Aladin und die Wunderlampe im Trierer Theater

Kostenpflichtiger Inhalt: Theater : Tolle Premiere in Trier: Aladin und die glücklichen Kinder

Riesengebrüll und La Ola-Wellen: Hunderte Schüler feiern die Premiere von „Aladin und die Wunderlampe“ – auf ihre ganz eigene Art.

„Du musst sie reiben!“ „REIBEN!!!“, rufen die 600 Kinder. „Ihr meint also, ich soll die Lampe reiben?“, fragt Aladin, ehe ihm ein gewaltiges „Jaaaaaaa!“ entgegendonnert und er endlich an dem goldenen Kännchen rubbelt, das daraufhin den wohl lässigsten Flaschengeist der Trierer Theatergeschichte entlässt.

Schon lange nichts mehr zu lachen gehabt? Lange nicht geschmunzelt? Oder erlebt, wie wahre Begeisterung aussieht? Das lässt sich ändern: Einfach „Aladin und die Wunderlampe“ besuchen.

Das unkonventionelle Erlebnis beginnt bereits im Foyer. Dort, wo sich sonst Sekt nippende Damen und Herren über Bühnenkunst unterhalten, toben Kinder zwischen Tischen voller Rucksäcke und Chipstüten. Wenig später tauchen sie den großen Saal mit rhythmischem Klatschen in Stadionatmosphäre. Als der Vorhang sich hebt, steigt ohrenbetäubender Jubel auf. Hohe Erwartungen! Und dann ist Ruhe.

Die märchenhaft orientalische Welt von Baklavah zieht die Zuschauer gleich in ihren Bann (Bühnenbild: Dietmar Teßmann, Kostüme: Monika Seidl). Eine Stadt mit bunten Märkten  und einem Palast aus Tausendundeiner Nacht. Es ist die Heimat des Straßenjungen Aladin (erfrischend jugendlich, übermütig und leichtfüßig gespielt von Jan Walter) und seiner Mutter (Luiza Braz Batista), einer Heilerin, die so gutmütig ist, dass sie nur selten Bezahlung für ihre Dienste fordert. Sehr zum Bedauern von Aladin, dem so das Geld fehlt, sich auf dem Basar Fanartikel mit dem Bild der schönen Prinzessin Jaleila (Davina Donaldson) zu kaufen, in die er sich schon verliebt, bevor er sie zum ersten Mal trifft.

Dummerweise hat Jaleilas Vater, der ängstliche Sultan (Martin Geisen), sie dem gemeinen Großwesir zur Frau versprochen. Dieser von Gastschauspieler Aki Tougiannidis ganz wunderbar verkörperte Bösewicht mit Muahaha-Lachen will alle Macht an sich reißen. Zu diesem Zweck entführt er den Glückskäfer Skarabäus (Paul Behrens), der die Kinderherzen mit seiner naiven Gutmütigkeit und seinem Käferlied im Nu erobert.  Mithilfe von Skarabäus findet der Großwesir heraus, dass nur Aladin ihm die Zauberlampe besorgen kann, die er sich so dringend wünscht. Doch natürlich kommt es ganz anders.

Nicht der Großwesir, sondern Aladin ist es, der den Flaschengeist Jinni (großartig: Stephan Vanecek) mithilfe der Kinder freilässt. Ein ziemlich lässiger Typ, der orientalisch rappt, coole Bewegungen draufhat, Faustgrüße gibt und Aladin eine „Wunsch-Flatrate“ bietet. Nur: Die Prinzessin in Aladin verliebt zu machen, das übersteige seine „Skills“.

Die Kinder im Smartphonealter beömmeln sich bei jedem „lol“, das er loslässt und auch für alle anderen gibt es im Laufe der Aufführung reichlich zu kichern. Für die Kleineren: Wenn das Kamel an der Hose des Händlers Achmed knabbert und dieser plötzlich in Herzchen-Shorts auf der Bühne steht. Wenn die Tuchhändlerin vor Freude mit dem Hintern wackelt. Wenn es bei turbulenten Kampfszenen Boing und Dong macht. Für die Größeren: Wenn der unvermeidliche Brexit-Witz kommt oder der Großwesir eine unsinnige Steuer namens „GEZ-Gebühr“ einführt.

Nach ihrem Erfolg mit dem „Zauberer von Oz“ ist es den Regisseuren Kim Langner und Axel Weidemann erneut gelungen, ein Weihnachtsmärchen auf die Bühne zu bringen, das nicht nur Kinder ab fünf erfreut. Selbst 18-jährige Jungs aus Trier sind begeistert von den Witzen, dem fliegenden Teppich und dem geschicktem Einsatz der Bühnentechnik. „Super, ein ganz tolles Stück“, findet Sandra Griebeler, Lehrerin an der Wittlicher Grundschule Friedrichstraße. Sie lobt die Leistung der Schauspieler, die sich in ihren vielen verschiedenen Rollen als extrem wandlungsfähig erweisen. „Das Stück ist ganz nah an der Kinderwelt“, findet die Pädagogin, der es auch gefällt, wie die Zuschauer einbezogen werden. Ihre Schüler sind hin und weg. „Ich könnte mir nix besseres vorstellen“, schwärmt eine Neunjährige. „Die Kostüme haben mir richtig gut gefallen“, eine andere. „Der Aladin war süß“, ruft eine Dritte. „Und der Skarabäus“. Aber gibt es auch was, was Euch nicht gefallen hat: „Neeiiinnn!!!“.

Das dürften auch die Darsteller gemerkt haben. Am Riesengebrüll, an Zugabe-Rufen und La Ola-Wellen. An Hunderten winkenden Händen. Schon lange nicht mehr geschmunzelt? Ab zu Aladin.  

90 Prozent der Plätze in 34 Vorstellungen sind bereits belegt. Die beste Chance bieten Sonntags- und Nachmittagsvorstellungen.

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