1. Region
  2. Kultur

Andrea Weber zu den Antikenfestspielen: Provisorium geblieben

Andrea Weber zu den Antikenfestspielen: Provisorium geblieben

Ja, wir wollen Antikenfestspiele, und zwar richtig. Festspiele, die dem Anspruch des Wortes auch gerecht werden und unsere ganze Stadt samt ihren sechs Weltkulturerbestätten mit einzigartiger Kunst verbinden.

Festspiele, die aufgrund eines überzeugenden Konzeptes mit ihrer Qualität und Einzigartigkeit Gäste und Sponsoren begeistern und überregional kräftig ausstrahlen. So kräftig, dass der Ruf Triers als ältester Stadt Deutschlands modern aufgefrischt wird, die Region touristisch besser vermarktet werden kann und auch die Bürger in unserer Region mitgezogen werden.

Dafür sind wir auch bereit, geeignete Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen. Wir garantieren eine zumindest mittelfristig ausreichende Finanzierung und schaffen eine professionelle Organisation in Form einer eigenständigen GmbH, die wir mit entsprechenden Profis besetzen." Ein derartiges Bekenntnis zu richtigen Festspielen vermissen wir seit Anbeginn von Stadtvorstand und Stadtrat. Die Festspiele sind bis heute dem Sinn ihres Wortes nicht gerecht geworden. Im Jahr eins wurden drei antike Stätten mit überregionalen Künstlern bei annähernd gleichem Budget bespielt. Seitdem sind die Festspiele ein Provisorium geblieben und haben nur selten eine Ahnung ihres Potenzials vermitteln können.

Daher haben wir nach vielen Gesprächen vor und hinter den Kulissen jüngst eine Denkpause gefordert und der Stadt einen Handlungsleitfaden übermittelt. Wir brauchen ein klares politisches Bekenntnis, denn sonst bleibt es tendenziell beim Sommertheater, das mit Blick auf die desolate Situation des Trierer Haushalts viel zu teuer ist.

Auch ein Blick auf das Wettbewerbsumfeld der Festspiele im deutschsprachigen Raum zeigt: richtige Festspiele sind ohne eine eigenständige GmbH und ein siebenstelliges Budget nicht zu organisieren. Sponsorenakquise und ihre Betreuung vor Ort, ein mit den anderen Kulturakteuren in Stadt und Region abgestimmtes künstlerisches Angebot sowie ein schlagkräftiges Marketing, das Handel und Tourismus mit einbindet, können nicht nebenbei erledigt werden. Eine mittelfristig mögliche Drittelfinanzierung aus öffentlichen Zuschüssen, Kartenverkaufserlösen und Mitteln von Sponsoren, Mäzenen und Freundeskreisen ist ein erstrebenswertes Ziel.

Die Festspiele müssen auch außerhalb der Festspielstätten erlebbar sein. Statt einer zermürbenden Diskussion über die ideale Spielstätte müssen mindestens drei Spielstätten genutzt werden. Dazu zählt fraglos das Amphitheater, aber bitte endlich mit akzeptablen Bedingungen für die Künstler und Gäste sowie die Sponsorenbetreuung einschließlich einer festen Rangbestuhlung.

Alles Wichtige ist schon mehrfach gedacht und gesagt worden. Wir müssen es nur noch richtig umzusetzen, aber bitte mit Professionalität und Begeisterung!

Andrea Weber

Andrea Weber ist Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Trier und den Antikenfestspielen von Beginn an als Unterstützerin verbunden.

SERIE: "WAS WIRD AUS DEN ANTIKENFESTPIELEN?"