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Adel Tawil spielt in der Arena Trier vor 1800 Zuschauern

Konzert : Adel Tawil in Trier: Lief schon besser, läuft aber noch

Adel Tawil hat in Trier vor 1800 Besuchern gespielt. Auch wenn die Arena damit nur überschaubar gefüllt war – der Stimmung tat das keinen Abbruch. Das lag nicht nur an der musikalischen Mischung.

Sein Laufpensum hat Adel Tawil bei seinem Konzert in der Arena Trier bestimmt erreicht, denn auf der Bühne standen verschiedene Fitnessbänder, die beim Performen auf der Bühne zum Einsatz kommen. Auch seine Fans laufen ihm bei der Zugabe hinterher, als er sich unter die Besucher mischt. Das waren schon mal mehr, Tawil hatte die Arena vor einigen Jahren auch komplett gefüllt. Ob er mit der Besucherzahl insgesamt zufrieden ist? Das merkt man ihm nicht an. Er strahlt gute Laune aus, wie fast immer. Das hintere Drittel der Arena ist mit einem schwarzen Vorhang abgehängt, die Ränge sind gut besetzt, aber mit Lücken, und im Innenraum hat man ausreichend Platz, um zur Musik zu tanzen.

Der Popstar, der in den 90er Jahren als Teil der Band „The Boyz“ Charterfolge feierte, 2003 mit Annette Humpe das Duo „Ich und ich“ gründet, ist seit 2013 als Solokünstler unterwegs. Sein erstes Album „Lieder“ schafft es auf Platz vier in den Charts, das zweite „So schön anders“, wird 2017 Nummer eins. Bei der Tour zu seinem dritten Album „Alles lebt“ beginnt er mit den aktuellen Songs „Liebe to go“, „Katsching“ und „Neonfarben“, die neben dem Verliebtsein auch gesellschaftliche Entwicklungen ansprechen, die ihn besorgen, beispielsweise das Rastlose unserer Zeit oder die oberflächliche Gier nach Materiellem. Die Besucher in den ersten Reihen singen hier schon textsicher mit. Als „Vom selben Stern“ erklingt, springt die musikalische Begeisterung auf das gesamte Publikum über. Eleganz und Wohlgefühl ausstrahlend bewegt sich Adel Tawil auf der Bühne und gibt seinen bekannten Stücken mit mehr Rhythmus und dezentem Hip-Hop einen besonderen Charakter, dem man sich nur schwer entziehen kann. Musikalisch auf sehr hohem Niveau sind auch die Duette mit Maria Helmin und Peachy. Seinen Musikern gibt er immer wieder Platz für kleine Solos. Rings um die Bühne hängt ein weißer Vorhang aus Einzelfäden, dazu passende Lichteffekte sorgen für eine moderne, spacige Atmosphäre.

Für seine Fans nimmt er sich viel Zeit. Ein Paar, das auf den Rängen sitzt, fragt er, ob es ihr erstes Date sei und beteuert, sich Mühe zu geben, damit es auch klappt, mit weiteren Treffen. Dann begrüßt er seine Verwandten aus der Nähe von Trier, die gekommen sind.

Nachdenklich wird es, als der Sohn eines ägyptischen Vaters und einer tunesischen Mutter von Vorfällen, wie einem fast tödlichen Kopfsprung in einen Hotelpool, einem Blinddarmdurchbruch auf einem Flug oder der Panik bei einem Bombenalarm auf Hawaii erzählt. „Man bekommt ein anderes Bewusstsein fürs Leben“, erklärt er. Dazu hat auch sein Kind beigetragen, das ihn zu „Neues Ich“, inspiriert hat. Das Geburtstagskind Elias durfte seinen elften Geburtstag gemeinsam mit seiner Cousine auf der Bühne feiern und bei „Lieder“ ganz nah bei Adel Tawil sein.

Nach diesen sympathischen und persönlichen Einblicken ging es mit vollem Sound weiter. Mit Peachie stimmt er „tu m’appelles“ an. Bei den anschließenden Zugaben standen alle Besucher des Abends, die Stimmung war ausgelassen. Adel Tawil mischte sich sogar unter die Zuschauer, klopfte ihnen auf die Schulter, posierte für Selfies und musste schließlich, von einem Securitymann begleitet, sprintend wieder in den Backstagebereich, um von dort auf die Bühne zu kommen und das Konzert nach zwei Stunden zu beenden, das 1800 Fans mit einem zufriedenen Lächeln verließen.