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Alle vom selben Stern

Alle vom selben Stern

Das Ministerium des Innern als Konzertveranstalter: Zum Abschluss des Landespräventionstages gegen rechts am Montag kamen 1400 Musikfreunde nach Bitburg, um "Ich & Ich" zu hören.

Bitburg. (now) Multikulturelle Vielfalt ist in Deutschlands Musikszene schon längst eine Selbstverständlichkeit - und erfolgreich ist sie dazu. Adel Tawil, Sänger von Ich & Ich, bringt es auf den Punkt: "Mein Vater ist Ägypter, meine Mutter kommt aus Tunesien und ich bin in Berlin geboren", ruft er ins Publikum. Seit 2005 ist die Kooperation zwischen Adel Tawil und Annette Humpe nicht mehr aus den Charts wegzudenken - die Band kann in Bitburg also in eine prall gefüllte Hit-Schatulle greifen. "Geht's Dir schon besser?", "So soll es bleiben", "Pflaster", oder der aktuelle Song "Universum" wurden dabei vom völlig begeisterten Publikum absolut textsicher mitgesungen.

Manchem wird dabei auch die Luft ausgegangen sein, denn in der ausverkauften Stadthalle war sie Mangelware. Einige, meist jüngere Fans aus den ersten Reihen beschäftigten die Sanitäter, in allen Fällen konnte aber schnell Entwarnung gegeben werden.

90 Minuten Popmusik in Perfektion: Den typischen Ich & IchSound rund um die samtweiche Stimme Adel Tawils beherrschen Streicher-Klänge aus dem Keyboard, die Musiker agieren eher verhalten - nur ab und zu verirrt sich ein Gitarren-Solo in die Songs. Tawil und Humpe haben ein Rezept für den Erfolg gefunden, das sich in ihren Kompositionen oft wiederholt, aber insgesamt drei Millionen verkaufte Alben in Deutschland geben ihnen Recht.

Der charismatische Sänger Tawil hat das Publikum fest in der Hand: Die Bitburger toben, als er ein kleines Mädchen auf die Bühne holt, um den bisher erfolgreichsten Titel der Band mit ihm zu singen. "Wir sind vom selben Stern" ist dann auch, mit dem schönen Bild der kleinen Gastsängerin, der letzte Song des Abends. Solche Pathetik ist Patrice, der im Vorprogramm auftrat, eher fremd. Dafür zeigte er, dass zwei Gitarren und eine Stimme ausreichen, um die Leute zu Beifallsstürmen hinzureißen. Seine Mutter ist Deutsche, der Vater kommt aus Sierra Leone - geboren ist er 1979 in Kerpen-Brüggen. Und auch in seiner Musik verschmelzen unterschiedlichste Elemente: Jazz, Soul, Reggae und Hip-Hop bringt er in seinen akustischen Set ein und zwingt so manchen Bitburger zu ungewohnten Hüftbewegungen. Ein sympathischer Musiker, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt - in sein Konzert ist das Publikum fest eingebaut: Es muss mitsingen und tut es mit Begeisterung. Zum Abschluss-Konzert des Landespräventionstages gegen Rechts kamen 1400 Musikfreunde.