Alles = nichts

Jeden Monat präsentiert TV-Redakteur Andreas Feichtner seine persönlichen Konzert-Empfehlungen. Einer seiner Oktober-Favoriten hört auf den eleganten Namen Gisbert zu Knyp hausen.

Trier. (AF) "Eigentlich alles." Das ist eine Antwort, zu der es passende Fragen gibt. Zum Beispiel, was man am RTL-Nachmittagsprogramm verachtet. Oder - eher theoretisch - was das Gegenteil von "uneigentlich nichts" ist. Oft hört man das aber auf eine halbwegs konkrete Frage. Welche Musik man am liebsten mag? "Eigentlich alles."

"Super, das höre ich auch!", hätte ich früher vielleicht gekontert. "Da mache ich dir ein feines Mixtape. Mit frühen B-Seiten von Roland Kaiser und ein bisschen Zwölftonmusik. Dazu Napalm Death, indischer Hardcore-Techno, die Goldberg-Variationen vom Soundchip meines Commodore C 64 und natürlich jede Menge Walgesang. Du wirst es lieben." Hätte ich zumindest dann gesagt, wenn ich cool und schlagfertig gewesen wäre. Stattdessen sagte ich: "Hm. Ich höre nur Marillion." Keiner weiß, wer dem anderen mehr leid tat.

Nun wäre es damals schon clever gewesen, über den Plattenteller-Rand zu lugen. Mittlerweile sind die Graben- und Genre-Kämpfe aber weitgehend verschwunden. Nicht nur, weil Kassetten, Schallplatten und CDs zu Nischenprodukten geworden sind und man bei "Myspace" inzwischen wohl auch Wale findet, die Roland Kaiser covern. Alles nur einen Klick entfernt: So gibt es heute durchaus treue Metallica-Fans, die vom Coldplay-Konzert ganz angetan sind (nebenbei: Das neue Metallica-Album "Death Magnetic" ist das mit Abstand beste und kompromissloseste, was die Kalifornier in den letzten knapp 20 Jahren veröffentlicht haben.) Und auch sonst fallen die Mauern zwischen den Genres: Schließlich kann fast jede Musikrichtung ihren Reiz haben. Live sowieso. Der Oktober ist dabei traditionell einer der besten Konzertmonate: Unbedingt anschauen sollte man sich die atmosphärischen schottischen Post-Rocker Mogwai (27. Oktober, Rockhal Esch, Achtung: schwere Kost!). Wer es traditionell-metallisch mag, kann heute bei Sacred Steel gut aufgehoben sein (Trier, Exhaus). Etwas besinnlicher verspricht die Rückkehr von Heather Nova nach Luxemburg zu werden (18. Oktober, Atelier). Ein echter Geheimtipp: Mit Gisbert zu Knyphausen (ja, der heißt so) gastiert die neue große Hoffnung der deutschen Songwriter-Szene in Trier (19. Oktober, Tufa). Jemand, der deutsche Texte singt, bei denen sich man zum Zuhören keine Sekunde schämen muss - und davon gibt es leider nicht allzu viele. Eine echte Wohltat! Legenden kommen auch: Der legendäre Schlagzeuger Carl Palmer spielt in Freudenburg Emerson, Lake & Palmer-Klassiker (12. Oktober). Queen (mit Ex-Free-Sänger Paul Rogers) spielt in der ausverkauften Rockhal (8. Oktober). Bass-Ikone Helmut Hattler gastiert zudem mit Band im Exhaus (16. Oktober).

ZUGABE

Mehr im Oktober: Trier: Exhaus: 4. 10. Kahle Mönche (mit Schauspieler Hans-Martin Stier, Support: membran) / Balkensaal: Turbostaat, 7. 10. Donots (Exil), Rue Royale/Cedarwell, 8. 10. The Casting Out / Turbonegra, 10. 10. Cartridge (Indie), 12. 10. It's not not, 22. 10. Neaera (Metal), 23. 10. Strom & Wasser, 24. 10. Finale Modern Music Award (MMA), 31. 10. "Metal-Massacre", Chat Noir: 2. 10. Jimmy Beat (60s), 3. 10. Steven Pitman (Elvis-Tribute), 16. 10. Agnes Milewski. Tufa: 24. 10. Rockgipfel. Messepark: Höhner (18.). Hermeskeil: 5. 10. Ed Stevens (Hochwaldh.), 11. 10. MMA-Halbfinale. Saarburg: 18. 10. 2. MMA-Halbfinale. Gerolstein: Klaus Lage (4.). Luxemburg: Atelier: Infadels (7.), Tricky (15.), Cyndi Lauper (21.), Blackmail (25.), Monster Magnet (28.), Patrice (31.). Rockhal: Girls in Hawaii (5.), Porcupine Tree (17.), Tarja (19.) (AF)