1. Region
  2. Kultur

Anekdoten eines Marathonmanns

Anekdoten eines Marathonmanns

"Des Menschen Identität" - das Trifolion Echternach hat sich ein großes Thema für die Vortragsreihe "Horizonte" ausgesucht. Am Donnerstag stand Joey Kelly auf dem Podium und berichtete aus der Sicht eines Extremsportlers über Willenskraft und Selbstdisziplin. Sein Vortrag "No Limits - Wie schaffe ich mein Ziel" versammelte spektakuläre Anekdoten, blieb aber inhaltlich dünn.

Echternach. Die runtergelaufenen Turnschuhe haben ihren Platz in der Bildgeschichte der Leistungsgesellschaft sicher - spätestens, seitdem Joschka Fischer sein neu entdecktes Faible für Fitness öffentlichkeitswirksam auslebte. Das verschlissene Sportschuhwerk sagt dem Betrachter: Hier hat ein starker Geist das schwache Fleisch unterworfen, hier hat jemand seine Willenskraft ans Limit getrieben.
Dieser Mythos hat seinen Niederschlag auch in der diesjährigen Vortragsreihe "Horizonte" des Trifolion Echternach gefunden, die unter dem Motto "Des Menschen Identität" läuft. Nachdem das Thema bereits aus den Perspektiven der Neurowissenschaft und der Philosophie beleuchtet wurde, stand mit Joey Kelly am Donnerstagabend ein eher handfester Redner auf dem Podium.
Der Spross jener Kelly Family, die in den 90er Jahren ganze Horden von Menschen - zumeist junger Mädchen - in die Stadien zog und Platten in Rekordauflagen verkaufte, sprach in seiner Funktion als Extremsportler über sein erfülltes Leben, das heute dem Sport gewidmet ist.
Er berichtete von einer Triathlon-Blamage als Auftakt einer ehrgeizigen Sportlerkarriere, in der sich die Extremwettkämpfe aneinanderreihen: Joey Kelly lief durch die Hitze der Wüste, durch gefrorene Eislandschaften, und er durchquerte die Vereinigten Staaten auf dem Fahrrad - natürlich mehrfach. Er stieg bei der Wok-Weltmeisterschaft in die Eisbahn und durchwanderte Deutschland in 17 Tagen, davon die drei letzten ohne Nahrungsaufnahme.
Das Publikum, in dem eine beträchtliche Anzahl von Marathonläufern und Sportbegeisterten saß, fand Gefallen an den Ausführungen, die zwischen routiniertem Witz und Selbstglorifizierung wechselten, dabei aber nur selten eine Aussagekraft über das rein Sportliche hinaus gewannen. Über das Thema der Reihe, den Willen und das Wesen des Menschen, konnten sie nur wenig beitragen: Das Wichtigste im Leben sei es, ein Ziel zu haben.
Mut, Begeisterung und Leidenschaft seien nicht nur im Sport wichtige Tugenden, sondern auch in Familie und Beruf - tiefergehende Erkenntnisse über Willenskraft und Selbstdisziplin blieb der Redner dem Publikum schuldig. Das störte sich daran aber offensichtlich nicht.
In der anschließenden Diskussion war das wichtigste Thema dann auch wenig verwunderlich: die Wahl des richtigen Laufschuhs.
Der nächste Termin der Horizonte-Reihe ist am Donnerstag, 21. Mai, 20 Uhr: Dann sprechen Wolf Singer und Manfred Osten über das Thema "Die Willensfreiheit - ein Irrtum?" Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter 0651/7199-996 und auf <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/tickets" class="more" text="www.volksfreund.de/tickets"%>