„Afrika! Afrika!“ in der Trierer Arena – Vom Dorfplatz auf die Bühnen Europas

Zirkusshow : „Afrika! Afrika!“ in der Trierer Arena – Vom Dorfplatz auf die Bühnen Europas

Millionen Zuschauer haben „Afrika! Afrika!“ bereits gesehen. Die Neuauflage der Zirkusshow hat nun in der Trierer Arena gastiert.

1972 reist André Heller durch Afrika und macht eine Erfahrung, die ihn nachhaltig prägt. Am Rande der Sahara stolpert er auf einem Marktplatz über ein Fest. Tänzer, Musiker, Gaukler und Akrobaten aus den verschiedensten Teilen des Kontinents beeindrucken Heller. Der Künstler kommt darüber hinweg, aber vergessen wird er diese Erfahrung nie. 2003 hat er die Idee eines afrikanischen Zirkus‘. Er lässt Talentsucher Afrika von Marokko bis Südafrika, von Äthiopien bis zur Elfenbeinküste durchforsten. Zwei Jahre später steht die Show und wird umjubelt. Millionen Menschen sehen sie sich in den folgenden Jahren an. Am Freitagabend hat „Afrika! Afrika!“ in der Trierer Arena gastiert.

Nachdem Heller die Show 2014 beendete, wird sie seit einem Jahr von seiner ehemaligen rechten Hand, Georges Momboye, als künstlerischem Leiter fortgeführt. Der Tänzer, Choreograph und Regisseur hat mehrfach für große Opernhäuser gearbeitet und Choreographien etwa für Strawinskis „Le sacre du printemps“ entwickelt. Bei „Afrika! Afrika!“ treffen Tänze aus ganz Afrika auf Jazz-, Break- und Streetdance, trifft Zirkusakrobatik auf kontemplative Darbietungen, wie etwa die „Sanddorn Balance“ von Andreis Jacobs Rigolo.

Zu Beginn legt er eine Feder quer auf die Spitze eines Stockes, so dass sie ausgependelt ist und nicht herunterfällt. Dann legt er diesen Stock mit der Feder auf einen anderen Stock. Und so geht es weiter. Die Stöcke werden immer länger, die Konstruktion immer größer. Rigolo bewegt sich äußerst konzentriert in Zeitlupe, umhüllt von sphärischer Musik. Dann stellt er sein Konstrukt auf die Spitze eines Stabes, es steht nun von selbst. Rigolo geht nach vorn und nimmt die kleine Feder herunter. Das ganze Gebilde fällt Stock für Stock in sich zusammen.

Die „Sanddorn Balance“ ist ein Moment der Ruhe in einer ansonsten rasanten Show, die stark vom Tanz der 70-köpfigen Künstlergruppe dominiert wird – im Hintergrund eindrucksvoll von Videokunst auf einer 140 Quadratmeter großen LED-Wand bereichert. Und natürlich von der großen Band mit ihren eindrucksvollen Sängerinnen und Sängern.

Ein Highlight ist sicherlich die lebensgroße Elefanten-Marionette. Die Figur, die von mehreren Personen gesteuert wird, wirkt beinahe lebensecht. Ein Kunstwerk von Michael Curry, einem der weltweit führenden Produktionsdesigner. Seine beweglichen Figuren gibt es beispielsweise im Musical „König der Löwen“ zu sehen.

Die Künstler von „Afrika! Afrika!“ stammen aus vielen Ländern Afrikas und werden von afro-stämmigen Künstlern aus Europa und den USA ergänzt. Äthiopien etwa gilt als eine der Hochburgen der afrikanischen Zirkuskunst und ist zugleich eines der ärmsten Länder der Welt. Von dort stammt die Rhönrad-Artistin Baheru Hikama Muzemil. Durch „Afrika! Afrika!“ kam sie vom staubigen Dorfplatz zu einer internationalen Karriere.

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