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Adieu Woltähr, Farewell Songreiter, Äddi a merci, Walter

Trèves. Er war unermüdlich, wenn es um Dinge ging, die ihm am Herzen lagen. Die moselfränkische Sprache beispielsweise. Dieter Lintz

Triers keltische Geschichte. Lateinische Verse von Vergil. Karl Marx. Er brauchte keine großen Bühnen. Er konnte auf der Straße spielen, auf einem Schiff, am Rand von Sitzungen, notfalls - jedenfalls in jungen Jahren - auch mitten in einem Weinstand beim Konzer Heimatfest. Da hieß der Junge aus dem Konzer Tälchen noch Walter Schmitt, bevor er sich die Lieder, die sein Leben waren, auch amtlich als Name in den Pass eintragen ließ.

Dylan, Brassens, Voltaire

Es bedurfte einiger Überredungskunst beim zuständigen Amt.
An dieser Fähigkeit fehlte es dem studierten Gymnasial-Sprachenlehrer freilich nie. Vor allem, wenn er mit ewigem Sendungsbewusstsein für seine Hausgötter warb: Den Rockpoeten Bob Dylan, über den er 1977 seine Examensarbeit schrieb. Den Chansonnier Georges Brassens, der in seinen Programmen nie fehlte. Den Dichter Voltaire, dem er sich nicht nur wegen seines auf Französisch ähnlich klingenden Vornamens Walter verbunden fühlte.

Seine Passion war das Singen. Egal, ob als mittelalterlicher Bänkelsänger, aktueller Liedermacher oder zeitloser "Songreiter", wie er es augenzwinkernd nannte. Auch da blieb er selten allein, holte immer wieder Freunde und Kollegen ins Boot, gründete die Tradition der Lieder-Gipfeltreffen in der Tufa, probierte immer wieder Neues aus, produzierte ein halbes Dutzend CDs.

Mal für die Katz, mal für den TV

Er liebte es, Dinge auszugraben, in Sachen Musik ebenso wie bei der Sprache oder der örtlichen Geschichte. Was ihn aber nicht davon abhielt, sich in aktuelle Diskussionen einzuschalten - mal per Lied, mal per Leserbrief. Er mochte keine aufgesetzten Autoritäten, in der Politik so wenig wie in der Religion.

Dass er schon 64 war, sah man ihm weder äußerlich an, noch hätte man es aus seinem Verhalten geschlossen. Forever young, seinem Idol Bob Dylan gemäß. Moden und Trends interessierten ihn wenig, manchmal wirkte er ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Am Mittwoch ist Walter Liederschmitt völlig überraschend nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.



Website von Walter Liederschmitt

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Walter Liederschmitt 2010 im TV-Porträt "Menschen ganz nah"

TV-Artikel von 2008 über die Führungen mit Michael Thielen