Mosel Musikfestival: Achterbahnfahrt der Liebe in Bernkastel-Kues

Mosel Musikfestival : Achterbahnfahrt der Liebe in Bernkastel-Kues

Mit einem eindrücklichen Kunstlied-Abend und Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ setzte das Mosel Musikfestival  im Kloster Machern sein Programm fort.

Nach dem Volkslied zur Eröffnung nun das Kunstlied. Mit Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ hatten das Mosel Musikfestival und sein Intendant Tobias Scharfenberger ein ebenso vergnügliches wie anspruchsvolles Lied-Programm ausgewählt. Der Festivalchef und studierte Sänger übernahm dabei diesmal selbst den männlichen Part.

Vorab gab es allerdings Grundsätzliches. Einmal mehr verwies Scharfenberger – als Reaktion auf die viel diskutierte AfD-Anfrage im württembergischen Landtag nach der Anzahl ausländischer Künstler an den landeseigenen Theatern – auf die Notwendigkeit einer internationalen freien Kunst. Mit der Besetzung des Liederabends lieferte er auch gleich den Beleg. Als seine Partnerin war die chilenische Sopranistin Carolina Ullrich engagiert, die derzeit an der Semper Oper in Dresden engagiert ist. Am Klavier begleitete der vielfach ausgezeichnete Brasilianer Marcelo Amaral die Liebeslyrik der beiden Sänger.

Dass Verliebtheit alle Sinne revolutioniert, erkannte bereits der alte Freiherr von Knigge. Weshalb Verliebte auch nicht wie normale Menschen zu behandeln seien, da sie sich ohnehin nur mit sich selbst beschäftigten. Was der ausgewiesene Kenner des „Umgangs mit Menschen“ feststellte, bestätigen die 46 kleinen Liebesgedichte aus Wolfs „Liederbuch“, die der erste Literatur -Nobelpreisträger Paul Heyse ins Deutsche übertrug.

Die Befindlichkeiten des ganz normalen Wahnsinns der Verliebtheit werden darin als Wechselrede kenntnisreich und humorvoll verhandelt. Im intimen Konzertsaal von Kloster Machern begaben sich das Duo Ullrich und Scharfenberger auf die Achterbahnfahrt der Liebe mit ihren wechselvollen Stimmungslagen aus Sehnsucht, Eifersucht, Spott und verliebtem Pathos. Die beiden Sänger vermittelten herrlich einsichtig die unterschiedlichen Temperamente der Liebe, wechselten dynamisch zwischen Rezitativ und Melodie und wurden gleichermaßen dem intellektuellen wie emotionalen Anspruch der Musik gerecht.

In Ullrichs Stimme und Gestik nahm die Verliebtheit Gestalt an. Hinreißend gab die Sopranistin die Kokette, die Naive, die Schmollende, die Zürnende, die Sehnsüchtige. Dann wieder war sie die Stolze, die ihrem Verehrer spöttisch die kalte Schulter zeigte: „Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen“.

Ursprünglich ist der männliche Part für einen Tenor geschrieben. Scharfenbergers geschmeidiger Bariton verlieh seiner Liebe wie seinem Zorn Gewicht und Ernst, der bei der Beschreibung seiner Angebeteten quasi religiöse Züge annahm. („Gesegnet sei, durch den die Welt entstand“ oder „Der Mond hat eine schwere Klag erhoben“). Ein wenig erinnerte der Zugriff des Baritons an Dietrich Fischer-Dieskau.

Am Klavier war Marcelo Amaral der Dritte im Bunde dieses wechselvollen poetischen Liebesspiels. Mit eigener Stimme kommentierte er ausdrucksstark und vielfarbig das Geschehen und formte musikalisch die Rezitative. Eine kleine Panne an der Pedalaufhängung sorgte für eine kurze Unterbrechung, bei der die drei Künstler bewiesen, dass sie nicht nur singen, sondern auch Hand anlegen können.

Die 100 Besucher dankten mit viel Applaus und „Standing ovations“. Als Dank der Künstler gab es Gefühl pur mit einer Zugabe von Franz Schubert.

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