Annette Dasch in der Philharmonie: Zarte Seele und wütende Auflehnung

Annette Dasch in der Philharmonie: Zarte Seele und wütende Auflehnung

In einem fesselnden Liederabend haben Annette Dasch und ihre Schwester Katrin 260 Zuhörer im Kammermusiksaal der Philharmonie begeistert. Auf dem Programm standen unter anderem Auszüge aus Gustav Mahlers Liedersammlung "Des Knaben Wunderhorn".

Luxemburg. Annette Daschs Lust am Singen, am Spielen, einfach an der Musik ist ansteckend. Selbst wenn sie nur über Musik spricht, tut sie das so mitreißend und lebendig, als ob ihre Kommentare Teil ihres Gesangs sind. Die Sopranistin, die bereits in Salzburg wie in Bayreuth überzeugt hat, verfügt nicht nur über jede Menge musikalische und emotionale Energie, sondern auch über eine enorme Gestaltungs- und Ausdruckskraft.
Fesselnde Kammerspiele der Seele waren ihre Lieder in Luxemburg. Vom unschuldigen zarten Seelchen bis zur verzweifelten Wut reicht die Gefühlspalette, die ihre Stimme und ihre Mimik zum Ausdruck bringen. Lyrische Partien schafft sie ebenso gut wie die hochdramatischen. Bisweilen scheint ihr Sopran von einer geradezu transzendenten Klarheit.
Nach Luxemburg kam die Berlinerin gemeinsam mit ihrer Schwester Katrin Dasch, die sie am Klavier begleitete. Auf dem in sich dichten Programm standen Lieder von Gustav Mahler, Alexander Zemlinsky, Arnold Schönberg und Erich Wolfgang Korngold. Für die drei Letztgenannten war Mahler unüberhörbar Vorbild. Seine Orchesterlieder aus "Des Knaben Wunderhorn" - hier in der wiederentdeckten Fassung für Klavier und Stimme - waren im ersten Teil des Abends zu hören. Man kennt sie schlichter und dunkler. Annette Daschs heller Sopran machte gerade in den Soldatenliedern großartig die Kontraste hörbar: die Verzweiflung und die Auflehnung, die Sehnsucht und den Freiheitswillen. Wunderschön das "Urlicht". Engelsgleich klang Daschs Stimme. Das war Kinderglaube in Ton gefasst.
Voller Selbstironie und Weltverdrossenheit erklangen Arnold Schönbergs spröde Lieder. Zum gesanglichen wie schauspielerischen Schelmenstück wurde Alexander Zemlinskys unheimliches "Buckliges Männlein". Im Klavierpart hätte man sich Katrin Dasch gerade bei Mahler etwas selbstbewusster gewünscht. er

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