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Anziehungskraft der Armut

Trier. Nach 16 Wochen ist in Trier die Ausstellung "Armut - Perspektiven in Kunst und Gesellschaft" zu Ende gegangen. Das Gemeinschaftsprojekt von Universität, Stadt- und Landesmuseum übertraf selbst optimistische Erwartungen. Dieter Lintz

Trier. Am Anfang hatte mancher die Idee noch belächelt: Ausgerechnet die "Armut" zum Sujet der größten Trierer Ausstellung seit Konstantin zu machen, das klang etwas weltfremd. Selbst der Leiter des Gesamtprojekts, Professor Herbert Uerlings vom Sonderforschungsbereich "Fremdheit und Armut" an der Uni Trier, macht längst keinen Hehl aus seiner "anfänglichen Skepsis" über die Zugkraft des Themas.
Doch schon bei der Eröffnung im April kam das Publikum in Scharen, angelockt von spektakulären Leihgaben, aber auch von einem hochwertigen, wissenschaftlich anspruchsvollen, doch allgemeinverständlichen Begleitprogramm. Das "große Interesse an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema" habe ihn beeindruckt, sagt Uerlings. Das Ziel, eine breitere Öffentlichkeit für Armutsfragen in Geschichte und Gegenwart zu sensiblisieren, sei erreicht worden.
Elisabeth Dühr, Chefin des Stadtmuseums, freut sich über eine "fantastische Presseresonanz, regional wie überregional", aber auch über die Rekordzahl von mehr als 3000 Schülern, die ihr Haus besuchten - meist gut vorbereitet durch didaktische Themenhefte. Unterm Strich zählte allein das Stadtmuseum 230 offizielle Führungen.
Eine genaue Teilnehmerzahl für das Gesamtprojekt ist nicht ganz leicht zu ermitteln. Über 25 000 Besucher kamen eigens für die Armutsausstellung ins Stadtmuseum, weitere 5000 waren bei den zahlreichen Rahmenveranstaltungen dabei, an denen sich fast alle Trierer Kultureinrichtungen beteiligten - vom Tufa-Tafeltheater über Promi-Schullesungen bis zum Requiem-Konzert. Das Landesmuseum zählte seit dem 10. April insgesamt 35 000 Besucher. Geht man davon aus, dass gut die Hälfte davon wegen der Armutsausstellung kam, ist eine Gesamtzahl von 50 000 Teilnehmern durchaus realistisch - ein Erfolg, mit dem in dieser Größenordnung wohl niemand gerechnet hätte. Landesmuseums-Chef Eckart Köhne freut sich vor allem über "viele jüngere Besucher", die man habe ansprechen können, "nicht zuletzt dank des in Zusammenarbeit mit der FH entwickelten Ausstellungsdesigns".
Ähnlich wie bei Konstantin nehmen sich die Macher vor, den Schwung in neue Taten umzusetzen. "Wie haben vielfältige Kontakte geknüpft, die für künftige Gemeinschaftsprojekte genutzt werden können", sagt Stadtmuseumsdirektorin Dühr. Ein erstes Beispiel kann sie schon nennen: Ab Oktober werden im Simeonstift Grafiken von C.W.E. Dietrich gezeigt - aus dem Bestand des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Uni Trier. Von der Trierer Vorarbeit profitiert nun die Stadt Ulm: Im dortigen Museum für Brotkultur ist eine abgespeckte Form der Armutsausstellung zu sehen. Die Eröffnung findet am 11. September statt. Ausführliche Infos: www.museum-brotkultur.de