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Armer Künstler bittet um milde Gabe

Armer Künstler bittet um milde Gabe

Kunst in der Krise: als Thema ein weites Feld, als Problem ein Dauerbrenner. Laas Koehler löst es in der Trierer Tufa auf seine Weise.

Fast jeder kennt ihn: Carl Spitzwegs "Armen Poeten". Mit dem Schirm unterm undichten Dach liegt er auf kargem Lager, frierend und hungernd, aber glücklich in der stillen Himmels enge, seiner Kunst. Anlässlich des Trierer Armut-Projekts hat sich Laas Koehler, der aus Berlin zugewanderte und in der Moselstadt arbeitende Aktions- und Installationskünstler, neuerlich die Situation der Kunst in einer häufig verständnislosen Welt zum Thema gemacht. "Kunst in der Krise - welche Krise", fragt er auf seinem Tapeziertisch, der zurzeit sein hartes Bett ist. Das zumindest hat er mit Spitzwegs künstlerischem Prototypen gemein. Und sicher auch die Begeisterung für die Kunst. Bei der interdisziplinären Aktionskunst kann sich der Künstler eben auch selbst in Szene setzen. Selbstgenügsam wie des Malers Poet ist Koehler freilich nicht. Das würde auch nicht passen. Stattdessen wettert er - wie er nun mal so ist - mit seinen Objekten und Installationen gegen eine kalte Gesellschaft und ihre künstlerische Ignoranz. Interaktiv geht es dabei natürlich auch zu. Nicht nur, dass sich der Künstler zur Demonstration seiner Thesen im unwirtlichen Tufa-Saal häuslich niedergelassen hat. Im Sinne einer sozialen Plastik ist die Öffentlichkeit aufgerufen, aktiv und verbessernd an der künstlerischen Lage - wofür Koeh ler als Zeuge steht - mitzuarbeiten. Um Essenspenden und Pfandflaschen wird gebeten. Wer will, kann auch mitessen und vor Ort mitdiskutieren. Der Pfandschatz der gesammelten und geschenkten Wasserflaschen soll die Künstlerrente erwirtschaften.

Wenn es dann doch mal zu ungemütlich wird, kann der Künstler in den Polstern seines Sessels versinken, um "fern zu sehen" hin in jene ersehnte Welt, die Museum heißt. Denn hierzulande ist es bitter zu leben, vermittelt Koehlers Staffelei, die einem Galgen gleicht und zu der er mitteilt, dass dort alle fünf Minuten ein Künstler verhungert. Der weiße Kunstsarg steht gleich daneben. Koehlers Projekt ist vor allen ein sehr ehrliches.

Wie stets ist seine Bildfindung und ihre Symbolik griffig, plakativ, manchmal witzig, allerdings auch mal platt. So wenn sein "White Cube" (der weiße Kubus), der klassische Galerieraum eben, zum WC wird, in dem ein Bild hängt, dessen sekundäre Geschlechtsmerkmale mitteilen: "Sex sells" (Sex verkauft sich). Kunst nicht - ist der Betrachter angehalten zu denken. Was nicht immer stimmt.

Ganz abgesehen davon, dass auch Sex ein Kunstthema ist. Seriös gemeint, darf es auch ruhig mal gutgehen.

EXTRA ARMUT



Laas Koehler ist noch bis 23. April in der Tufa in Trier (Öffnungszeiten: Mo, Di, Mi, Fr 15-19 Uhr, Sa, So 11-15 Uhr) Die Aktion gehört zur Ausstellung "Armut - Perspektiven in Kunst und Gesellschaft", an der die Universität Trier beteiligt ist (Sonderforschungsbereich 600, "Fremdheit und Armut") und die außerdem im Städtischen Museum Simeonstift Trier und im Rheinischen Landesmuseum in Trier zu sehen ist.