Andreas Rosar inszeniert Offenbachs „Pariser Leben“ neu im Trierer Theater

Kultur : Irrungen und Wirrungen in der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts

Andreas Rosar inszeniert Offenbachs „Pariser Leben“ neu im Trierer Theater. Die Premiere ist am 1. Dezember zu sehen.

 Jacques Offenbach ist der ungekrönte König der Operette. Und wenn Andreas Rosar jetzt in Trier Offenbachs „Pariser Leben“ inszeniert, dann ist das keine Theater-Routinearbeit. In seinen Operetten zuvor hat sich Offenbach in ferne Welten begeben – in die Unterwelt bei „Orpheus“, in die Antike bei der „Helena“, ins Reich der Duodezfürsten  in der „Großherzogin“. Die Handlung von „Pariser Leben“ findet genau da statt, wo diese Operette erstmals aufgeführt wurde: in der Stadt an der Seine. Beim Philosophen Walter Benjamin heißt sie „die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“.

Andreas Rosar will in seiner Regie nachzeichnen, was in dieser Stadt geschieht an Komischem und Absurdem, an Ernsthaftem und Bedenkenswertem. Und entdeckt dabei erstaunliche Parallelen zur Gegenwart im 21. Jahrhundert.  Es war und ist die Zeit schwindender Gewissheiten, der Auflösung scheinbar festgefügter Strukturen, eine Zeit sozialer und politischer Veränderungen. „Kein Zweifel, die Operette entwächst demokratischem Geist“, schreibt Siegfried Kracauer optimistisch in seinem Offenbach-Buch aus den 1930er Jahren, Dessen Ideen sind für Rosar eine wichtige Inspirationsquelle.

Und eins dabei ist sicher: Offenbach und sein bewährtes Autorenteam Meilhac und Halévy inszenieren einen Rausch, der das sozial Untere nach oben spült. Sie treiben die klassische Verwechslungs-Komödie auf die Spitze. Fiktion und Wirklichkeit fließen ineinander.  Eine Handschuhmacherin wird zur trauernden Obristen-Witwe, ein Schuster zum Major, ein Stubenmädchen zur Admiralsgattin, eine Edelnutte zur feinen Dame. Und mittendrin bewegt sich der schwedische Baron Gondremarck, fraglos ein gesellschaftliches Fossil. „Aus der Zeit gefallen“, sei er, sagt Rosar.

Gondremarck  erlebt das Spiel zwischen Sein und Schein mit wachsender Orientierungslosigkeit. Und reagiert nicht verstimmt, sondern mit Vergnügen und Noblesse, als der Schwindel auffliegt. Auch das gehört zum „Pariser Leben“.

Am Pult steht Kapellmeister Wouter Padberg. Der hat bereits im Februar bei Cimarosas „heimlichen Ehe“ mit Rosar zusammengearbeitet – für  beide mit sensationellem Erfolg. Jetzt dirigiert er die unvergleichliche Musik Offenbachs – eine klingende Kunst, jenseits forcierter Bedeutungsschwere, aber auch fernab aller nur-unterhaltenden Harmlosigkeit.

Die deutsche Übersetzung des Librettos stammt von Michael Quast, das Bühnenbild von Martin Warth, Carola Vollath hat die Kostüme entworfen, die Choreographie stammt von Damien Nazabal. Angela Händel hat den Chor einstudiert, die Dramaturgie besorgte Eva Bunzel. Es singen und spielen Eva Maria Amann, Mathias Bein, Sotiria Giannoudi, Michael Hiller, Demetrio-Giovanni Rupp und viele andere mehr.

Premiere am 1. Dezember, 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen: 7. Dezember, 15. Dezember, 28. Dezember 31. Dezember, 27. Januar und 26. Februar. Kartenservice: 0651/7181818. Mail: theaterkasse@trier.de. Homepage: www.theatertrier.de

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