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"Aber ich liebe es und finde es großartig"

"Aber ich liebe es und finde es großartig"

Es ist einer der seltenen Fälle, in denen der Sänger berühmter ist als das gesungene Werk: Franz Grundheber singt im 2. Trierer Sinfoniekonzert die Bariton-Partie in den unterschätzten "Jedermann"-Monologen von Frank Martin. Außerdem stehen Samuel Barber und Edward Elgars 1. Sinfonie auf dem Abendprogramm.

Trier. Sie mögen sich. Sie begrüßen sich überaus herzlich und sind selbstverständlich per Du. Franz Grundheber und Victor Puhl strahlen zusammen eine Harmonie aus, die für das anstehende Sinfoniekonzert das Allerbeste erwarten lässt. Dabei stammt keins der aufgeführten Werke aus dem sinfonischen Kernrepertoire. In Samuel Barbers "Essay" von 1937 klingt der konservative Musikgeschmack Amerikas mit.
Edward Elgar und dessen 1. Sinfonie werden in Mitteleuropa erst allmählich wieder entdeckt. Und die "Jedermann Monologe" von Frank Martin? "Ich habe das Stück bislang nur zweimal öffentlich gesungen", sagt Franz Grundheber. Und lässt keine Zweifel: Diese Stücke nach Texten von Hugo von Hofmannsthal sind bedeutende Musik. "Ich habe das Werk immer wieder den Dirigenten angeboten, aber sie haben abgelehnt. Zu romantisch seien die Monologe, zu sentimental." Sentimental ist die Musik der "Jedermann"-Monologe ganz bestimmt nicht.
Eher zurückhaltend, manchmal sogar spröde, und trotzdem erstaunlich reich an Klangbildern. "Das Stück ist nicht so publikumswirksam. Aber ich liebe es und finde es großartig", sagt Grundheber.
Der Bariton nähert sich dieser Komposition auf seine ganz persönliche Weise. "Ich versuche, dem Komponisten nachzugehen, der diesen Text vertonte: Wie sieht er das, wie interpretiert er das? Daraus entwickle ich meine Interpretation und bringe dabei auch meine eigene Persönlichkeit ein."
Edward Elgars Sinfonie ist auf deutschen Konzertpodien eine Rarität. Das war nicht immer so. Mit dem Werk, das 1907/1908 entstand, erzielte Elgar seinen Durchbruch als Komponist. Bis Ende 1909 wurde das Werk 84-mal aufgeführt, darunter in Wien, Berlin, Leipzig und St. Petersburg. Eine "dichte Struktur" attestiert Puhl der Sinfonie. Aber sie sei doch ganz anders als die meisten Kompositionen um 1900: Sozusagen "das Gegenteil von Tschaikowskys Fünfter". mö
2. Sinfoniekonzert am Donnerstag, 3. November, 20 Uhr, im Trierer Theater. Werke von Samuel Barber, Frank Martin und Edward Elgar. Franz Grundheber, Bariton, Trierer Philharmoniker, Leitung: GMD Victor Puhl. Karten: (0651) 718 1818