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83-mal Lesen in 13 Tagen: Morbacher Kinderbuchautor Stefan Gemmel will erneut Weltrekord aufstellen

Gemeinsam auf Weltrekordjagd: Kinderbuchautor Stefan Gemmel und Organisatorin Eva Pfitzner begeben sich mit Gemmels Werk „Im Zeichen der Zauberkugel“ auf eine ungewöhnliche Lesereise. Foto: Leserattenservice Gmbh
Gemeinsam auf Weltrekordjagd: Kinderbuchautor Stefan Gemmel und Organisatorin Eva Pfitzner begeben sich mit Gemmels Werk „Im Zeichen der Zauberkugel“ auf eine ungewöhnliche Lesereise. Foto: Leserattenservice Gmbh FOTO: Jonas Pfitzer (g_kultur
Morbach/Koblenz. Lesereise quer durch Deutschland: Innerhalb von 13 Tagen will der aus Morbach stammende Kinderbuchautor Stefan Gemmel 83-mal jeweils eine Stunde lang vorlesen. Klappt alles, wird er beim Rekordinstitut für Deutschland ein zweites Mal als Weltrekord-Inhaber anerkannt. Im TV-Interview berichtet er von seinen Vorbereitungen und verrät, warum er sich manchmal bremsen muss.

Morbach/Koblenz. 2012 hatte Stefan Gemmel schon einmal eine neue Bestmarke aufgestellt. Damals las der Schriftsteller in Koblenz vor mehr als 10 000 Kindern. Jetzt geht der Kinderbuchautor, der aus Morbach im Hunsrück stammt, erneut auf Rekordjagd. Er will innerhalb von 13 Tagen auf einer Lesereise durch die Bundesrepublik 83 Lesungen von jeweils einer Stunde Dauer halten - und damit wieder einen Weltrekord aufstellen. Der TV hat Gemmel und Organisatorin Eva Pfitzner vom Leserattenservice nach den Hintergründen und den besonderen Herausforderungen dieser Aktion gefragt.

Herr Gemmel, erklären Sie doch bitte einmal, wie diese Lesereise genau abläuft?
Stefan Gemmel: Wir starten am 14. September um 8 Uhr in einer Schule in Hamburg und enden am 27. September in Berlin. Zwischendurch lese ich zwischen fünf- und achtmal am Tag jeweils eine Stunde vor. In jedem Bundesland lese ich mindestens dreimal. Es ist zwar immer derselbe Text aus meinem neuen Buch "Im Zeichen der Zauberkugel", doch jede Lesung variiert je nach Publikum bei der Begrüßung oder den Aussagen zwischendurch, auch, um die Routine zu durchbrechen. Wie viele Kilometer wir dabei zurücklegen, haben wir noch gar nicht errechnet.

Wie lief die Vorbereitung ab?
Eva Pfitzner: Wir haben im Januar zahlreiche Veranstalter angeschrieben und bei der Ausarbeitung der Route darauf geachtet, dass die Reihenfolge sinnvoll ist. In Schulen lesen wir vormittags, in Bibliotheken und Buchhandlungen können wir auch nachmittags und abends gehen. Zudem sind wir auch zu Gast bei Stadtfesten oder ähnlichen Feiern. Nachts fahren wir die weiten Strecken. Wir übernachten möglichst nahe am ersten Veranstaltungsort des nächsten Tages.

Herr Gemmel, wie anstrengend ist es, mehrmals am Tag zu lesen?
Gemmel: Wir haben einen Test mit fünf Lesungen gemacht. Es ist anstrengend, aber machbar. Alle Orte sind mit Mikrofon ausgestattet, um die Stimme zu schonen. Es gibt zudem Übungstechniken, um die Stimme darauf vorzubereiten. Im Vorfeld übe ich, leise zu lesen und trotzdem die Betonungen richtig zu setzen. Da ich normalerweise sehr laut und intensiv vorlese, fällt mir das schwer. Meine impulsive Art muss ich bremsen. Zudem führen wir einen großen Vorrat an Salbeibonbons mit uns.
Im Vorfeld laufe ich außerdem jeden zweiten Tag, um runterzuschalten. Das habe ich mit einem Arzt abgeklärt: schlafen, laufen und viele Vitamine.

Wo können denn Probleme beim Lesen auftauchen?
Gemmel: Ich springe in die Geschichte und leite zusammenfassend von einer Passage in die nächste über. Nach der dritten Lesung kommt man durcheinander und überlegt: Habe ich das schon gesagt? Ich muss daher jede Lesung so gestalten, als wäre es die einzige.

Wie fühlt es sich an, mehrmals am Tag zu lesen?
Gemmel: Ich bin bei jeder Lesung aufgeregt und frage mich vorher, wie sie abläuft, denn jedes Publikum ist anders. Die einen Kinder hören einfach nur zu, die anderen sind schon aktiv und kichern, wenn ich in den Raum komme. Wähle ich dann das richtige Programm, um die Gruppe zu erreichen? Der Funke muss überspringen, wenn nein, ärgere ich mich, wenn ja, ist der Tag gerettet.

An einem Tag lesen Sie achtmal, erst im Saarland, dann in Wiesbaden und abends um 22.15 Uhr in der nach Ihnen benannten Stefan-Gemmel-Bibliothek in der Morbacher IGS. Dazu kommen die Fahrten. Wie schaffen Sie das?
Pfitzner: Wir haben alles gut ausgetüftelt. Bei jeder Veranstaltung checke ich, ob wir pünktlich sind, rufe im Falle einer Verspätung den nächsten Veranstalter an und bediene während der Autofahrt die sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Für den Rekord müssen wir dokumentieren, dass alles korrekt verlaufen ist. cstExtra

Auf seinem Weg zum Weltrekord liest Stefan Gemmel auch zweimal in der Region: Am Donnerstag, 17. September, um 17 Uhr im RWE-Energieladen in Bitburg, am Freitag, 18. September, um 22.15 Uhr in der Integrierten Gesamtschule Morbach. Die Veranstaltung in Morbach ist wegen des geringen Fassungsvermögens der Stefan-Gemmel-Bibliothek nicht öffentlich. Weitere Infos zum Weltrekordversuch, zum dazugehörigen Song und Begleitaktionen für Schüler und Familien auf www.weltrekord-lesen.de oder bei Facebook unter dem Stichwort Leserattenservice. cst