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"Ach wenn es einmal nur ganz stille wäre"

"Ach wenn es einmal nur ganz stille wäre"

Auf die Kunst als vielfältigen, sich stets erneuernden Kosmos hat sich die Europäische Kunstakademie Trier zum Auftakt ihres Jubiläumsjahres besonnen. Ihre Feier zum 40. Geburtstag begann sie mit einer klanggewaltigen Uraufführung von Joachim Reidenbachs Vertonungen der Lyrik von Rainer Maria Rilke "Und man sieht der Zeit auf den Grund".

Trier. Womit feiert eine Kunsteinrichtung, die zukunftsfähig sein will und zudem auf den Zusammenklang der Künste setzt, ihren 40. Geburtstag? Selbstredend mit etwas Neuem, Spartenübergreifendem. Folgerichtig eröffnete die Europäische Kunstakademie Trier ihr Jubiläumsjahr mit einer musikalischen Uraufführung. Zahlreiche Gäste hatten sich in der Kunsthalle versammelt, als der Opernchor des Theaters Trier (Einstudierung Angela Händel) und das Philharmonische Orchester der Stadt Trier unter Leitung von Wouter Padberg zum ersten Mal Joachim Reidenbachs Rilke Vertonungen sangen und spielten. Als Solistinnen waren zudem Joana Caspar und Antonia Luz verpflichtet.

Opulente Klanggewalt


Rainer Maria Rilkes Lyrik gehört bekanntlich zu den am häufigsten vertonten Dichtungen. Der Dichter selbst stand solchen Tondeutungen eher zurückhaltend gegenüber. Er war der Ansicht, seine Dichtung sei Klang genug. Reidenbachs Komposition wurde eingeleitet mit "Ich lebe mein Leben in wachsendem Ringen" aus dem zum Zyklus "Das Stundenbuch" gehörenden "Buch vom mönchischen Leben". Der Trie-rer Komponist hat aus Rilkes mystischer Frömmigkeit ein ungewöhnlich orchestriertes Werk für Chor, Orchester und Sopran von opulenter Klanggewalt gemacht. Darin finden sich spätromantische Elemente ebenso wie die Klangklarheit des Neoimpressionismus und gelegentlich sogar eine an Jazz erinnernde Rhythmik. Allerdings ersetzt Reidenbach Rilkes tiefe, nach innen gerichtete Gefühlsintensität durch eine bisweilen exzessive nach außen gerichtete Dramatik. Das zeigte sich gleichermaßen in den beiden folgenden Vertonungen "Zum Einschlafen zu singen" und "Ach wenn es einmal nur ganz stille wäre", wie im hochdramatischen Gesang der Solistinnen, deren Artikulation den Text allerdings unverständlich ließ. Da wäre dann doch Rilkes spätes Wort aus den Duineser Elegien zu empfehlen gewesen: "Nirgends, Geliebte, ist Welt als innen". Hoch engagiert präsentierten sich Chor und Orchester. Angefangen hatte das Konzert etwas aufgeregt mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 87 in A-Dur, was womöglich dem festlichen Anlass geschuldet war. Da preschten die Bläser im Eingangssatz laut vor. Und auch Padbergs energischem Dirigat fehlte es an Nuancierung.
Programm fürs ganze Jahr


Kunst hat viele Facetten, wie Akademiechefin Gabriele Lohberg in ihrer Begrüßung feststellte. Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der auch Vorsitzender des Trägervereins ist, betonte den europäischen Gedanken, dem die Akademie verpflichtet ist und der sich in ihrem Namen ausdrückt. "Wir wollen den europäischen Gedanken in der Vielfalt der Kunst und Kultur in Trier weitertragen", sagte der Stadtchef. Als Beitrag zur medialen Vielfalt hatte Videokünstlerin Tine Drefahl ein Video nach Art altmeisterlicher Blumenstillleben und deren Botschaft von der Vergänglichkeit der Zeit und alles Irdischen geschaffen.
Nach dem eindrücklichen Auftakt kann man sich auf weitere Jubiläumshighlights freuen. Im Juli lädt ein Sommerfest zu "Dreams and memories" ein (20. Juli). Gefeiert werden bis zum Abwinken darf bei der "Big Party", die zum Geburtstag am 18. August steigt. Wie alljährlich lädt die Akademie im Spätherbst zum "Markt der Künste" ein (19. November). Auch im Ausstellungsprogramm erwartet Kunstfreunde Spannendes. Als "Physis :Vision und Illusion" präsentiert sich ein EU-Erasmus-Projekt von "Physis", Berlin, das als Kooperation der Kunstakademien Trier, Palermo und Thessaloniki entstand (2. März bis 6. April).
Blick nach vorn und zurück


Einen Rückblick auf die künstlerische Arbeit der Gründungsväter der Akademie ermöglicht die Ausstellung "Erich Kraemer and friends" (3. Dezember bis 14. Janur) Auch im Jubiläumsjahr gibt es zudem die traditionellen Ausstellungen der Dozenten und Studierenden. Zweimal zu Gast ist überdies das Mosel Musikfestival mit Konzerten in den Räumen der Kunstakademie. Den "Klang der Wut" macht James Rhodes hörbar (9. September). Ins "Klanglabor" geht es einen Tag später.