André Rieu in der Trierer Arena: Der Himmel voller Geigen

André Rieu in der Trierer Arena: Der Himmel voller Geigen

Es ist eine perfekte Show - und noch mehr: André Rieu trifft in der ausverkauften Trierer Arena genau den Nerv der Besucher. Die bejubeln den Meistergeiger aus Maastricht, sein Johann-Strauß-Orchester und ein Ensemble von Vokalsolisten ausgiebig. Am Ende wird es wie ein großes Fest.

Trier. Eine dreiviertel Stunde vor Konzertbeginn stauen sich die Autos bis zum Moselstadion. "Wir sind ausverkauft. 4000 Besucher!" vermeldet der Veranstalter freudestrahlend. Und während die Besucher im weiten Areal der Trierer Arena noch erwartungsvoll raunen, sind sie schon da - André Rieu und sein Johann-Strauß-Orchester.Wie im modernen Mächen


Sie ziehen an den Zuschauern vorbei, lachend, winkend, Blickkontakt suchend - Künstler beinahe zum Anfassen. Irgendwie hat es mit einem modernen Märchen zu tun: die Bühne in sanftes Blauweiß getaucht, die Damen des Orchesters in Reifrock und Spitzenkleid. Und André Rieu - ein raffinierter Mix aus Tanzmeister und Teufelsgeiger. Ein Künstler, wie man sich Künstler so vorstellt - genial, leichtlebig und abgehoben von der bürgerlichen Normalexistenz. Das Publikum, größtenteils Besucher vom Mittelalter aufwärts, ist fasziniert und jubelt schon vor dem ersten Ton.
André Rieu und sein Team liefern eine perfekte Show ab - durch und durch professionell und ausgefeilt bis aufs i-Tüpfelchen. Die Beleuchtung ist blend- und schattenfrei und variiert geschickt die Farbnuancen. Der Sound ist präzise abgestimmt, kommt zielgruppengerecht ohne wummernde Bässe aus und setzt auf jeden Ton eine Portion Hall. Im Hintergrund sorgen Projektionen für das passende Ambiente. Auf der Bühne sitzen an die 50 Profis - Streicher, Holz und Blech, dazu Klavier und Schlagwerk. Da brennt nichts an.
Und die Arrangements - ausnahmslos von Rieu selber - sind zwar nicht umwerfend originell, aber durchweg gekonnt und solide.
Auch Rieu ist Profi, und nicht nur auf der Geige! Nach zwei, drei Sätzen hat er alle Besucher auf seiner Seite, schmeichelt ("das beste Publikum der Welt"), appelliert ans Gefühl ("Wir hatten Tränen in den Augen"), erzählt Anekdoten und Witze, verkauft das Programm-Potpourri als musikalische Weltreise. Und das Publikum hängt an seinen Lippen, lacht freundschaftlich, applaudiert frenetisch, ist dabei, wenn es ums Mitmachen geht und badet selig im Schönklang aus den Lautsprechern. Es ist, als hinge in der Arena der Himmel voller Geigen.Ein Gefühl von Vertrautsein


Mit Johann Strauß hat das Johann-Strauß-Orchester nicht mehr allzu viel zu tun, aber wen stört das schon. Wenn die Platin Tenors "This land is mine" schmettern, oder Carla Maffioletti mit schneidender Stimme "Haya in den Bergen" zum Besten gibt, wenn Kimmy Skota mit einem Wiegenlied aus Südafrika die mütterlichen Gefühle aktiviert und Carlos Buono auf dem Banoneon brilliert (außerdem: Mirusia Louwerse aus Australien), dann verbreitet sich in der Arena ein Gefühl von Vertrautsein. Und spätestens bei den zahlreichen Zugaben wird das Konzert zum großen Fest, mit Händeklatschen, Luftballons und Tanz.

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