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8. Sinfoniekonzert im Trierer Theater

Konzerte / Klassik : Stille und ein Beifallssturm

8. Sinfoniekonzert stellt Mahlers „Titan“ neben ein Werk von Carl Maria von Weber.

Gerade hat der fabelhafte François-Xavier Roth als Dirigent  eine interessante neue CD des Werks vorgelegt. Schon steht eine weitere Einspielung ins Haus, sozusagen als Heimspiel. Zu seinem  100. Geburtstag produziert das Philharmonische Orchester der Stadt Trier unter der Leitung von Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach eine DVD mit Gustav Mahlers 1. Sinfonie in D-Dur „Titan“.  Die Aufnahme ist ein Live- Mitschnitt des 8.Sinfoniekonzerts am Donnerstag, dem letzten der Spielzeit.

Gleich eingangs hatte Musikdramaturgin Eva Bunzel das Publikum ermahnt, die Handys auszuschalten, sich vorsorglich mit Hustenbonbons einzudecken und sich möglichst nicht  in den Sesseln zu bewegen, um störende Geräusche zu vermeiden. Letzteres war kein Problem, klebte man angesichts der Hitze ohnehin an den Sitzen. Tatsächlich blieb es dann nach der Pause bei der Mahler-Aufnahme fast mucksmäuschenstill im ausverkauften Haus. Doch der Reihe nach:

Mit einem intelligenten Programm spannten das Orchester und  Hochstenbach  den Bogen von der Frühromantik zur zweiten Wiener Schule, vom Spätwerk Anton Weberns zurück zum Erstlingswerk der 1. Sinfonie Mahlers. Es war ein Weg zurück  vom Geistigen in der Kunst hin zur unmittelbaren, widersprüchlichen Fülle des Lebens. Man könnte dieses Werk leicht vergessen,  hatte Theodor Adorno von Anton Weberns Variationen für Orchester op.30 befürchtet. Wie faszinierend bis heute die musikalischen Aphorismen des Schönberg-Schülers geblieben sind, machte einmal mehr das Trierer Orchester deutlich. In der aufs Feinste strukturierten Form entfaltete sich eine Fülle von Impulsen und Eindrücken für Geist und Sinne, in der auch die Stille bedeutsam blieb. Erneut zeigte sich bei diesem Klangerlebnis, dass wie bei aller Kunst die formale Analyse nur ein Instrument des Zugriffs ist, das eigentliche Verstehen aber der Vernunft der Intuition bedarf.

Weberns Komposition war fraglos das spannendste Stück des Abends. Mit Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert Nr.1 f-Moll op.73 stand ein absoluter Favorit der Klarinettensolisten auf dem Programm. Als Solist war der Spanier Joan Enric Lluna nach Trier gekommen, der zwar virtuos, aber gerade in den beiden ersten Sätzen wenig subtil spielte. Wobei auch der Dialog mit dem Orchester nicht immer gelang. Im dritten Satz war Lluna dann schließlich in seinem Element und machte Witz, hemdsärmeligen Übermut, Lebensfreude  und das Tänzerische der Musik hörbar. Zum Ende dann  Mahlers 1. Sinfonie. „Titan“, der Titel, der auf eine Dichtung Jean Pauls über den antiken Riesen verweist, mag dem Lebensgefühl des jungen Dirigenten und Komponisten entsprochen haben.

Hochstenbach und seine hochpräsenten Musiker nahmen das vitale Werk als romantische Dichtung ernst, ohne die symphonische Struktur aus den Augen zu verlieren. Mit großer emotionaler Dichte ließ Hochstenbach musizieren, die Dynamik der Musik wurde zur empfindsamen seelischen Gebärde vom großen heldischen Pathos bis zum süßen Liebesschmerz oder simpler Trivialität. Herrlich lyrisch der Beginn: Gleich eingangs führten die Musiker wunderbar mit Kuckucksruf, fernem Horn und Trompeten ihr Publikum in das spätromantische Traumland der Tondichtung,  das am Ende ein Choral hymnisch feierte. Ein unbedingt eindrücklicher Abend mit stürmischem Applaus.