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Am Theater Trier brodelt es weiter - Lösung im Streit um Generalmusikdirektor bislang nicht in Sicht

Am Theater Trier brodelt es weiter - Lösung im Streit um Generalmusikdirektor bislang nicht in Sicht

Echte Bewegung gibt es noch keine in der Diskussion um den Trierer Generalmusikdirektor (GMD) und den neuen Posten des Chefdirigenten. Die Fronten scheinen sich zu lockern, der Weg zu einer Lösung dürfte aber noch weit sein. Nach Schreiben des Orchesters und von Trierer Kirchenmusikern, die sich für eine Weiterbeschäftigung von GMD Victor Puhl einsetzen, kündigt Intendant Karl Sibelius nun selbst einen offenen Brief an.

Trier. In der Diskussion um die neue Theaterstruktur und die Stellung von Generalmusikdirektor (GMD) Victor Puhl ist eine echte Lösung nach wie vor nicht in Sicht - trotz einiger Anstöße, um die Situation zu bereinigen. Im Juli hatte sich das Orchester mit einem Brief an die Öffentlichkeit gewandt und sich einstimmig für die Weiterbeschäftigung von Puhl in der Funktion eines Generalmusikdirektors ausgesprochen.
Statt mit einem Gesprächsangebot zu reagieren, setzte das Kulturdezernat mit der Stellenausschreibung für einen Chefdirigenten unverzüglich Fakten. Hinter die kann die Stadt wahrscheinlich nicht mehr zurück, was die Situation einigermaßen kompliziert macht.
Auf die Bewerbung von Victor Puhl, die dieser mit der Erwartung verband, dass seine GMD-Kompetenzen in der neuen Position nicht beschnitten würden, reagierten Kulturdezernent Egger und Intendant Sibelius gleichfalls eindeutig. Unisono betonten sie, an der geplanten neuen Struktur werde nicht gerüttelt. Der Chefdirigent - egal welche Person - sei nur einer von vier Spartenleitern unter der Gesamtverantwortung des Intendanten. Ein weiterer offener Brief vom 25. September, diesmal verfasst von Trierer Organisten und Kirchenmusikern, blieb vorläufig ohne städtische Reaktion. Auch die Kirchenmusiker hatten entschieden für Puhl plädiert: "Herr Puhl hat in den vergangenen Jahren mehr als genug bewiesen, dass er in seinem Amt nicht nur hochkompetent und innovativ arbeitet, sondern auch kooperativ und teamfähig ist."
Aus Stadt und Theater verlautet nun höchst inoffiziell, dass die von Puhl erwartete Sicherung seiner Kompetenzen in der neuen Position nicht so chancenlos ist, wie die offiziellen Verlautbarungen verkünden. Detaillierte Informationen liegen nicht vor. Warum man dann allerdings die Stellenausschreibung vornahm und sich nun der Gefahr einer Konkurrentenklage durch abgewiesene Bewerber aussetzt, bleibt das Geheimnis des Kulturdezernenten. Intendant Sibelius erklärte jedenfalls gegenüber dem TV, dass auch andere Bewerber eine Chance erhalten müssten und schloss Probedirigate nicht aus. "Eine Pseudo-Ausschreibung mache ich nicht mit." Der stellvertretende Intendant Tobias Scharfenberger erklärte dazu, der GMD sei auch jetzt nicht mit dem Intendanten gleichgestellt und durch die neue Struktur werde sich an seinen Kompetenzen nichts ändern. Auf die Frage, warum man dann überhaupt eine neue Struktur etablieren wolle, verwies Scharfenberger an das Kulturdezernat.Schweigen bei der Stadt


Dort hüllt man sich in beredtes Schweigen. Eine Anfrage des TV bei Dezernent Thomas Egger zur Reaktion auf den Brief der Trierer Kirchenmusiker wurde schon im Vorzimmer mit dem Verweis auf das städtische Presseamt abgeblockt. Dort seien Fragen schriftlich einzureichen - ein im Verhältnis von Stadtverwaltung und TV eher unübliches Verfahren. Immerhin heißt es aus dem Theater, dass am Donnerstag ein Gespräch mit dem Orchestervorstand vorgesehen sei. Der allerdings wusste am Mittwochvormittag noch nichts von seinem Glück. Unter den Musikern besteht nach wie vor die nicht unbegründete Befürchtung, dass der Klangkörper zum Theaterorchester degradiert und dann auf lange Sicht reduziert oder aufgelöst werden könnte. Verstreute und beiläufige Hinweise auf den angeblich zu hohen Sieben-Millionen-Etat des Orchesters sind dabei nicht gerade angetan zur Beruhigung.
Zu Ende ist die Affäre um Theater, Orchester und GMD sicherlich nicht. Für Donnerstag hat Intendant Karl Sibelius seinerseits einen offenen Brief angekündigt. Dann geht die Angelegenheit vermutlich in eine neue Runde.Meinung

Kulturpolitik durch die Hintertür
Alles paletti im Orchester? Wer das tatsächlich glaubt, kennt die Fernwirkung von Strukturen nicht. Das Trierer Orchester war nie, sogar in den Jahren der Reduzierung 1968 bis 1979, ein Theaterorchester, sondern ein Orchester der Stadt Trier. Und auch wenn zurzeit vordergründig alles beim Alten bleiben sollte - die Einordnung als Orchester eines Theaters, in dem alle Fäden beim Generalintendanten zusammenlaufen und vielleicht bei einem Verwaltungsrat, dessen Zusammensetzung noch gar nicht feststeht - diese Einordnung etabliert ganz neue Organisations- und Machtstrukturen. Die würden eine Reduzierung oder gar Auflösung des Klangkörpers deutlich einfacher machen. Und zwar sogar dann, wenn heute keiner der Verantwortlichen das überhaupt ins Kalkül zieht. Das Orchester ist keine heilige Kuh. Aber wem dieser Klangkörper mit einem Etat von rund sieben Millionen Euro zu teuer ist und wer ihn darum reduzieren oder abschaffen will, der soll das offen sagen und es offen zur Diskussion stellen. Und wer zum Orchester in seiner heutigen Form steht, der sollte sich für Strukturen einsetzen, die den Klangkörper langfristig sichern. Kulturpolitik durch die Hintertür jedenfalls gehört ins autoritäre 19. Jahrhundert. nachrichten.red@volksfreund.deExtra

Im Theater Trier und in zahlreichen Theatern der Republik gibt es eine gute Regel: Die Hauptverantwortlichen müssen bis zu einem gewissen Grad autonom und dabei gleichgestellt sein. Gleichgestellt bedeutet allerdings nicht: gleich. Die Dienstordnung für das Trierer Theater räumt dem Intendanten die Kompetenzen für Oper, Schauspiel, Tanz und Dramaturgie ein. Der Generalmusikdirektor ist zuständig für Orchester und Konzerte. In Spielplan- und Besetzungsfragen sollen sich beide absprechen, im Streitfall entscheidet der Kulturdezernent. Der Intendant hat damit ein deutlich größeres Gewicht in seinem Haus. Arbeitsrechtlich und dienstrechtlich dagegen sind beide Führungspersonen gleichgestellt. Sie werden von der Stadt eingestellt und sind der Stadt verantwortlich. Vertragsverlängerungen oder auch Nichtverlängerungen sind bei beiden ausschließlich Sache der Stadt. Würden in der zur Gründung anstehenden Theater AöR (Anstalt öffentlichen Rechts) sowohl Intendant als auch Chefdirigent bei ihrer Einstellung, Verlängerung, Entlassung und in Streitfällen einem Verwaltungsrat unterstehen und im Übrigen in jeweils eigenen Bereichen autonom arbeiten, dann wäre deren arbeits- und dienstrechtliche Gleichstellung realisiert. Vielleicht zeichnet sich auf diesem Weg eine Lösung des Trierer GMD-Problems ab. mö