Als der 80-jährige Udo Jürgens die Arena verzückte

Vor fünf Jahren gestorben : Als der 80-jährige Udo Jürgens die Arena verzückte

Vor etwas mehr als fünf Jahren starb Udo Jürgens. Am 30. September wäre er 85 Jahre alt geworden. Wenige Wochen vor seinem Tod trat er zum letzten Mal in Trier auf. Am Samstag gibt es eine Hommage in der Tufa.

Es ist der 11. November 2014. In der Arena Trier lauschen 4500 Zuschauer einem 80-Jährigen. Und der begeistert. Vor allem seine Energie und seine phänomenale Stimme überzeugen die Menge. Mit seinen größten Hits, darunter natürlich Klassiker wie „Griechischer Wein“ und „Aber bitte mit Sahne“, machte er sich schon viele Jahre zuvor unsterblich. Auch der Name seiner Tour „Mitten im Leben“ zeigt, dass dieser Mann noch viel vorhat. Wie könnte es auch anders sein, fängt dieses doch „erst mit 66 Jahren an“. Viele Male ist er in Trier aufgetreten. Doch dieses Konzert in der ausverkauften Arena wird sein letztes in Trier sein.

Etwas mehr als einen Monat später ist der im November noch so energiegeladene Udo Jürgens tot. Am 21. Dezember 2014 bricht er während eines Spaziergangs in Gottlieben im Kanton Thurgau in der Schweiz zusammen. Genau zwei Wochen vor seinem plötzlichen Tod steht Jürgens im Hallenstadion in Zürich bei seinem letzten Konzert auf der Bühne. Das Album „Mitten im Leben“ beschert ihm einen letzten großen Erfolg und schnellt nach seinem Ableben in den Charts nach oben. In Österreich, seinem Geburtsland, steht es noch im April 2015 an Platz eins.

Es hätte diesen Erfolg nicht gebraucht. Denn kaum ein Künstler hat ein solches Lebenswerk hinterlassen wie der österreichische Chansonnier. Über 1000 Titel hat er geschrieben, genau 50 Studioalben veröffentlicht. Dazu kommen 21 Livealben und 65 Kompilationen. 169 seiner Songs sind als Single erschienen. Mehr als 100 Millionen Tonträger hat er verkauft – mehr als Deutschland, die Schweiz und Österreich zusammen Einwohner haben. Doch es bleibt mehr von Udo Jürgens als seine musikalischen Meisterwerke.

Es sind auch die Geschichten, die die Menschen von ihm erzählen. „Eine schreckliche Nachricht: Mein Freund Udo Jürgens ist tot – ich bin erschüttert und tieftraurig“, twitterte etwa Franz Beckenbauer nach dem Jürgens-Tod. „Ein großartiger Typ, eine Legende und dabei ein offener, charmanter und großzügiger Mensch – so habe ich ihn kennengelernt. Nun fehlt er“, schrieb Schauspieler Jan-Josef Liefers.

Fünf Jahre danach macht Jürgens seinen Fans ein Geschenk. Im Ende August erschienenen Buch „Spiel des Lebens“ erzählt er Geschichten, die ihn näher erscheinen lassen, als je zuvor. Er nimmt die Anhänger mit in sein mittlerweile vergangenes Leben. Die Geschichten sind – wie sein Bestseller „Der Mann mit dem Fagott“ – mit seiner Lebensgefährtin Michaela Moritz zusammen entstanden. In den sechs Erzählungen auf 224 Seiten berichtet er, welche Gefühle und Sehnsüchte ihn bewegten.

Der Leser erfährt Persönliches und fühlt sich an der Seite des Künstlers, wenn etwa von einer Wiederbegegnung mit einem erfolgreichen Maler oder einem Kellner in der Paris Bar in Berlin reüssiert. Es geht bei dem Werk nicht um hochwertige Literatur oder große Spannung. Es ist leichter Lesestoff, der aber vor allem Fans Freude und Erinnerungen bereitet.

Mehr als ein Fan ist Ferry Seidl. Der gelernte Opernsänger hat sich seit Jürgens’ Tod auf die Fahne geschrieben, sein Andenken zu bewahren. Ab 1981 trat er am Trierer Theater auf und feierte etwa mit „My Fair Lady“ einen Riesenerfolg. Und dann starb Jürgens. Seidl schlüpfte in seine Rolle und veranstaltete Konzerte, in denen er die bekanntesten der 1000 Songs darbot.

Bis heute hat er drei Konzerte in der Trierer Tufa gespielt. Alle waren ausverkauft – Jürgens hat auch in der Region viele Fans. Dabei begleitet er sich selbst am Flügel. Am Samstag, 14. September, ist es wieder so weit. Dann wird Seidl zu Jürgens und der kleine Saal der Tufa zum Züricher Hallenstadion.

Tickets: 11/14 Euro (Vorverkauf bei Ticket Regional) und für 12/14 Euro (Abendkasse).

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