Abba bis der Arzt kommt

Abba bis der Arzt kommt

TRIER. Vorsicht ansteckend! In der Trierer Europahalle grassierte am Dienstagabend die "Abbamanie". Rund 800 Menschen ließen sich vom Abbafieber anstecken. Ihre Symptome: tanzen, singen, klatschen.

Die Zeiten, in denen sie selbst Schlaghosen, Trompetenärmel und Plateauschuhe getragen haben, sind vorbei. Und so weit reicht die Liebe der Besucher zur schwedischen Kultband aus den 70-ern dann doch nicht, als dass sie für die Musicalshow "Abbafever" noch einmal in ihre alten Schlaghosen aus dem Schrank holen würden. Die locker fallende Bundfaltenhose und ein Pullover sind ohnehin bequemer und kaschieren zudem vielleicht ein paar Pfunde, die sich bei einigen von ihnen auf Hüfte und Bauch geschummelt haben.Von "Waterloo" bis "Mamma Mia"

Doch all die Äußerlichkeiten sind vergessen, wenn im Inneren das Abbafieber entbrennt. Man ist so jung, wie man sich fühlt, heißt es im Volksmund und in der Trierer Europahalle. Durch den dichten Disconebel steigen Jasmin Vandell als Agnetha, Janina Goy als Anni-Frid, Max Marcus Fritzsch als Benny und Tom Luca als Björn auf die Bühne und legen rockig mit dem etwas weniger bekannten Lied "Rock me" los. Von Kopf bis Fuß sind sie auf Abba eingestellt; selbst auf den Gürtelschnallen prangt bei einem der vielen glamourösen Kostüme der Name der Band. Mit "Waterloo" erinnern sie an den Hit, der Abba beim Grand Prix 1974 an die Spitze der internationalen Charts katapultierte. Dort tummelten sich Abba auch mit Hits wie "Money, Money, Money", "Knowing me, knowing you" und "SOS", die natürlich bei einer stilechten Abbashow auf keinen Fall fehlen dürfen. Während den Solisten - unterstützt von den Tänzerinnen der "Kazina Show Company" - schon heiß wird, breitet sich die "Abbamanie" auch gemächlich im Zuschauerraum aus. Erste Anzeichen sind leises Mitpfeifen, Wippen mit den Füßen und ein leichtes Nicken mit dem Kopf. Das Fieber grassiert immer stärker, je mehr Abba-Hits gespielt werden. Spätestens bei "Mamma Mia" reißt es alle mit, die Besucher springen von den Stühlen auf und singen, tanzen und klatschen mit. "Honey, Honey", "Gimme, Gimme", "The winner takes it all", "Chiquita", "Voulez vous" - keiner dieser Hits darf fehlen, um das Glamour-Gefühl der 70er-Jahre heraufzubeschwören. Auch in Form stiller Symptome äußert sich das Abbafieber der Gäste bei der Show. "Ich habe gehört, dass Trier die Hauptstadt der Romantiker ist", erklärt Moderator Matthias Sievert. "Hoffentlich haben Sie Ihr Handwerk gelernt", sagt er herausfordernd. "In Trier sind die Emotionen zu Hause"

Die Ballade "Fernando" erklingt, und schon fackern die Flammen aus zahlreichen Feuerzeugen von Besuchern auf. Besonders gut vorbereitete Fans packen sogar farbige Leuchtstäbe aus und schwingen sie im Takt über ihren Köpfen. Auch bei "I have a dream" zeigen sie, "dass in Trier die Emotion zu Hause ist", wie Sievert feststellt. Schunkelnd liegen sich einige Paare in den Armen, als ob sie sich gerade an die Zeiten erinnerten, als sie seine junge "Dancing Queen" war. Abgeklungen ist das Abbafieber mit einem Dankeschön an die vier Schweden und dem Abschlusslied "Thank you for the music" bei den meisten noch nicht. Ein Medley der besten Hits als Zugabe dürfte ihnen jedoch Linderung verschafft haben.

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