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Abschied und Aufbruch in der Luxemburger Philharmonie

Abschied und Aufbruch in der Luxemburger Philharmonie

Der Anteil an Repräsentativen war überraschend klein. Das Galakonzert zum Zehnjährigen der Luxemburger Philharmonie setzte stattdessen Akzente für die Zukunft im Musikleben Luxemburgs und auch der Großregion. Zugleich verabschiedete sich Emmanuel Krivine als Chef des Orchestre Philharmonique.

Luxemburg. Das Rednerpult stand fast drohend an der Rampe. Aber die Festrhetorik zum Zehnjährigen der Philharmonie beschränkte sich auf eine komprimierte Ansprache von Luxemburgs Premier Xavier Bettel, beschauliche Rückblicke blieben ganz aus, und Desirée Nosbusch begrenzte ihre Moderation auf die erste Hälfte der Veranstaltung. Im Zentrum standen Musiker und Musik. Und im Zentrum des Galakonzerts stand der scheidende Chef des Orchestre Philharmonique (OPL), Emmanuel Krivine. Luxemburgs Philharmonie hat zudem die künftigen Jahre fest im Visier. Es hat etwas Programmatisches, wenn sich Jungen und Mädchen aus den Luxemburger Musikschulen mit Dirigent Martin Folz auf die Bühne der Philharmonie stellen, und unter dem auffordernden Titel "Sang mat!" mit voller Stimme so viel Klang produzieren, dass das OPL hinter ihnen sie auch im Forte nicht übertönt. Junge Menschen engagieren sich für die Musik: Das ist ein Anstoß für die musikalische Zukunft - in Luxemburg und vielleicht auch in der Großregion.Auch das Abschiedsdirigat von Emmanuel Krivine kam ohne Nostalgie aus. Krivine konzentrierte sich auf den Stil, auf den sich das OPL am besten versteht: das frühe 20. Jahrhundert in Frankreich und Amerika. Da brillierten sie. In Strawinskys "Feuervogel" kamen selbst die drastischen Akzente der "Danse infernale" noch federnd und unverspannt, kantable Partien blieben frei von deutscher Gemütlichkeit und in der kompromisslosen Präzision des ganzen Klangkörpers leuchteten die Farben dieser reichen Partitur stark und satt. Und dann, in Gershwins "Concerto in F", die nahtlose Übereinstimmung mit dem Solisten! Da passte zwischen dem leichthändig brillanten Jean-Yves Thibaudet am Klavier und dem Orchester kein Blatt Papier mehr. Mit diesem Galakonzert schlossen auch die Festveranstaltungen zum Jubiläum ab. Sie hatten das musikalische Potenzial Luxemburgs ins Zentrum gestellt und dabei eine erstaunlich innovative Stilvielfalt entfaltet. möMeinung

Bleibender VerdienstKein Orchester ist über Jahre hinweg mit seinem Chef restlos einverstanden. Selbstverständlich drang auch aus den Reihen des OPL gelegentlich Kritik am (angeblich) rigorosen Probenstil von Emmanuel Krivine. Und wie Krivine mit deutscher Romantik umging, stieß im Publikum nicht immer auf Zustimmung. Dabei liegt genau da sein bleibender Verdienst. Der französische Dirigent hat sich mit seinem französisch geprägten Orchester in die deutsche Romantik eingearbeitet, hat dem OPL deren Stil vermittelt - den vollen Hörnerklang, die Beweglichkeit der Streicher-Mittelstimmen, die ganz unfranzösisch gefühlsselige Innigkeit, die Nähe zum Lied. Die Mühe hat sich gelohnt - auch bei den Besucherzahlen. Noch nie sind so viele Trierer zu den OPL-Konzerten gefahren. Und die ausgebuchten Sinfoniekonzerte der Trierer Philharmoniker beweisen. Hier hat sich beim Publikum der Großregion echtes Interesse an bedeutender Sinfonik entwickelt. kultur@volksfreund.de