„Das Exhaus ist einmalig in Deutschland“– Interview mit Audiolith

Am Samstag spielen Frittenbude, Bratze und Egotronic beim Summer of Riesenlöve in Trier, einen Tag vorher in Fulda - das sind die einzigen Audiolith-Festivals im Sommer. Ist das Booking-Zufall oder geht ihr bewusst in die, naja, Provinz? (okay: verglichen mit eurer "Dorfdisko Geiselfahrt" vor zwei Jahren über die Dörfer sind Trier und Fulda natürlich Metropolen!)Artur Schock (Audiolith): Nein, das ist kein Zufall. Die Audiolith-Festivals vor drei Jahren waren ein einmaliges Ding. Wir wollten einfach mal alle Künstler zusammen bringen und in so vielen Städten wie möglich riesige Konzerte veranstalten zu total unwirtschaftlichen Preisen. Fünf dicke Bands für zehn Euro oder so. Das war lustig, aber auch ganz schön anstrengend. Man kann das nicht jedes Jahr machen. So ganz können wir es dann aber doch nicht lassen, weil es einfach zu schön ist. Wir haben uns schon bewusst für Trier entschieden. Trier ist eine schöne Stadt mit wenigen, aber dafür großartigen Clubs. Und das Ex-Haus ist einmalig in Deutschland. Wenn die uns die Sommerbühne anbieten, kann man doch nicht Nein sagen. Die Bands haben allesamt schon in Trier gespielt, haben entsprechend eine Fanbase. Mit wie viel Zuschauern rechnet ihr in Trier?Artur: Schwer zu sagen. Wir hatten schon Shows vor zehn Leuten und Shows vor ein paar Hundert. Für uns zählt auch eher die Qualität als die Quantität. Was bringt es, wenn 3000 Leute da sind, aber dafür nur Vollpfosten. Da es in Trier aber viele nette Menschen gibt, hoffen wir, dass die auch alle kommen! "Summer of Riesenlöve" - Plakat und Titel kombinieren Metal-Umlaut mit Hippie-Typographie, musikalisch dominiert dagegen eher Elektro, Hip Hop, Indie-Rock, teils auch Punk. Ist die Zeit der Genres endgültig vorbei?Artur: Ja, auf jeden Fall! Das ist ja auch das Konzept von Audiolith. Keine Genres. Wichtig ist, dass die Musik flashed. Das neue Frittenbude-Album "Delfinarium" stieg auf 14 in die Charts ein. Bei den großen Sommer-Festivals kommen wohl immer neue Fans hinzu, die vielleicht nur abfeiern wollen und denen die Botschaft hinter den Beats völlig egal sein mag. Ist das ein Fluch oder Segen oder beides? Artur: Erstmal sind die Bands ja keine Prediger, denen es um eine reine Botschaft geht. Klar ist das toll, wenn viele Leute die Musik gut finden. Das ist ja auch nicht so erstaunlich, weil die ja Musik gut ist. Es ist also ein Segen! Und gegen abfeiern gibt es auch erstmal nichts einzuwenden. Manchmal ist es natürlich etwas grotesk, wenn Kids mit Deutschland-Fahne zu Egotronic kommen. Die haben dann vielleicht wirklich etwas nicht ganz verstanden. Aber dann ist die Fahne halt weg! Ihr lost gelegentlich mal aus, wer bei einem Festival wann spielt - ist das immer noch so? Oder wer entscheidet über die Reihenfolge?Artur: Haha, ja das ist manchmal so. Aber dieses Mal ist ganz klar Frittenbude der Headliner, weil sie ein neues Album haben und das sollen sie auch gut präsentieren können. Was ist das Wichtigste, was eine Band haben muss, um bei euch landen zu können?Artur: Ein schöner Name ist wichtig. Wie Mahatma Hitler zum Beispiel... Gibt's die eigentlich noch? Hm, gute Frage, lange nix mehr von ihnen gehört. Mal andersrum: Welche Band oder welcher Künstler würde niemals ein Angebot von euch bekommen, selbst wenn es fette Einnahmen garantieren würde?Artur: Da gibt's echt einige. Mir fallen auf Anhieb ein: Herrenmagazin, Vierkanttretlager, Ludger, Fiete Klatt Ein anderes Hamburger Label, ebenfalls mit vielen auf Deutsch singenden Band unterwegs, ist ziemlich regelmäßig zu Gast in Trier, mit dem Fest van Cleef. Wie sind die Beziehungen zu Thees Uhlmann & Co. - freundschaftlich, kollegial oder ist es irgendwo auch Konkurrenz?Artur: Das Grand Hotel van Cleef hat uns schon immer sehr unterstützt. Als Lars Lewerenz (Anm. der Red.: der Label-Gründer) Audiolith noch aus seinem Schlafzimmer gemacht hat, waren die feinen Herren von Grand Hotel immer am Start um ihm in diesem doch etwas wirren Geschäft wertvolle Tipps zu geben. Wir haben auch unseren ersten Büro-Stuhl vom Grand Hotel bekommen. Ohne die Jungs wäre Audiolith heute nicht ein Unternehmen mit 120 Mitarbeitern an fünf Standorten, dass muss man wirklich sagen! Eine eurer Haupteinnahme-Quellen ist wohl der Verkauf von Merchandise, eine andere sind wohl die Konzerte. Lohnen sich teure Studio- oder Videoproduktionen aus eurer Sicht eigentlich noch? Und lohnt es sich noch, CDs oder Vinyl in größeren Mengen produzieren zu lassen?Artur: Nein das lohnt sich nicht mehr. Wir machen es aber trotzdem. Kaum ein Thema polarisiert im Netz so sehr wie die Debatte zum Urheberrecht. Nun ist der eine oder andere Künstler dringend auf Gema-Tantiemen angewiesen. Welche Rolle spielt die Gema für eure Bands? Ist sie eher wichtige Hüterin der Urheberrechte oder eher angestaubte Behörde, die dringend reformiert werden müsste?Artur: Das ist wirklich ein schwieriges Thema. Da herrscht viel Hysterie auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist die Gema auch ein furchtbarer Apparat. Da muss mehr als dringend reformiert werden. Aber ja, wir kriegen tatsächlich Geld von der Gema und eigentlich ist es auch gut, dass es einen solchen Verein gibt. Es ist ja eben keine Behörde, auch wenn sie sich so benimmt wie eine. Man kann sie theoretisch als Mitglied von innen verändern. Theoretisch... Wie wichtig ist die Bindung zwischen Audiolith und Fans? Könntet ihr euch es überhaupt erlauben, mal ein richtig schlechtes Album von irgendjemandem zu veröffentlichen?Artur: Wir veröffentlichen eigentlich nur Sachen, die wir gut finden. Wenn das anderen Leuten nicht gefällt, ist das egal. Man muss ja nicht gleich von allen Alben 2000 CDs machen, sondern kann die auch digital rausbringen oder in einer kleinen Auflage auf Vinyl oder was weiß ich. Es gibt heute so viele Möglichkeiten. Lars Lewerenz sagt immer: "Das Format ist egal! Hauptsache die Musik flashed!" Habe ich das schon mal erwähnt? Darft du gern auch zwei Mal sagen. Gab's denn schon mal eins, das ihr im Nachhinein lieber nicht gemacht hättet?Artur: Nein, definitiv nicht. Das geht bei uns ja nicht nach Hype oder Gewinnerwartung, sondern danach, ob man die Musik und die Leute dahinter gut findet. Wenn wir etwas rausbringen, stehen wir auch dahinter. Außerdem schauen wir immer nach vorne und ertränken schmerzhafte Erinnerungen mit viel Lambrusco. Aktuelles Video von Frittenbude: http://vimeo.com/40290268 Frittenbude // Wings from Audiolith Records on Vimeo . Summer of Riesenlöve-Open-Air Line-Up: Frittenbude, Bratze, Egotronic, Fuck Art Let's Dance!, Susanne Blech. Samstag, 16. Juni, ab 16 Uhr. Parallel zum Festival gibt es im Balkensaal eine Ausstellung, an der sich mehrere Trierer Künstler und Projekte beteiligen (u.a. Papergirl Trier, Hongandfriends, Druckwelle, poArtExpressionism) Weitere Infos: exhaus.de Audiolith.net