Anstrengung lohnt sich

Anstrengung lohnt sich

Bei der zwölften Auflage des internationalen Opening-Festivals für aktuelle Klangkunst sind in der Tufa bei zehn Konzerten 21 Interpreten aufgetreten. Von Freitag bis Sonntag boten sie Vertracktes und Witziges fürs geneigte Ohr.

Trier. "Fümms bö wö tää zää Uu, pögiff, kwii Ee”, proklamiert ein Mann feierlich im großen Saal der Tufa und fügt hinzu: "Dedesnn nn rrrrr Il Ee, mpiff tillff toooo, till." Ab und zu untermalt er die, nun ja, Worte, indem er einen geriffelten Plastikschlauch entlang streift: "Rrrrrrratsch!" Was für den einen wie sinnfreier Unsinn klingt, ist auch für den anderen welcher - aber mit künstlerischem Anspruch! Dass eins das andere nicht ausschließen muss, davon waren die Dadaisten überzeugt: Ironische Anarchisten, die mit ihrer grotesken Kunst enge Fesseln sprengen wollten - und dafür alles ernteten vom begeisterten Applaus über die gerunzelte Stirn bis zum abgrundtiefen Hass.
Auch wenn es beim "Opening-Festival für aktuelle Klangkunst" in der Tufa nicht nur dadaistische Werke zu hören und zu sehen gab - die Reaktionen auf das meiste, was geboten wurde, wären beim unvorbereiteten Durchschnittsbesucher wohl ähnlich breit gestreut gewesen. Da das Festival aber nicht zum ersten, sondern zum zwölften Mal stattfand, wussten die meisten Besucher nicht nur, worauf sie sich einlassen, sondern verlangten explizit danach. Wer die Anstrengung auf sich nahm, das eher unzugängliche musikalische Terrain fernab von sich brav "auflösenden" Harmoniefolgen im Viervierteltakt zu bereisen, den empfing gleich eine ganze Fülle an Klangkosmen.
Schwindelerregende Akkorde


Die waren mal grotestk-lustig befüllt, wie bei der mit viel "Rrrrrrtsch!" von Alexander Voigt vorgetragenen "Ursonate" von Kurt Schwitters. Die schwindelerregenden Akkorde, mit denen der Cellist Michael Bach Bachtischa rund 50 Zuhörer auf einen Trip ins Unterbewusstsein schickte, konnte der Musiker überhaupt nur mit einem selbst entwickelten Rundbogen erzeugen. Das renommierte Festival wurde zum zweiten Mal von Thomas Rath und Bernd Bleffert organisiert. Die konnten am Sonntag zufrieden sein, haben sie doch erneut bewiesen, dass man in Trier auch mit unbequemer Kunst zuverlässig Zuschauer locken kann, wenn das Konzept stimmt: Der große Saal war bei den zehn Konzerten nicht selten mit rund 70 Zuschauern ordentlich gefüllt.
Extra

Gabriele Bleffert, 59, aus Winterscheid: "Ich sehe das als Musik, mit der man sich eben auf vielen Ebenen auseinandersetzen muss: Was macht das mit mir, was passiert energetisch mit mir? Vieles berührt mich gar nicht, anderes aber sofort - und das öffnet dann eine Tür." Markus Bydolek, 51, aus Trier: "Ich war froh, nochmals die Musik für den japanischen Garten hören zu können. Bei der Aufführung im Sommer war es kalt und ungemütlich - die Aufführung im geschlossenen, konzertanten Raum wurde der Komposition erst wirklich gerecht." Gudrun Paulsen, 45, aus Trier: "Ich habe das erste Opening Festival mit ins Leben gerufen. Wir wollten damals experimentellere Sachen in die Tufa bringen, und ich finde, das von Bernd Bleffert und Thomas Rat aufgestellte Programm führt das sehr gut fort - ganz toll auch die Ausstellung!" Helmut Bleffert, 60, aus Winterscheid: "Mein Bruder Bernd ist hier ein Veranstalter und Komponist. Ich finde das alles schon sehr interessant - als Konzentrationsaufgabe die Klangbrechungen und den Energieablauf zu beobachten - auch wenn Musik an sich für mich schon etwas anderes ist. Das hier ist eher anstrengend - was aber nicht abwertend gemeint ist, viele interessante Sachen erfordern Anstrengung!"

Umfrage: Frank Göbel