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Alle Register gezogen

Claude Gérard intepretiert das Programm mit Virtuosität. Foto: TV-Archiv
Claude Gérard intepretiert das Programm mit Virtuosität. Foto: TV-Archiv
Mit einem glanzvollen Konzert eröffnete die Stiftung Villa Musica ihre Konzertreihe "Musik in Burgen und Schlössern" im Kurfürstlichen Palais in Trier mit dem Auftritt der "Bläservirtuosen". Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Reuther

Trier. Die rheinland-pfälzische Musikstiftung Villa Musica ist gewiss die spannendste musikalische Initiative des Landes. Seit vielen Jahren fördert das Haus mit unvermindertem Anspruch an Qualität das nationale und internationale Musikleben. Das kammermusikalische Ensemble der Villa gehört heute zu den führenden der Republik. Wie intelligent seine Programme sind und wie gelungen sich dort Spielfreude, Ausdeutung und das Bemühen um die Vermittlung neuer Hörerfahrung zusammenfinden, bestätigte einmal das Villa-Musika-Konzert. "Die kammermusikalische Reihe ,Musik in Burgen und Schlössern' ist das Filetstück unseres Programms" begrüßte Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann- Göttig als Vorsitzender der Stiftung die Gäste, unter denen neben dem Hausherrn, ADD Präsident Josef Peter Mertes, auch der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Carl-Ludwig Wagner und die ehemalige Kulturministerin Rose Götte waren. Noch mehr erfreuliche Nachrichten hatte der Kulturpolitiker dabei. "Wir haben Luxemburg für uns entdeckt", freute sich Hofmann-Göttig und kündigte das erste Konzert der Villa dort am 2. Mai an. Zunächst gab es freilich reichlich Glanz und kammermusikalischen Genuss in Trier. Nicht die gewohnte Mischung aus jung und alt war diesmal zu hören. Statt dessen eröffneten drei Altmeister der Bläserkultur und ein hochpräsenter, einfühlsamer Pianist die Saison. Wohlklang und Provokation

Auf dem Programm stand als Mischung aus "Wohlklang und Provokation" französische Bläserkammermusik von der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg. In bester Spielfreude und ausgesprochen dialogfähig präsentierten sich die vier Musiker. Mit dem Franzosen Jean-Claude Gérard musizierte einer der reifsten Flötisten der Zeit, der sich wunderbar auf den runden Klang der Querflöte versteht und ihre vielfarbige Poesie. In Albert Roussels "Flötenspielern" wird die Flöte zum Instrument einer Weltkultur. Gérard überzeugte als griechischer Pan und indischer Krishna genauso wie als klagender Flötist Péjaudie, der seine Verliebtheit an der Galeere büßt. Immer besser wird mit den Jahren Ingo Goritzki. Seine Oboe verbindet eindrucksvoll hochvirtuoses Spiel mit der Frage nach der Bedeutung der Musik. So richtig ausleben konnte sich sein Instrument in Camille Saint-Saëns Oboensonate, op.166: wunderbar leicht erklang das Andantino, untermalt von Kalle Randula am Klavier, geistreich das Allegretto, dem Randulas Akkorde quasi den Hintergrund schufen. Ulf Rodenhäuser, der zu den Mitbegründern des Ensembles gehört, präsentierte seine Klarinette einmal mehr mit wunderbar weichem Klang. Poesie pur waren sein "Andante et Allegro" von Ernest Chausson. "Provokation" schließlich war angesagt in Darius Milhauds Sonate op. 47. Was 1921 schrill und schräg als "Katzengejammer" die Zuhörer aufbrachte, wirkte heutzutage im üppigen Barock des Konzertsaals und nach so viel Wohlklang wie das notwendige Durchlüften. Von Wohlklängen hatte schließlich auch der zweite Teil jede Menge mit Maurice Ravels wunderbarer "Habanéra" für Oboe und Klavier und dem elegant trauernden Gerard in Claude Debussys Flötenstück "Syrinx". Zum Schluss: Camille Saint-Saens "Caprice".Dort - wie in der Zugabe vom selben Komponisten - zogen die Musiker noch einmal alle Register ihrer Kunst. Viel Applaus!