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Als Joseph Beuys die Fäuste schwang

Joseph Beuys in der Eifel – als Fotografie in der Schüllerer Werkstatt der Galerie Holtmann vor ein paar Jahren. Die Betrachter (von links): Artcollegium-Mitglied Dieter Klaus sowie Stefan und Marion Barth. TV-Foto: Archiv/Fritz-Peter Linden
Joseph Beuys in der Eifel – als Fotografie in der Schüllerer Werkstatt der Galerie Holtmann vor ein paar Jahren. Die Betrachter (von links): Artcollegium-Mitglied Dieter Klaus sowie Stefan und Marion Barth. TV-Foto: Archiv/Fritz-Peter Linden
Kerpen/Hillesheim. Die kunstsinnigen Herren vom Eifeler Artcollegium (der TV berichtete) überraschen mit einer außergewöhnlichen Ausstellung. Im Mittelpunkt: Joseph Beuys. Dieser nämlich war ein guter Bekannter des Art-Collegen Hans Karl Mies. Von Samstag, 1. Mai an, sind die Exponate im Kleinen Landcafé Kerpen zu sehen. Von unserem Reporter Fritz-Peter Linden

Joseph Beuys - ein Neuerer in der Kunst, tief verehrt, aber auch umstritten und missverstanden. Häufiges Urteil des Publikums: "Kann nicht malen." Was er ganz gewiss nicht konnte, war: singen - was er in den 80ern in dem schlimmen Friedensliedchen "Wir wollen Sonne statt Reagan" eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Der 1986 in Düsseldorf 64-jährig gestorbene Beuys - Bildhauer, Zeichner, Aktionskünstler und vieles mehr - schenkte der nicht immer dafür empfänglichen Welt den "erweiterten Kunstbegriff", die "soziale Plastik" und sagte Sätze wie: "Schönheit ist der Glanz des Wahren."

Diesen Glanz des Wahren erkannte zum Beispiel der Hausmeister der Kunstakademie Düsseldorf 1986 nicht, als er einen von Beuys mit einer Fettecke versehenen Stuhl bemerkte. Der Mann reinigte das Möbel - und ein Kunstwerk war vernichtet.

Was Beuys so alles als Kunst verstand, davon kann man von Samstag an bis zum 4. Juni einen sehr interessanten Ausschnitt sehen - bei der Ausstellung "Beuys boxt", ausgerichtet vom Artcollegium zum zehnjährigen Bestehen des Kleinen Landcafés in Kerpen. Zum Beispiel den titelgebenden "Boxkampf für die direkte Demokratie durch Volksabstimmung".

Als Beuys 1972 während der Kasseler Documenta zu diesem Duell mit einem ehemaligen Schüler antrat (und nach Punkten siegte), saß einer mit am Ring: Hans Karl Mies, Hillesheimer Mitglied des Artcollegiums, selbst Künstler und damals noch Lehrer in Köln. Mies hatte seine Super-8-Kamera dabei und filmte die Aktion. In Kerpen wird der Kurzfilm erstmals öffentlich gezeigt.

"Der Beuys", sagt Mies, "war schon einer von den ganz Großen." Und er war ein guter Bekannter von Hans Karl Mies. Der lernte ihn vor mehr als 40 Jahren kennen und begeisterte sich für dessen Arbeiten: "Ich dachte damals: Mein Gott, ist der Mann gut", sagt Mies.

Früh erwarb er Werke von Beuys und zeigte diesem wiederum eigene Bilder. Darunter auch Fotos des Künstlers, die Mies aufgenommen hatte. Das Ergebnis: Beuys signierte diese und andere Mies-Arbeiten und erkannte sie damit praktisch auch als Beuys-Kunst an - angesichts heutiger Urheber-Diskussionen ein interessanter Vorgang. Drei gemeinsame Werke sind in Kerpen ebenfalls zu sehen. Die weiteren Exponate sind - in unterschiedlicher Auflage hergestellte - kleinere Arbeiten, sogenannte Beuys-Multiples.

Kaufen kann man auch etwas: Zur Ausstellung gibt das Artcollegium eine Sequenz mit Fotos eines debattierenden Joseph Beuys auf der Documenta 1982 heraus - in limitierter Auflage. Die Bilder, aufgenommen von Hans Karl Mies, wurden damals von Beuys signiert.

Die Ausstellung dauert von Samstag, 1. Mai, bis Freitag, 4. Juni. Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, Sonn- und Feiertage 12 bis 18 Uhr; Freitag und Samstag 12 bis 22 Uhr.

Hans Karl Mies, Beuys' Weggefährte und Mitglied des Artcollegiums. TV-Foto: Archiv/Brigitte Bettscheider
Hans Karl Mies, Beuys' Weggefährte und Mitglied des Artcollegiums. TV-Foto: Archiv/Brigitte Bettscheider