Antisemitismus: Konzert mit Werk von Hans Pfitzner in Trier fällt aus

Musik und Gesellschaft : Musiker sagen ab: Kein Geburtstagskonzert für antisemitischen Komponisten Pfitzner

Trotz heftiger Kritik und fehlender Sponsoren sollte im September eine Kantate des antisemitischen Komponisten Hans Pfitzner aufgeführt werden. Nun sind die Musiker abgesprungen.

Welche Gründe nun genau dazu geführt haben – darüber gibt es recht unterschiedliche Aussagen. Sicher ist jedoch: Der umstrittene Komponist Hans Pfitzner wird zu seinem 150. Geburtstag nun doch kein Konzert in Trier bekommen. Die vom Richard-Wagner-Verband Trier-Luxemburg und dem Trierer Konzertchor für Ende September geplante Aufführung der Pfitzner-Kantate „Von deutscher Seele“ ist abgesagt. Wie die Organisatoren auf Anfrage am Donnerstag bestätigten, wurde dem Konzert „die musikalische Grundlage entzogen“, da die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz sich nicht mehr beteiligen will. Pfitzner gilt als überzeugter Antisemit. Noch 1945 rechtfertigte er in einer Glosse die Judenverfolgung. Dass das Werk ausgerechnet im „Pfitzner-Jubiläumsjahr“ aufgeführt werden sollte, erntete reichlich Kritik.

Seit mehr als zwei Monaten weiß die Öffentlichkeit um das heikle Konzert. Noch länger ist den Beteiligten bekannt, dass weder die Stadt Trier, noch das Land Rheinland-Pfalz, das Mosel Musikfestival oder das Trierer Theater sich finanziell oder organisatorisch beteiligen wollen. Warum also jetzt dieser plötzliche Rückzieher der Staatsphilharmonie?

Aus Trierer Insiderkreisen heißt es, das Mainzer Kulturministerium habe die Staatsphilharmonie (die ein Landesbetrieb ist) unter Druck gesetzt, den Auftritt abzusagen. Ministeriumssprecher Markus Nöhl hingegen betont, das sei eine souveräne Entscheidung der Philharmonie. „Das ist künstlerische Freiheit“.

Die Organisatoren begründen die Absage aus Ludwigshafen damit, die Philharmonie wollte sich „schützend vor die Orchestermitglieder stellen, falls Anfeindungen durch das Konzert zu erwarten wären“.

Und das Orchester selbst nennt als Grund für seine „eigenständige, unabhängige Entscheidung“, dass die erhoffte Förderung des Landes und der Stadt ebenso wegfallen wie die Zusammenarbeit mit dem Mosel Musikfestival. Diese Kooperation hätte eine kritische Auseinandersetzung ermöglicht. „Eine breite Zusammenarbeit hätte garantiert, dass eine umfassende Aufarbeitung des Werks und vor allem Pfitzners unverhohlener Nähe zum Nationalsozialismus möglich geworden wäre“, sagt Intendant Beat Fehlmann.

Auch scheint er die Sicht der abgesprungenen Sponsoren nun zu teilen. Eine wichtige Begründung für die Absage der öffentlichen Träger sei der Umstand, dass das Werk im Zusammenhang mit dem 150. Geburtstag des Komponisten aufgeführt werden sollte. „Damit lassen sich Werk und Person nicht trennen. Eine Aufführung im Jubiläumsjahr würde die aktive Rolle dieses Künstlers im Nationalsozialismus relativieren und rückwirkend gar billigen“, heißt es in der Pressemitteilung der Philharmonie.

Man habe vorgeschlagen, das Konzert zu verschieben. Nun steht das Jahr 2021 zur Debatte.

Und wie ist die Sicht der Organisatoren, die – wie sie selbst schreiben – „ungeachtet des sicherlich wohlgemeinten Rates seitens Politik und lokaler Presse“ an dem Vorhaben festgehalten hatten? „Monatelang hatte man sich intensiv mit dem Werk auseinandergesetzt und auf dieses Konzert vorbereitet; der Saal ist angemietet, Solisten und Orchester engagiert. Das finanzielle Risiko angesichts fehlender Sponsoren ist erheblich“, schreiben die Organisatoren, für die das Ganze in den vergangenen Monaten zur nervenaufreibenden Belastung geworden sein dürfte.

Hans Pfitzners Kantate wird nun zwar nicht zu hören sein, ein Konzert gibt es aber dennoch:

Pfitzner. Foto: Andreas Praefcke

Der Wagnerverband und der Trierer Konzertchor bieten dem Publikum zum vorgesehenen Termin am 29. September um 17 Uhr in St. Maximin ein Konzert mit kurzfristig geändertem Programm an: Felix Mendelssohn-Bartholdy: Bühnenmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ für zwei Solistinnen, Frauenchor und Orchester, Robert Schumann: Nachtlied op. 108 (Text Friedrich Hebbel) für gemischten Chor und Orchester sowie Franz Liszt: Faust-Sinfonie in drei Charakterbildern für Tenor, Männerchor und Orchester.  Mitwirkende seien: Susanne Bernhard (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Andreas Post (Tenor), Trierer Konzertchor, Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Die Leitung hat Jochen Schaaf.

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