A-cappella-Gesang als Topereignis

A-cappella-Gesang als Topereignis

Bei ihrem Debut beim Mosel Musikfestival im Jahre 2008 war Amarcord noch ein Geheimtipp. Aber ebenso wie vor zwei Jahren hinterließ das Ensemble auch diesmal ein restlos begeistertes Publikum.

Bernkastel-Wehlen. (gkl) Es gibt Konzerte, die verursachen schlicht eine Gänsehaut beim Zuhören. Da kann man sich den ausgelösten Emotionen nicht mehr entziehen. Da ist es auch gleichgültig, ob vor dem Konzert verkündet wird, dass dem gleich auftretenden Ensemble vor wenigen Tagen mit dem Echo eine der renommiertesten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Klassik verliehen wurde. Ein solches Konzert hatte jetzt das Mosel Musikfestival in seinem Angebot.

Fünf Männer aus Leipzig, alle ehemalige Mitglieder des dortigen Thomanerchores, gestalteten im Festsaal von Kloster Machern einen Abend, der seinesgleichen suchen muss. Klangqualität in höchster Vollendung, kombiniert mit subtiler Interpretation, hierfür steht das Ensemble Amarcord. Und das durfte am Ende wahrhaft jubelnden Applaus eines restlos begeisterten Publikums in Empfang nehmen.

Amarcord ist der absolut glückhafte Zusammenschluss von zwei strahlenden Tenören (Wolfram und Martin Lattke) und zwei profunden Bässen (Daniel Knauft und Holger Krause) mit einem diese Stimmlagen gekonnt verbindenden Frank Ozimek als Bariton. Diese Mixtur ist aufs Feinste abgestimmt und ergibt ein Ganzes, das dem Ohr schmeichelt und das Innerste des Zuhörers erreicht.

Überzeugend in Renaissance und Romantik



Schon von der Eröffnung mit dem schlichten "Tanzen und Springen" von Hans Leo Hassler oder von Gesualdos "Sento che nel partire" konnte man angetan sein, denn dort waren alle Attribute, die eine stilgerechte Darstellung von Renaissancemusik erfordert, vertreten.

Doch die Sachsen wussten ihre Zuhörer im romantischen Teil ihres Programms mindestens ebenso sehr zu fesseln. Welch eine Schönheit strahlte aus "Sehnsucht" von Franz Schubert, welch ein Schalk blitzte bei der "Liebeserklärung eines Schneidergesellen" von Heinrich Marschner auf. Ein Konzert, dem das Festival das Prädikat "Topereignis" für die laufende Saison verleihen kann, ohne auf Widerspruch den Publikums zu stoßen.