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Ärger wegen rassistischer Äußerungen bei Landesarchäologie

Archäologie : Landesarchäologie wegen Chatgruppe in der Kritik

(dpa/aheu) Es ist noch keinen Monat her, dass zwei Installationen aus menschlichen Wirbelsäulen in Blumentöpfen für Aufregung sorgten. Sie standen auf Schreibtischen in der Landesarchäologie Koblenz.

Wie der Südwestrundfunk (SWR) am Tag vor Weihnachten berichtete, waren jeweils vier menschliche Wirbelsäulen in einem Topf zu einem Gebinde verarbeitet, teils mit Pflanzenblättern geschmückt. Eine junge Frau im Freiwilligendienst mit dem Studienwunsch Anthropologie hatte die „unglückliche Idee“ gehabt, zu ihrem Abschied die beiden Blumentöpfe zu „gestalten“, klärte das Wissenschaftsministerium in Mainz dazu auf. Nun gibt es neue Vorwürfe gegen die Landesarchäologie Koblenz, und wieder ist es der SWR, der sie aufdeckt.

Diesmal geht es um rassistische, sexistische, homophobe und pornografische Äußerungen im Chat einer Whatsapp-Gruppe von vorwiegend männlichen Amateur-Sondengängern namens „NFG AW“ (Nachforschungsgenehmigung Ahrweiler). Zwei der rund 30 Schatzsucher hätten sich deshalb an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gewandt.

Die Landesarchäologie kann Nachforschungsgenehmigungen erteilen, mit denen Bürger mit Sonden nach Schätzen suchen dürfen. Eine solche Genehmigung verbindet offenbar die Mitglieder des beanstandeten Chats, der dem SWR in Teilen vorliegt. Darin wird laut dem Sender auch ein Beamter der Landesarchäologie bedroht. Doch statt gegen die Äußerungen einzugreifen, habe sich der Administrator der Landesarchäologie zu Themen wie „Öffentliches Betrinken“ oder „Russische Frauen“ zu Wort gemeldet.

Das Wissenschaftsministerium in Mainz nannte die Beiträge gegenüber der Deutschen Presse-Agentur „indiskutabel und unangemessen“. Die Mitarbeiter der Landesarchäologie seien angewiesen worden, „nicht nur aus dieser, sondern auch aus anderen Sondengänger-Chat-Gruppen auszutreten“. Zudem habe die Landesarchäologie eine dienstrechtliche Prüfung des Sachverhaltes eingeleitet.

Derweil verwiesen laut SWR einige der Sondengänger auf den „privaten Charakter“ des Chats. Wegen der rassistischen, sexistischen und homophoben Beiträge hätten sich die Verfasser jedoch reumütig gezeigt und versichert, so etwas nicht mehr zu schreiben.

(dpa)