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A-cappella-Mix aus Trance und Jubel

Zeltingen-Rachtig. Der amerikanische A-cappella-Chor Chanticleer hat die Zuschauer des Mosel-Musikfestival-Konzerts im Kloster Machern zu wahren Jubelstürmen hingerissen. Die zwölf Sänger überzeugten mit ihrem Programm "Best of All", starken Einzelstimmen und einem perfekten Zusammenwirken. Christoph Strouvelle

Zeltingen-Rachtig. Bravo-Rufe und langanhaltender Applaus sind bei vielen Konzerten des Mosel Musikfestivals die Regel. Denn die Veranstaltungen, die Intendant Hermann Lewen und sein Team auf die Beine stellen, haben durchweg ein hohes Niveau. Doch wohl nur selten fällt der Beifall des Publikums so enthusiastisch aus wie beim Auftritt des amerikanischen A-cappella-Chores Chanticleer.
Das schon früh ausverkaufte Gastspiel im Kloster Machern war eines der beiden diesjährigen Europa-Konzerte, die der Chor aus der Nähe des kalifornischen Napa-Valley gegeben hat. Dabei haben die zwölf jungen Männer aus ihrem umfangreichen Repertoire ein abwechslungsreiches Konzert zusammengestellt.
Zu Beginn widmen sie sich der Renaissance. Schon hier zeigen sich die Stärken der zwölf Sänger, die nicht nur stimmlich hervorragend sind, sondern die Zuschauer im Barocksaal mit viel Gefühl verzaubern und in einen besinnlichen Zustand der Ruhe und der Harmonie versetzen. Da übernehmen abwechselnd sowohl die Bass- als auch die Tenorstimmen die Führung, die Countertenöre setzen die Sahnehäubchen obendrauf. Erst der einsetzende Applaus der 270 Zuschauer beendet die Momente der Trance, in die das Ensemble das Publikum regelrecht versetzt.
Die ersten gehäuften Bravo-Rufe kommen aus den Reihen der Zuschauer, als Countertenor Cortez Mitchell im Vordergrund das Publikum mit Vocalisen zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt. Nach der Pause wird es volkstümlich und amüsant. Die sechs Countertenöre jagen ihre Stimmen in ungeahnte Höhen, so dass man unwillkürlich nachschaut, ob die Kronleuchter das auch heil überstehen. Da wird die Musik spanisch und ungarisch, da erklingen serbische Volksstücke, die die Sänger mit sichtlichem Spaß vorbringen, und auch ein Gospelmedley mit Stücken wie "Swing Low, Sweet Cheriot" reißt das Publikum mit.
Unter den Zuschauern sind auch die Mitglieder des Leipziger Gesang-Ensembles Nobiles, die ihre zweifach mit dem Grammy ausgezeichneten Kollegen in den höchsten Tönen loben. "Es ist unglaublich, wie sich die starken Einzelstimmen zu einem homogenen Ensemble zusammenfügen", sagt Lukas Lomtscher vom Leipziger Chor. Chanticleer hätten unheimlich viele Möglichkeiten, die sie auch in allen Facetten ausnutzten. Die Besetzung mit zwölf Sängern biete den Amerikanern eine unheimliche Flexibilität.
Der einzige Wermutstropfen: Einige Zuschauer vermissen eine Auflistung der gesungenen Stücke. Das allerdings ist der Tatsache geschuldet, dass Chanticleer ihr Programm sehr kurzfristig zusammengestellt haben und der Veranstalter deshalb keine Liste erstellen konnte. Doch kann dieses Detail den Gesamteindruck nicht trüben: Die Besucher erleben ein hervorragendes Konzert mit tollen Sängern und einem großartigen Ensemble.