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An der Spitze, aber auf dem Teppich

An der Spitze, aber auf dem Teppich

Donna Leon schreibt Krimis, Dora Heldt Familienromane. Regelmäßig stürmen die beiden Autorinnen die Bestsellerlisten. So unterschiedlich ihre Bücher auch sind, gibt es doch einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Schriftstellerinnen.

Haben Donna Leon und Dora Heldt etwas gemeinsam? Ja. Und sie teilen nicht nur den Erfolg. Donna Leon wurde 1942 in New Jersey geboren. Sie verließ Amerika, um in Italien weiterzustudieren. Später arbeitete sie als Reiseleiterin in Rom, Werbetexterin in London und als Lehrerin in amerikanischen Schulen in der Schweiz, Saudi-Arabien, im Iran und in China. Erst im Alter von 50 Jahren begann sie Romane zu schreiben.

Auch Dora Heldt ist eine spätberufene Autorin. Heldt, die eigentlich Bärbel Schmidt heißt, ist bis heute Verlagsvertreterin. Mit 44 Jahren schreibt sie ihren ersten Roman, weil sie, wenn sie nicht für den dtv-Verlag über die Lande zieht, an ihren freien Tagen nicht ausgelastet war.

Beide Autorinnen leben in Städten am Wasser. Donna Leon hat in Venedig ihre neue Heimat gefunden. Seit 1981 lebt sie dort, lehrt an einer Außenstelle der Universität Maryland Englische Literatur und schreibt regelmäßig jedes Jahr einen Kriminalroman. In der Hauptrolle: der Venezianer Commissario Guido Brunetti.

Dora Heldt lebt in Hamburg, ist aber auf Sylt geboren. Noch heute ist das ihr liebster Ort, und in der Gartenlaube ihrer Eltern ist so manches Manuskript entstanden. Kein Wunder, dass auch ihre Romane in Norddeutschland, auf Sylt, Norderney - also vor allem am Wasser spielen.

Und noch etwas verbindet die zwei Frauen. Ihr Hang zur Serie. Donna Leon hat 2011 den neunzehnten Brunetti- Krimi geschrieben, und im Mai wird der zwanzigste erscheinen. Darauf können sich ihre Leser verlassen: In regelmäßigen Abständen ermittelt der melancholische Polizist, der gerne die gute Küche seiner Frau Paola genießt und seine Fälle am Ende immer aufklärt. Die Ideen dazu zieht die Autorin aus der Zeitung. Ob Umweltskandal, Bestechung, Rauschgift oder Sextourismus - die besten Geschichten schreibt das wahre Leben.

Geschichten aus dem Leben

Bei Dora Heldt wechseln die Themen, doch die Figuren sind dieselben. Was sie mache, sei ein bisschen wie "Hanni und Nanni" für Erwachsene, sagt sie in einem Interview der Tageszeitung Die Welt. Als Kind habe sie schon wahnsinnig gern Romanfortsetzungen gelesen, erzählt sie. Und die Geschichten sind auch bei ihr wie aus dem Leben gegriffen.

Und so unterschiedlich die Bücher der beiden Autorinnen sind: Beide stürmen regelmäßig die Bestsellerlisten. Die Romane von Donna Leon werden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Interessanter Aspekt: Eine italienische Übersetzung der Brunetti-Serie gibt es nicht, weil die Autorin in ihrer Wahlheimat unbehelligt bleiben will.

Dafür hat sie in Deutschland einen hohen Bekanntheitsgrad. So gibt es unter dem Titel "Donna Leon" eine deutsche Fernsehreihe der Brunetti-Romane für die ARD. Und beim Eifel- Literatur-Festival war sie, zusammen mit Anselm Grün, Spitzenreiter im Vorverkauf. Ihre Lesung war innerhalb weniger Wochen ausverkauft.

Auch Dora Heldt, immerhin eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen, nimmt ihren schriftstellerischen Erfolg gelassen.

Sie habe doch nur ein paar Bücher geschrieben, winkt sie ab, und berühmt wolle sie auch nicht werden. Und da Dora Heldt es jetzt doch geworden ist, kommt es Bärbel Schmidt wahrscheinlich ganz gelegen, dass sie damals unter dem Namen ihrer Großmutter angefangen hat zu schreiben.