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Absurd bis genial kombiniert

Absurd bis genial kombiniert

Der Musikkabarettist Hans Liberg hat bei seinem Auftritt in Trier mit einer temporeichen Show begeistert. Dabei hat er die unterschiedlichsten Melodien teilweise abstrus miteinander kombiniert. Stets im Mittelpunkt von Libergs Show ist die Kommunikation mit dem Publikum.

Trier. "Es ist toll, was man mit Musik machen kann." Diesen Satz von Hans Liberg können wohl alle 400 Zuschauer seines Konzerts in der Trierer Europahalle unterstreichen. Denn der holländische Musikkabarettist hat in seinem zweistündigen Programm Musikstücke und Gags in einem atemberaubenden Tempo verbunden. Keine 20 Sekunden vergehen ohne Pointe, keine halbe Minute, ohne dass er am Flügel ansatzlos von einem Musikstück zum nächsten springt, den Komponisten wechselt oder einfach in einer anderen Sprache weitersingt. So wie bei "Freude, schöner Götterfunken", das er in deutscher Sprache beginnt, dann aber auf Holländisch, Italienisch und Dänisch fortsetzt.
Spiel mit dem Publikum


Dabei spielt Liberg mehr mit dem Publikum als mit seinen drei Mitstreitern auf der Bühne, die ihn nur gelegentlich am Schlagzeug oder am Bass unterstützen. Immer wieder fragt er die Besucher, welche Stücke sie kennen, nimmt die Anregungen auf und setzt diese am Flügel um. Dabei lachen nicht nur die Zuschauer. Auch Liberg amüsiert sich über sein Publikum, das er erst zum Singen auffordert, um die Melodie dann mit schrägen Klängen am Flügel fortzusetzen. "Ich spiele wie Sie singen."
Liberg schlägt oft die Brücke von einem Musikstil zum anderen und spielt dabei die absurdesten Kombinationen. Er wechselt von Bach oder Mozart zur Filmmelodie der "Sendung mit der Maus" oder stimmt "Ein Freund, ein guter Freund" an und führt es mit "I\'m Singing in the Rain" weiter. "Das ist die gleiche Melodie", erklärt er. Liberg unternimmt Ausflüge in die Werbemusik und spielt mit Riffs aus Fernsehmelodien ("Dalli-Dalli") einen Blues. Bei musikalischen Ausflügen in die Rockmusik setzt er "Smoke on the Water" von Deep Purple mit "Zwei kleine Italiener" oder "Whatever You Want" von Status Quo mit dem "Anton aus Tirol" fort.
"Politiker sollten gute Musiker sein, das bringt Harmonie", sagt Liberg. Als Klavierspieler wie Helmut Schmidt könnten sie rechts mit links kombinieren - "und wenn es reicht: Klappe runter". Flugs ordnet er den politischen Parteien die passenden Melodien zu: Der CDU einen Kirchenchoral, der FDP das Heide röslein mit "Sah ein Knab ein Rösler stehen ...", Silvio Berlusconi bekommt ein Stück von Udo Jürgens verpasst: "Siebzehn Jahr, blondes Haar".
Bei allen Gags ist das Programm anspruchsvoll und fordert die Besucher. So schnell wechselt Liberg von einem Stück zum anderen, dass das Publikum Mühe hat zu folgen. Erholungspausen gönnt Liberg weder sich selbst noch seinen Zuschauern. Am Schluss des Konzerts sind die Besucher überwältigt von der musikalischen Genialität des Holländers: Es ist einfach toll, was Liberg mit Musik machen kann.