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Alltag mal anders

Prüm. Dora Heldt schreibt Geschichten, die sie selbst gerne lesen würde. Und trifft damit den Nerv vieler Gleichgesinnter. Knapp 500 Zuhörer amüsierten sich bei ihrer Lesung in Prüm im Rahmen des Eifel-Literatur-Festivals. Stefanie Glandien

Prüm. Wieder schlägt das Eifel-Literatur-Festival einen Rekord. "So viele Zuhörer hatte ich noch nie", sagt Dora Heldt mit Blick auf die volle Kulisse in der Aula der ehemaligen Hauptschule in Prüm. Mit ihren Familienromanen "Tante Inge haut ab" oder "Urlaub mit Papa" hat sie sich in die Herzen der Leser geschrieben und ist durch die Verfilmung einem Millionenpublikum bekannt.
In Prüm gibt sie sich unprätentiös. Ihr Besuch ist zugleich ein Beinahe-Wiedersehen mit der alten Heimat. Da ihr Vater als Berufssoldat oft den Standort wechseln musste, lebte sie von 1979 bis 1984 in Bad Neuenahr/Ahrweiler. Und so verwundert es kaum, dass sich im Publikum alte Schulfreundinnen befinden und sofort erkannt werden. "Hallo Renate, Hallo Luzia", ruft Dora Heldt fröhlich.
"Dora Heldt weiß, was Leser wünschen", sagt Festivalorganisator Josef Zierden. Schließlich war sie selbst Buchhändlerin und arbeitet noch heute unter ihrem realen Namen Bärbel Schmidt als dtv-Verlagsvertreterin. Und da es an guter Literatur für die Frau zwischen 40 und 50 Jahren mangelte, hat sie sich hingesetzt und angefangen zu schreiben.
Das tut sie mit eiserner Disziplin. "Die Seiten 214 bis 219 meines neuen Buchs sind im Hotel in Prüm entstanden", sagt sie.
In ihrem jüngsten Buch "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt" geht es um Doris, die in den Wechseljahren steckt und partout nicht im großen Kreis ihren 50. Geburtstag feiern möchte. Ein Thema, das Männer normalerweise nicht hinter dem Ofen hervorlockt, denkt man. Doch an diesem Abend sind tatsächlich mehrere zu sehen. "Normalerweise habe ich auf 100 Frauen zwei Männer im Publikum sitzen", sagt Dora Heldt. Diesmal mittendrin: Hans Nicolaysen, ältester Freund ihres Vaters, der sich zugleich als Fan outet: "Ich habe alle deine Bücher gelesen, bin ich jetzt kein Mann mehr?" Gelächter im Publikum. Und Dora Heldt antwortet: "Du musstest es ja tun." Wer weiß, vielleicht haben Männer ja einfach auch Spaß an ihren lustigen Geschichten aus dem Leben.