Alice im musikalischen Wunderland

Trier · Kinder in die Welt der klassischen Musik einzuführen und mit den Instrumenten eines Orchesters vertraut zu machen, das will der Komponist Niels Frédéric Hoffmann mit seinem Stück "Alice im Wunderland". Das erlebte am Sonntag vor 200 kleinen und großen Besuchern seine Uraufführung.

 Sabine Brandauer erzählt die Geschichte von Alice im Wunderland mit Hilfe von Handpuppen. TV-Foto: Daniel John

Sabine Brandauer erzählt die Geschichte von Alice im Wunderland mit Hilfe von Handpuppen. TV-Foto: Daniel John

Trier. Eine musikalische Geschichte für Kinder, in der jede Figur von einem anderen Instrument verkörpert wird - das Paradebeispiel dafür ist "Peter und der Wolf" von Sergei Prokofjew. Und so ist es kein Zufall, dass in der Reihe Familyclassics des Theaters Trier dieses Werk als erstes auf dem Spielplan stand. Im zweiten Teil gab es nun eine Uraufführung mit dem Orchester unter Leitung von Valtteri Rauhalammi: "Alice im Wunderland" des aus Hamburg stammenden und in Berlin lebenden Komponisten Niels Frédéric Hoffmann, der auch selbst anwesend war.
Instrumente werden zu Figuren


Wie Prokofjew ordnet auch Hoffmann den Figuren Instrumente zu: Für das weiße Kaninchen beispielsweise erklingt das Fagott, für den König die Trompete und für Alice die Klarinette - genauer gesagt eine von drei Klarinetten; je nachdem, ob Alice wächst oder auf Daumengröße schrumpft, eine besonders hohe oder tiefe.
Das Werk ist der zweite Teil einer Trilogie, die Hoffmann nach Lieblingsbüchern seiner drei Kinder geschrieben hat. "Es gilt ja als schwerer Stoff", sagt der Komponist über seine Auswahl, "aber wenn es meiner Tochter so gut gefallen hat ..." Um den Kindern im Publikum das Verständnis der Geschichte zu erleichtern, hat Sabine Brandauer als Erzählerin einen großen Korb mit Handpuppen auf der Bühne, dazu werden Zeichnungen aus der Originalausgabe des Buches eingeblendet. Außerdem gibt es Gelegenheit zum Mitmachen, als sprechender Chor oder mit einer kleinen Tanzeinlage.
Anders als bei "Peter und der Wolf" sind die einzelnen Figuren aber nicht nur durch ein einziges und unverändertes Leitmotiv dargestellt. Das macht sie einerseits weniger plakativ und erkennbar, andererseits schafft sich Hoffmann so mehr Raum für vielfältige musikalische Gestaltung mit Einflüssen verschiedener Stilrichtungen wie Klassik, Avantgarde oder Filmmusik. Gerade das schätzt der Komponist, der bereits sechs Opern geschrieben hat: "Wenn man für Kinder arbeitet, steht man weniger unter Druck", findet er, man könne sich freier entfalten.
Dem Publikum - Eltern wie Kindern - hat es jedenfalls gefallen. "Begeistert" zeigt sich etwa Christiane Göbel. "Durch die Musik konnte man sich das noch viel besser vorstellen." Und sie fügt hinzu: "Die Kinder waren zum ersten Mal in einem Konzert und waren bis zum Ende ganz gebannt."

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