Allein Gott gewidmet

Allein Gott gewidmet

TRIER. Zum Abschluss ihrer Probenarbeit im Wintersemester gaben Chor und Orchester der Universität Trier unter der Leitung von Alexander Mayer ein anspruchsvolles und beeindruckendes Konzert in der ehemaligen Abtei St. Maximin.

Mit der Messe in f-Moll von Anton Bruckner, einem der Höhepunkte im Schaffen dieses Hochromantikers, hatte sich das Collegium Musicum viel vorgenommen. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Arbeit hat sich mehr als gelohnt. Alexander Mayer gelang es, den großen Chor, das vermutlich für diese Aufführung erweiterte Orchester und die Gesangssolisten zu Höchstleistungen anzuspornen. In den späten 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts machte Bruckner eine auf Überarbeitung und Depressionen zurückzuführende psychische Krise durch. Dennoch stürzte er sich in die Komposition der Messe und stellte abschließend fest, dass die Arbeit ihn "aus dem Sumpf des geistigen Niedergangs befreit" habe. Dass Bruckners geistige Kräfte von der psychischen Krise nicht beeinträchtigt waren, geht aus jedem Takt dieses grandiosen Werkes hervor. Wie seine großen Vorgänger Bach, Mozart und Beethoven bleibt Bruckner mit seiner Musik dicht am lateinischen Messtext. Freilich in der ihm eigenen Art, und selbstverständlich ganz ohne vordergründige Lautmalerei. Das äußert sich etwa dann, wenn die Textpassage "et unam sanctam ecclesiam" unisono gesetzt ist, oder wenn beim "Et resurrexit" ein Paukentremolo das Grollen des von der Auferstehung kündenden Erdbebens bildhaft in Töne setzt. Zuhörern liefen Schauer über die Rücken

Das für alle Ausführenden äußerst heikle Credo der Messe ließ hier und da bei Chor und Orchester Intonationsprobleme hörbar werden, aber gleichzeitig gelangen Alexander Mayer und seinem Collegium Musicum Passagen, die einem die sprichwörtlichen Schauer über den Rücken jagten. Und überhaupt gerieten dem Dirigenten die Dinge nie außer Kontrolle. Die Tempi stimmten durchweg, und die Klangbalance zwischen Chor, Orchester und Gesangssolisten war hervorragend. Künstlerisch einleuchtend und pädagogisch geschickt war der Einschub des zweiten Satzes aus Bruckners 2. Sinfonie nach dem Sanctus der Messe. Vor allem deshalb, weil sich ohne jede Pause das wunderbare Benedictus anschloss, aus dem der Komponist im Andante der Sinfonie zitiert. Für die vier erstklassigen Gesangssolisten ist die Bruckner-Messe eine undankbare Aufgabe, denn sie haben kaum Gelegenheit, wirklich zu brillieren. Umso mehr Lob gebührt Barbara Berens (Sopran), Rosemarie Bühler (Alt), Alejandro Ramirez (Tenor) und Hiroshi Matsui (Bass) dafür, dass sie sich so nahtlos in das überaus homogene Gesamtensemble einfügten. Angesichts der tagesaktuellen Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen mag mancher Zuhörer beim Dona nobis pacem des abschließenden Agnus Dei eine Gänsehaut gespürt haben. Der Satz, den Bruckner über seine 9. Sinfonie schrieb, darf getrost auch als Motto für die Messe in f-moll dienen: "Dem lieben Gott gewidmet."