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Anders als beim Fußballverein

Anders als beim Fußballverein

Isabel Hoffmann und Julian Dockendorf haben sich den 1. Preis im Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" erspielt (der TV berichtete). Für diesen Erfolg reicht Begabung alleine nicht aus. Es muss enormer Einsatz dazukommen. Und das nicht nur bei den jungen Leuten, sondern auch bei Lehrerinnen und Eltern.

Bitburg/Schwirzheim. Die Fülle der Auszeichnungen und der vielfältigen Aktivitäten ist erstaunlich. Da bringen zwei 16-Jährige enormes Können und Energie auf, um in Klavier und Saxofon ganz vorne dabei zu sein. Saxofonistin Isabel Hoffmann erhielt schon vergangenes Jahr beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" einen 2. Preis. Und ihr Klavierpartner Julian Dockendorf war bereits mehrfach 1. Bundespreisträger. Mehr noch: Julian war Preisträger des Bitburger Klavierwettbewerbs, des Pianisten-Nachwuchswettbewerbs in Trier und des Klavierduo-Wettbewerbs in Bad Herrenalb. Isabel ist unter anderem im Landesjugendblasorchester aktiv und hat an zahlreichen Projekten teilgenommen. Und als sei all das noch nicht genug, haben sie ihre Ausbildung in Meisterkursen vertieft und sind überdies Stipendiaten der Bitburger Dr.-Hanns-Simon-Stiftung.
Im Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", der Pfingsten in Kassel stattfand, haben beide die Liste ihrer Auszeichnungen um einen wichtigen Punkt erweitert. In der Wertung für Holzblasinstrumente und Klavier erzielten sie unter 122 Teilnehmern einen 1. Preis und mit 24 Punkten beinahe die Höchstwertung (der TV berichtete).
Dabei ist schon der Zugang zum Bundeswettbewerb alles andere als einfach. Wer dort zugelassen wird, muss zunächst im Regional- und dann im Landeswettbewerb erfolgreich sein. Zum Bundeswettbewerb fahren nur die Besten. Wenn die sich dann noch einen 1. Preis erspielen, dann gehören sie zur jungen Musikerelite der Republik.
Isabel und Julian haben es geschafft. Die jungen Leute und ihre Betreuerinnen Gabriele Remer und Monika Leufgen haben mit einer intensiven Vorbereitung den Grundstein gelegt zu diesem Erfolg. "Ein Glücksgriff" seien die Lehrkräfte, sagt Julians Mutter Susanne Dockendorf. Denn die Kompositionen von Ida Gotkovsky (*1933) und Jean Francaix (1912-1997) fordern nicht nur technische Perfektion und Rhythmusgefühl, sondern auch echte Harmonie im Miteinander-Musizieren.
Striktes Zeitmanagement


Musizieren auf diesem Niveau ist nicht einfach - gewiss nicht für die beiden Lehrerinnen, die ihre ganze, große pädagogische Erfahrung einbringen. Selbstverständlich müssen die Eltern ganz entschieden die musikalische Aktivität ihrer Kinder fördern und immer wieder ansehnliche Summen abzweigen - für die Ausbildung, aber auch für scheinbar nebensächliche Dinge wie die Hotelübernachtung am Wettbewerbsort. "Es ist eben anders als beim Fußball, wo man seinen Vereinsbeitrag zahlt und damit ist es gut", sagt Isabels Vater Eckhard Hoffmann.
Vor allem aber sind die jungen Instrumentalisten selber gefordert. Die musikalische Aktivität der beiden Gymnasiasten lässt sich nur aufrechterhalten durch ein striktes Zeitmanagement. Zum Glück sind beide gute Schüler und lernen leicht und schnell.
Isabel und Julian haben es sehr früh weit gebracht. Ist für sie der Musikerberuf eine realistische Perspektive? Die Antworten darauf fallen keineswegs eindeutig aus. "Ich würde gerne etwas mit Musik machen", sagt Isabel und lässt bewusst offen, ob Musik bei ihr Hobby oder Profession werden soll. Bei ihr als Saxofonistin fallen die Berufsaussichten ohnehin mager aus. Und dass die Zahl der hochqualifizierten Pianisten groß ist, das weiß auch Julian. Hinzu kommt: Der Kostendruck der öffentlichen Hand wirkt sich in der Kultur besonders nachteilig aus. Trotz allem Einsatz und aller Förderung: Die Zukunft von Isabel und Julian bleibt ungewiss. So steht auch hinter dem Erfolg der beiden jungen Leute ein großes Fragezeichen.