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Abschied von einem großen Kirchenbauer

Kirchenbauer und Dombaumeister: Karl Peter Böhr (links), hier mit seinem Architektenkollegen Kurt Müller. TV-Foto: Archiv/Jutta Edinger
Kirchenbauer und Dombaumeister: Karl Peter Böhr (links), hier mit seinem Architektenkollegen Kurt Müller. TV-Foto: Archiv/Jutta Edinger
Trier. Dombaumeister Karl Peter Böhr ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Trier (rm.) Das Bistum Trier trauert um Karl Peter Böhr. Der Dombaumeister ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Böhr hat wie kein anderer den Nachkriegs-Kirchenbau in der gesamten Diözese geprägt. Die Schwanenkirche in der Vordereifel bei Roes (Kreis Cochem-Zell) - ein Beispiel expressionistischer Gotikinterpretation - ist eine Hommage des in Polch als Sohn eines Dachdeckermeisters geborenen Architekten an seinen Lehrmeister Dominikus Böhm. Viele seiner stilistisch ganz unterschiedlichen Bauten waren bereits lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil vom Geist der liturgischen Bewegung getragen: Die Gemeinde sollte zur Gottesdienstfeier um den Altar versammelt werden.
Über diese Idee hinaus verwirklichte Böhr auch Kirchenbauten von hoher symbolischer Bedeutung, so die die Zeltkirche St.Agritius in Trier, die skulpturale Betonkirche St. Simeon in Trier-West und die Lebensbaumkirche St. Hubertus in Manderscheid. Auch die Trierer Dom-Information entstand nach seinen Plänen.
Doch Böhr war nicht nur ein herausragender und visionärer Planer. Gesellig und kommunikativ führte er Bauherren, Künstler und Handwerker so zusammen, dass ein Gesamtkunstwerk entstehen konnte. Morgendliche Besucher in seinem Büro pflegte er gerne mit der Frage "Trinken Sie einen Schnaps mit?" zu überraschen - kein Ausdruck eines gesundheitlichen Problems, sondern eine liebenswerte Reminiszenz an altes "Bauleute-Brauchtum".
Schlussstein seines Werkes ist die Pfarr- und Abteikirche St. Matthias in Trier mit dem 2008 neu gestalteten Apostelgrab im Zentrum und dem zur Versammlung einladenden Vorhof als Zielpunkt der Matthiaswallfahrt.
1987/88 wurde Karl Peter Böhr vom Domkapitel der Titel "Dombaumeister" verliehen und damit seine denkmalpflegerische Kompetenz und seine Tätigkeit im Auftrag des Doms gewürdigt.
Böhr, schon lange Witwer, hinterlässt zwei Töchter und einen Sohn, den früheren CDU-Landespolitiker Christoph Böhr (63). Das Requiem wird am Freitag, 19. Mai, 13 Uhr, in St. Matthias gefeiert.