| 21:36 Uhr

Abschied mit weißer Weste

Gut gelaunt in den Ruhestand: Karin Goethert bei ihrer Verabschiedung mit Kultur-Staatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (links) und Siegmar von Schnurbein, Chef der Archäologischen Trier-Kommission. TV-Foto: Roland Morgen
Gut gelaunt in den Ruhestand: Karin Goethert bei ihrer Verabschiedung mit Kultur-Staatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (links) und Siegmar von Schnurbein, Chef der Archäologischen Trier-Kommission. TV-Foto: Roland Morgen
Am Rheinischen Landesmuseum Trier ist Karin Goethert in den Ruhestand verabschiedet worden. Die 65-jährige Wissenschaftlerin stand seit 34 Jahren in Diensten des Museums, das sie seit 1993 stellvertretend und in den vergangenen zweieinhalb Jahren kommissarisch leitete. Von unserem Redakteur Roland Morgen

Trier. Die Verabschiedung der Interims-Chefin setzte endgültig den Schlusspunkt unter eine unselige Ära des Landesmuseums. "Sie sind eine Frau des ehrlichen, klaren und aufrichtigen Wortes. Sie haben Verantwortung übernommen in einer schwierigen Zeit und aus der Museumsmannschaft wieder ein schlagkräftiges, motiviertes Team gemacht." Die Charakterisierung Karin Goetherts durch Kultur-Staatssekretär Joachim Hofmann-Göttig fiel knapp, aber treffend aus. Die unausgesprochene Schlussfolgerung lag auf der Hand: Ohne Karin Goethert wäre die Bewältigung der epochalen Aufgaben des Landesmuseums nicht möglich geworden. Konstantin-Ausstellung, Neupositionierung des Hauses in der rheinland-pfälzischen Museumslandschaft und erste umfassende Gesamtkonzeption einer neuen Dauerausstellung seit Kriegsende mit dem Führungsstil, der in der Zeit zwischen Heinz Cüppers (Direktor bis 1994) und Karin Goethert (kommissarische Leiterin seit Oktober 2005) herrschte - undenkbar.Der Name Hans-Peter Kuhnen fiel kein einziges Mal in der gestrigen Verabschiedung. "Lassen wir diesen Teil der Vergangenheit ruhen", sagte Hofmann-Göttig, der - das fand ebenfalls keine Erwähnung - Kuhnen im Dezember 1994 ins Direktoren-Amt eingeführt hatte. Als Frau erfolgreich in Männerdomäne

Auch Karin Goethert, die den von Mainz seines Amts, aber nicht seiner Planstelle Enthobenen quasi "fünf Minuten vor zwölf" ersetzen musste, mochte die Fehlbesetzung nicht beim Namen nennen. "Äußerungen von Wohlbefinden wurden vor zehn Jahren mit Strafandrohung belegt", blickte sie zurück in eine "unangenehme und turbulente Zeit, die viel Kraft gekostet hat und an die Gesundheit ging". Karin Goethert war in der 131-jährigen Geschichte des Trierer Landesmuseums nicht nur die erste Frau auf dem Chefsessel, sondern sorgte auch als Wissenschaftlerin in einer Männerdomäne für Furore. Die gebürtige Berlinerin, die am 29. Januar ihren 65. Geburtstag feierte, habe "die Erforschung der Kultur des Römischen Reiches erheblich gefördert", lobte Siegmar von Schnurbein (Frankfurt), der Vorsitzende der Archäologischen Trier-Kommission. Sie habe dem Museum und der Archäologie des Trierer Landes mit Hingabe und großem Erfolg gedient; ihr gebühre respektvoller Dank. Dieser Erfolg lässt sich unter anderem in der seit 1852 erscheinenden "Trierer Zeitschrift" (bislang 137 Bände, 32 000 Seiten, 2000 Beiträge, 500 Verfasser) nachvollziehen. 24 Jahrgänge (1977 bis 2001) des gedruckten Wissens um das kulturelle Erbe Triers mit fast 9500 Seiten hat Karin Goethert redaktionell betreut und zum Druck gebracht. 45 Beiträge stammen aus ihrer eigenen Feder. Das Lob, das auch Personalrats-Chef Peter Seewaldt zollte ("Sie sind ein Vorbild und haben deutlich gezeigt, welches Potenzial dieses Museum besitzt") gab die scheidende Chefin an die Belegschaft weiter. Die großen Aufgaben seien in Teamarbeit bewältigt worden. Die Bewunderung und Begeisterung für das Landesmuseum werde sie mit in den Ruhestand nehmen.Karin Goethert hinterlässt "wohl bestelltes Haus"

Karin Goethert hinterlässt nach den Worten von Kultur-Staatssekretär Hofmann-Göttig "ein wohl bestelltes Haus", das fit sei für die anstehenden großen Aufgaben und Herausforderungen.Der künftige Landesmuseums-Direktor Eckart Köhne (41), Chef der Konstantin-Ausstellungs-Gesellschaft, tritt sein Amt am 1. April an. Als Stellvertreterin steht ihm Mechthild Neyses-Eiden (52) zur Seite, der Hofmann-Göttig gestern die "endgültige Bestellung als unbefristete stellvertretende Leiterin" überreichte. Bislang fungierte sie als "Abwesenheitsvertreterin" Karin Goetherts.