herrlichen Glissandi, bei dem die Töne wie Sternschnuppen regnen. Kombiniert mit ihrer manchmal etwas rauchigen Stimme ein Erlebnis, dass die kalten Winter-Gefühle wegbläst. Auf einmal gibt es zwischen draußen und drinnen einen Temperaturunterschied von 40 Grad.
Ein großartiger Abend, für den man dem Wittlicher Jazzclub danken muss.