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Trier/Nattenheim
Das Labyrinth, das kein Irrweg ist

Der Eifeler Musiker Thomas Konder setzt auf seinem Debüt-Album "Labyrinth" auf symphonischen Prog-Rock.
Der Eifeler Musiker Thomas Konder setzt auf seinem Debüt-Album "Labyrinth" auf symphonischen Prog-Rock. FOTO: Thomas Konder / unbekannt
Trier/Nattenheim. Ambitioniertes Projekt: Warum der Eifeler Rockmusiker Thomas Konder wegen seines Albums „Labyrinth“ Anfragen aus der ganzen Welt erhält.
Andreas Feichtner

Hinter dem Schlagzeug lässt es sich ziemlich gut verstecken, besser als anderswo auf der Bühne jedenfalls. Hinter Becken, Ständern, Toms. Diese Perspektive kennt Thomas Konder bestens: Als Schlagzeuger hat sich der Eifeler in der Region einen Namen gemacht. Vor einem Vierteljahrhundert war er Mitbegründer der hochgelobten Queen-Hommage Innuendo – lange vor dem Tribute-Band-Boom, der die Stadtfest-Bühnen seit einigen Jahren fest im Griff hat.

Aber es geht hier nicht um Queen, nicht ums Verstecken und nur bedingt ums Trommeln. Es geht um Labyrinthe und Lebenswege, um lange Songs und kurzes Innehalten. Um den großen, feinen Egotrip aus dem Alltag: Fast drei Jahre lang hat Thomas Konder an seinem Albumdebüt gearbeitet. Kürzlich ist „Labyrinth“ beim französischen Plattenlabel Musea erschienen. Es wurde seitdem weltweit in vielen (Internet-)Magazinen besprochen – in der Bandbreite von sehr wohlwollend bis regelrecht euphorisch.

Dennoch ist Konder eher überrascht, dass der TV-Reporter mit ihm über sein Konzeptalbum sprechen will – und das ganz sicher nicht, weil der das regionale Glöckchen läuten hört (obwohl, ein bisschen schon: das Intro beginnt mit Vogelgezwitscher und der Nattenheimer Kirchenglocke).

Denn das, was Konder mithilfe von einigen befreundeten Musikern in drei Jahren auf 60 Minuten verdichtet hat, ist eher nichts fürs Format-Radio. „Ich mache mir da nichts vor“, sagt er. „Prog-Rock ist zwar weltweit vertreten und hat eine riesige Fangemeinde. Aber das sind Hidden Champions, das ist weit weg vom Mainstream.“ Klar gebe es auch in der Region Leute wie ihn. Leute, die mit dem Progressive-Rock der 70er musikalisch sozialisiert wurden. Mit den frühen „Genesis“, als Peter Gabriel noch sang und Phil Collins trommelte. Mit Yes oder Camel, teilweise auch Supertramp. King Crimson und Pink Floyd. Bands, die auf komplexe Songstrukturen setzen und die sich auch inhaltlich die Banalitäten des Pop-Alltags vom Hals halten wollen. Mit Geschichten, die sie nicht in dreieinhalb Minuten zu Ende erzählen wollen.

„Es war ein lange gehegter Wunsch von mir, ein eigenes Album anzugehen – und vom beschützenden Schlagzeug nach vorne zu treten. Ich wollte meine Grenzen austesten“, sagt Konder, der im Hauptjob im Marketingbereich arbeitet. Vom Background- zum Hauptsänger, von der zweiten Geige zum Multi-Instrumentalisten, wenn man so will: Songwriter, Sänger, Schlagzeuger, Keyboarder.

Aber er ist einer, der sich auch gerne helfen lässt – etwa wenn es am Klavier oder an der Gitarre richtig virtuos werden soll: Dann ist am Klavier Tobi Schmitz der richtige Mann. Mit dem Von-Brücken-Keyboarder teilt Konder die Prog-Leidenschaft („Wir liegen auf der gleichen Wellenlänge“). Und auch Gitarrist Frank Rohles, sein früherer Innuendo-Bandkollege, spielt auf dem Album mit. Konder begnügt sich auch nicht mit dem üblichen Rock-Instrumentarium – auch für  Saxofon-, Horn- und Geigenparts hatte er Unterstützung von befreundeten Musikern.

Bei den Texten arbeitete Konder mit dem Engländer Peter Crussell zusammen – der Kontakt kam über das Internet zustande. Das Labyrinth-Konzept aber ist vom Eifeler. „Es geht darum, dich nicht von Stimmen verwirren zu lassen, die dich in eine Richtung lenken wollen und darum, dass dein Weg nicht in eine Sackgasse mündet.“ Den Blick nach vorne, die Vergangenheit dabei nicht vergessen. „Mit 48 kann man auch mal einen bewertenden Blick zurück werfen: Manches hätte ich vielleicht besser anders gemacht. Aber vieles war einfach wichtig, um als Mensch zu reifen.“

Die Prog-Szene ist nicht riesig, aber gut vernetzt: Auch der Deal mit dem Plattenlabel aus Metz kam übers Internet zustande. „Ich habe Musea angeschrieben. Die sind auch gleich angesprungen, weil sie immer auf der Suche nach Nachwuchstalenten sind“, sagt er und lacht: „Wenn ich mich denn mit 48 Jahren als Nachwuchstalent bezeichnen darf.“ Die Antwort kam prompt: Ja, das passt! „Früher hätte man das Plattendeal genannt. Heute ist aber eher nur ein Vertriebsauftrag.“ Die Zusammenarbeit macht es möglich, dass Konders CD weltweit erhältlich ist: „Für mich war das ein unwirkliches Gefühl, die ersten Bestellungen aus Russland oder Japan zu erhalten.“ Von mehreren Webradios, die sich auf das Genre spezialisiert haben, wurde „Labyrinth“ bereits als „Album der Woche“ gekürt. Von Streamingdiensten ist finanziell dagegen nichts zu erwarten – auch wenn „Labyrinth“ dort vertreten ist. Und weil bisher nicht geplant ist, das Konzeptalbum live aufzuführen, bleibt dem in Nattenheim lebenden Musiker nur die Einnahmen durch den CD-Verkauf.

Bewerben will er sein Album auf dem wohl größten Prog-Rock-Festival Europas – und das ist gar nicht so weit von der Region Trier entfernt: Vom 13. bis 15. Juli steht auf der Freilichtbühne Loreley wieder das „Night of the Prog“-Festival an, unter anderem mit Bands wie Camel, Big Big Train und Riverside. Da sind die Prog-Fans ausnahmsweise mal nicht die kleine, feine Minderheit.