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Kultur
Die wundersamen Folgen einer Weinprobe

Das Stück Brigitte Bordeaux ist nicht im Theater zu sehen, sondern im Kasino am Kornmarkt, in Weingütern und Restaurants.
Das Stück Brigitte Bordeaux ist nicht im Theater zu sehen, sondern im Kasino am Kornmarkt, in Weingütern und Restaurants. FOTO: TV / Simon Hegenberg
Trier. Alexander Mays letzte Inszenierung in Trier: „Brigitte Bordeaux“ von Sergej Gößner.

Vorher eine schnelle Pizza essen oder nachher entspannt dinieren? Diese Frage stellt sich zumindest für diesen Theaterabend nicht. Denn „Brigitte Bordeaux“, so der anspielungsreiche Titel der letzten Schauspielpremiere in dieser Saison, die von Alexander May inszeniert wird, bietet dem Besucher ein Komplettpaket mit Kunst, Kulinarik und Weinverkostung. Für die insgesamt acht Vorstellungen verlässt das Ensemble sechs Mal die gewohnte Umgebung und spielt auf Weingütern und in Restaurants der Region. Nur die Premiere sowie die letzte Vorstellung finden im Kasino am Kornmarkt statt.

Essen und Theater … das kennt man doch von den „Krimidinners“, die quer durch Deutschland gespielt werden. „Das wird kein Krimidinner“, stellt Regisseur May sofort klar. „Wir wollen kein Theater machen, bei dem das Publikum während eines kulinarischen Abends mit Kunst unterhalten wird.“ Außerdem werde da die Handlung immer wieder durch einen Gang unterbrochen, und die Zuschauer müssen am Ende den Mörder herausfinden. Mord und/oder Todschlag gibt es bei „Brigitte Bordeaux“ nicht. „Die Idee hat mit meiner Herkunft aus der Region zu tun. Ich wollte immer schon mal einen Abend machen, der durch eine Weinprobe strukturiert wird.“

Die Initialzündung zum Stück ist nicht ganz so alt wie die Ursprünge des Weinanbaus in der Umgebung, geht jedoch auf eine Inspiration zurück, die Alexander May vor zehn Jahren hatte – anlässlich einer Weinprobe in Oberemmel. „Wir saßen mit einer Gruppe von Künstlern zusammen. Je später der Abend und je mehr Wein getrunken wurde, desto interessanter geriet die Veranstaltung. Auf einmal hatte ich das Gefühl, mitten in einem Tschechow-Stück zu sein, wo unter der Oberfläche einer gutgelaunten Gesellschaft wahnsinnig viele Dinge brodelten, die nach und nach zutage kamen.“

Endete der Abend damals in einer Katastrophe? „In einer Fast-Katastrophe“, wiegelt May ab. „Zumindest eine Beziehung ist an jenem Abend zerbrochen.“ Mehr möchte er dazu nicht sagen. Die weinselige Veranstaltung ging May allerdings nicht aus dem Kopf. Deshalb hatte er – in Zusammenarbeit mit einem anderen Autor – begonnen, ein Stück zu schreiben; es hieß „Die Weinprobe“. Zu einer richtigen Verkostung kam es jedoch nicht; die ersten Szenen landeten in der Schublade. Den Gedanken habe er erst wieder aufgegriffen, als er mit Caroline Stolz die Leitung des Trierer Theaters übernahm. „Es ist zwar nicht das Stück von damals – aber der Wein ist geblieben.“ Er hat die Aufgabe an den Dramatiker Sergej Gößner delegiert, der „eine komplett eigenständige und neue Idee entwickelt hat“. Es geht um eine alteingesessene Winzerfamilie, deren Oberhaupt eines Tages beschließt, sich zur Frau umwandeln zu lassen und ab sofort Brigitte genannt werden will. Was  natürlich für Schockwellen der Empörung sorgt – nicht nur im Weinkeller, sondern im gesamten Dorf.

„Mein Anliegen mit diesem Projekt war auch, den Elfenbeinturm Theater zu verlassen“, erläutert May. „Wir wollen in die Gemeinden gehen und den Menschen zeigen, was wir für tolle Schauspieler haben. Wir berücksichtigen allerdings auch sehr stark die Gegebenheiten vor Ort. Auf jeden der Veranstaltungsorte und jeden Weinkeller wird im Vor- und Nachspiel, also dem Rahmen des eigentlichen Stücks, individuell eingegangen.“ Neu fürs Ensemble ist auch der Umstand, dass die Proben an allen sieben Veranstaltungsorten stattfinden, damit sich die Schauspieler auf die je individuelle Umgebung einstellen können.

Alexander Mays Abschied von Trier zum Ende der Spielzeit bedeutet übrigens nicht unbedingt das Ende von „Brigitte Bordeaux“. Viele Winzer hätten bereits angefragt, ob das Stück in der nächsten Spielzeit weiter zu sehen sein wird – und dann möglichst auf ihrem Weingut. „Das würde mich natürlich freuen“, sagt May, der mit seiner Kollegin Caroline Stolz ans Landestheater Neuss geht. „Aber diese Entscheidung muss mein Nachfolger treffen.“

„Brigitte Bordeaux“ kostet im Gesamtpaket (Sektempfang, Essen, Weinprobe, Vorstellung) 65 Euro. Termine und Orte: 26. Mai und 28. Juni im Kasino am Kornmarkt; 27. Mai: Mannebacher Brauhaus, Mannebach; 29. Mai: Weingut Losen-Bockstanz, Wittlich; 5. Juni: Restaurant Altes Kelterhaus, Wintrich; 7. Juni: Zur Moselterrasse, Palzem; 15. Juni: Weingut Staffelter Hof, Kröv; 21. Juni: Karlsmühle, Mertesdorf. Karten: 0651/718-1818.  

Das Theater verlost zwei mal zwei Karten. Zum Mitmachen einfach eine Mail an presse@theater-trier.de schicken, Ort und Termin sind frei wählbar.