Affentheater Kunst

Rarer Kunstgenuss: Die Luxemburger Galerie Clairefontaine zeigt im "Espace 1" Arbeiten von Jörg Immendorfff.

Luxemburg. (er) Gemeinsam mit seinen Kollegen Georg Baselitz und Markus Lüpertz bildete er lange Zeit das Dreigestirn der deutschen zeitgenössischen Malerei. Anders als der Malerfürst Baselitz und der Dandy Lüpertz war Jörg Immendorfff allerdings zu aller Zeit ein hochpolitischer Künstler. Immendorfffs berühmter Bilder-Zyklus "Café Deutschland" kann in diesem Sinn für das ganze Werk stehen. Mindestens ebenso oft wie durch seine Kunst hat der 1945 geborene Lüneburger durch seine Exzesse und provokanten Aktionen für Aufruhr und Widerstand gesorgt. Das fing an mit dem Rausschmiss des Studenten aus der Düsseldorfer Akademie nach seinen legendären neodadaistischen Aktionen und endete mit wüsten Sex- und Rauschgiftorgien, die zu Strafprozess, Verurteilung und seiner Entpflichtung als Hochschullehrer führten. Freilich: das Beispiel Immendorff zeigt auch erfreulich, dass die Republik in der Lage war, den sozial schwer verträglichen Menschen vom Künstler zu unterscheiden. Nicht nur, dass Immendorff seine Professur in Düsseldorf zurück erhielt. Bis heute bleibt das Werk des 2007 verstorbenen Malers und Bildhauers geschätzt als eines der wichtigsten des 20. Jahrhunderts. Freilich stand der Bildhauer in der allgemeinen Wahrnehmung meist hinter dem Maler zurück. Umso erfreulicher, dass solche Rückstände jetzt in Luxemburg zum Teil aufzuholen sind. Die sehenswerte Ausstellung in der Luxemburger Galerie Clairefontaine zeigt (neben etwas Grafik) eine Reihe seltener und hoch gehandelter Plastiken (bis zu 280 000 Euro Marktpreis) des Künstlers. Im Mittelpunkt stehen Arbeit aus der Werkgruppe "Malerstamm", in der Immendorfff die eigene Zunft kritisch beäugt. Der Kunstbetrieb - ein Affen-Theater, stellt der Maler ironisch fest. Zu sehen ist zudem die berühmte Bronze von 1990 "Nach rechts drehend", die den Wappenadler der Republik zeigt und die wetterwendische "Fortuna" auf der Erdkugel. Immendorff spottete übrigens nicht nur über andere. Sein Selbstporträt zeigt stammesgerecht einen Affenkopf.Bis 31. Mai, Di-Fr 14.30-18.30Uhr, Sa 10-12 u.14-17 Uhr, 7 place de clairefontaine, www.galerie-clairefontaine.lu.