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Als die Post noch mit dem Zug kam

Viel los auf dem Bahn-Betriebsgelände in Losheim am See: An diesem Wochenende wird dort das traditionelle Bahnpost- und Dampflokfest gefeiert. Foto: Archiv/privat
Viel los auf dem Bahn-Betriebsgelände in Losheim am See: An diesem Wochenende wird dort das traditionelle Bahnpost- und Dampflokfest gefeiert. Foto: Archiv/privat
Losheim. In den 90er Jahren hat sich die Deutsche Post vom Brieftransport auf der Schiene in eigenen Bahnpostwagen verabschiedet. In Losheim am See wird an diese Tradition erinnert - mit Hilfe einzigartiger Exponate und dem jährlichen Bahnpost- und Dampflokfest, das an diesem Wochenende über die Bühne geht.

Losheim. Um Briefe und Pakete so schnell wie möglich ans Ziel zu bringen, nutzte die Post fast 150 Jahre lang die Eisenbahn. In eigenen Bahnpostwagen, die gegen "Achskilometergeld" oder Trassenentgelt" auf dem Schienennetz verkehrten, wurden nicht nur Sendungen transportiert, sondern sogar während der Fahrt sortiert. Die "Bahnpostfahrer", allesamt Männer, leisteten in beengten, nicht immer komfortablen Verhältnissen, stehend und unter ständigem Zeitdruck eine harte Arbeit. Sie waren oft mehrere Tage von zu Hause fort.Durch Zulagen verdienten diese in Glanzzeiten der Bahnpost Mitte der 1950er Jahre etwa 8000 Fahrer (vom Beamten bis zur studentischen Aushilfe) mehr als ihre "stationären" Kollegen. "Die Kameradschaft unter den Bahnpostlern war besonders groß, die Teamarbeit schweißte sie zusammen", kann Ralf Heinz berichten. Der 47-Jährige, der selbst seit gut 30 Jahren in Diensten der Post ist (als Disponent in Trier), wurde vom Vater, einem leidenschaftlichen Bahnpostler, schon als Kind für die Post auf Schienen begeistert. Heinz ist Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Bahnpost, einem Verein mit 200 Mitgliedern in aller Welt, der 1973 gegründet wurde. Viele aktive Mitglieder stammen aus der Region, so wie der ehemalige Eisenbahner im Signaldienst Hans-Josef Kirsch aus Trier, dessen Hobby die Philatelie (Briefmarkenkunde) ist. Die 1997 - im Saarland bereits 1991 - zu Ende gegangene Geschichte der Bahnpost wird vom Verein erforscht und dokumentiert. Die Herkules-Aufgabe reicht vom Zusammentragen Tausender Bahnpoststempel über den Erhalt technischer Zeichnungen bis hin zur Pflege zweier bundesweit einmaliger Bahnpostwagen aus den Jahren 1957 und 1968. Das Bahnpostmuseum hatte sie 1997 von der Post erwerben können und hegt sie in Losheim, auf dem Gelände der Museumseisenbahn MECL. Die beiden Bahnpostwagen sind mit allen Postgegenständen und Utensilien der ehemaligen Bahnpost eingerichtet und original erhalten. Die Exponate sind vom Stempel über die Verteilspinde bis hin zu den Dienstanweisungstafeln authentisch.Der Besucher glaubt, er betrete eine Behördenstube auf Schienen, die nur kurz für eine Pause verlassen wurde. Früher war es übrigens für Außenstehende streng verboten, solche Wagen zu betreten, allein schon wegen der mitgeführten Wertsendungen und dem - noch heute bestehenden - Brief- und Postgeheimnis.Mit dem Bau moderner Briefzentren kam für die Bahnpost im Saarland 1991 das Aus. Leidenschaftliche Bahnpostler haben jedoch zwei alte Waggons gerettet und zeigen sie im Bahnpostmuseum in Losheim. wpExtra

Am Wochenende, 2. und 3. August, wird in Losheim das Bahnpost- und Dampflokfest des Museums-Eisenbahn-Club-Losheim und des Bahnpostmuseums gefeiert. Dazu gibt es einen Sonderstempel der Post zur Wiederinbetriebnahme der Dampflok 34, eine Attraktion für Briefmarkenkundler und Sammler anderer Postwertzeichen. wp bahnpostmuseum.eu museumsbahnlosheim.de